Graf Lerchenfeld Quartier: Nächste Pleite im Köferinger Baudesaster

Von Philip Hell · 31. Januar 2025 um 16:33

Zahlreiche Menschen wollten in Köfering Wurzeln schlagen. Auf dem Land – und trotzdem in Stadtnähe. Doch der Traum wurde zum Albtraum: Seit Jahren sorgt das Bau-Fiasko im Graf Lerchenfeld Quartier für Negativ-Schlagzeilen. Seit Freitag ist klar: Jetzt ist auch der Projektentwickler Graf Lerchenfeld GmbH in Schieflage geraten.

Auf Antrag der Firma eröffnete das Amtsgericht Regensburg am Freitag ein Insolvenzverfahren über das Vermögen des Unternehmens. Es wurde ein vorläufiger Insolvenzverwalter bestellt. Dabei handelt es sich um den Regensburger Rechtsanwalt Daniel Barth. Dieser war am Freitag für die MZ nicht zu erreichen.

Graf Lerchenfeld Quartier GmbH warb mit Hochglanzprospekten

Die Graf Lerchenfeld Quartier GmbH und ihr Geschäftsführer Markus Dirnberger betonten stets, dass sie nur Grundstücke verkauft hätten, aber nie Verantwortung für die Ausführung der Bebauung übernommen hätten. Das Unternehmen warb in Hochglanzbroschüren für das Projekt.

Vereinfacht geschildert lief die Sache in Köfering so: Die Graf Lerchenfeld Quartier GmbH verkaufte den Bauherren ein Grundstück. Der Bauvertrag für das Haus darauf ist eigenständig. Dieses Vorgehen nennt sich verdecktes Bauherrenmodell. Es ist legal, aber in Fachkreisen wird davor gewarnt.

Graf Lerchenfeld Quartier: Es ist nicht die erste Insolvenz

Die Insolvenz ist nicht die erste im Köferinger Baudesaster. Die Liaton Wohnbau GmbH reichte Ende 2023 einen Insolvenzantrag ein. Das Unternehmen war damit beauftragt, die Häuser zu bauen. Die Urban Green Wohnbau GmbH übernahm, wurde schließlich zur Köferinger Projektbau GmbH – die im Oktober Insolvenz anmeldete.

Heute reihen sich dort viele unfertige Häuser. In der jüngsten Sitzung des Köferinger Gemeinderats wurde bekannt, dass immer noch Keller undicht sind. Fachleute rieten von einer Absenkung des Grundwasserspiegels ab.

Staatsanwaltschaft beschäftigt sich mit Graf Lerchenfeld Quartier

Inzwischen beschäftigen die Vorgänge im Baugebiet auch die Strafverfolgungsbehörden. Unlängst wurde bekannt, dass die Staatsanwaltschaft Regensburg gegen frühere Chefs des Bauunternehmens Liaton ermittelt.

Der Vorwurf: mögliche Insolvenzverschleppung und möglicher Betrug. Die Ermittler wurden auch hellhörig, weil einer der beiden Liaton-Chefs zugleich Geschäftsführer der Graf Lerchenfeld Quartier Vertriebs GmbH war, die die Grundstücke vermarktet.

Auch mit der Graf Lerchenfeld Quartier GmbH wird sich die Staatsanwaltschaft Regensburg befassen. Das ist im Rahmen von Insolvenzverfahren immer der Fall. Die Strafverfolgungsbehörde wird prüfen, ob alles ordnungsgemäß ablief.

Bei den Bauherren dürfte die Nachricht von der Insolvenz der Graf Lerchenfeld Quartier GmbH für noch mehr Hoffnungslosigkeit sorgen. 90 von ihnen haben sich in einer Interessengemeinschaft zusammengetan, um rechtliche Schritte gegen die Graf Lerchenfeld Quartier GmbH (GLQ) mit Geschäftsführer Markus Dirnberger zu prüfen.

Nach der Insolvenz stellt sich die Frage: Was gibt es da noch zu holen?