Lerchenfeld-Quartier: Sorgen der Gemeinde Köfering werden immer größer

Das große Bauprojekt Graf Lerchenfeld Quartier kommt nicht aus den Schlagzeilen. Das Vorzeigeprojekt war rund eine Stunde lang Thema in der jüngsten Sitzung des Köferinger Gemeinderats.
Noch in der Sitzung des Gemeinderats vor der Sommerpause am 29. Juli hatte sich die Geschäftsführung der Urban Green Wohnbau GmbH dem Gemeinderat vorgestellt und über die weiteren Pläne gesprochen. Zu der Oktobersitzung waren nun die Vertreter wieder geladen, aber niemand kam.
Die neuen Projektverantwortlichen sollten sich vorstellen, um die weiteren Vorgehensweisen beziehungsweise ihre Absichten zu erläutern und für Fragen sowie offene Punkte zur Verfügung zu stehen. Die Enttäuschung bei Bürgermeister Armin Dirschl und dem Gemeinderat war spürbar. Auch die Zuhörer, darunter junge Bauherren aus dem Quartier, machten lange Gesichter.
Versammlung mit Beteiligten
Inzwischen wurden den Bauherren mehrere Schreiben zu einer möglichen Insolvenz der Wohnbau GmbH zugestellt, so erfuhren die Anwesenden (die Mittelbayerische berichtete bereits). Darüber hinaus sei in der Zeit ab 9. September die Urban Green Wohnbau GmbH zur Köferinger Projektbau GmbH umfirmiert worden. Ein neuer Geschäftsführer sei eingestellt worden und die Firma dem Vernehmen nach für einen Euro an einen neuen Eigentümer „weiterverkauft“ worden. Die Bauherren seien verunsichert. Fakt sei, dass eine Reihe von Kellern nach Aussagen von Eigentümern undicht und irreparabel seien.
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Nach dieser Bestandsaufnahme war die Ratlosigkeit in den Gesichtern der Gemeinderäte abzulesen. Bürgermeister Armin Dirschl fragte: „Was können wir tun? Was ist rechtlich möglich?“ Und er war sich mit dem Gemeinderat einig: „Wir wollen helfen. Aber uns sind die Hände gebunden. Über alles, was besprochen und ins Auge gefasst wurde, schweben Kosten im hohen sechsstelligen Bereich, die auf die Gemeinde zukommen könnten.“ Einstimmig wurde beschlossen, dass jetzt erst einmal Möglichkeiten der Gemeine ausgelotet werden sollen.
Die Erschließung des weiteren Baufelds sei gesichert. Eine dauerhafte Absenkung des Grundwasserspiegels solle forciert werden. Das Büro Altmann wolle man dafür gewinnen. „Durch das Abpumpen entstehen Kosten für Energie und Pumpentechnik. Eine Absenkstelle muss eingerichtet werden. Der Reinheitsgrad des Grundwassers ist zu überprüfen“, erklärte Dirschl. Und der Bürgermeister fragte: „Kann das Grundwasser über den Lohgraben abgeleitet werden? Es werden dauerhafte jährliche Kosten entstehen. Können wir uns diesen Kraftakt leisten?“ Das Wasserwirtschaftsamt müsse der Absenkung zustimmen.
Auch die Gestaltungssatzung war Thema. Die Gemeinde habe hier nur über den Bebauungsplan direkten Einfluss gehabt. Die Fassadengestaltung und weitere Optiksteuerungsmöglichkeiten seien dort verankert. Zum Beispiel bei gestalterischen Umrahmungen von Fenstern und Türen seien Einsparungen pro Haus für die Bauherren im fünfstelligen Bereich möglich. Der Bauausschuss solle in Zusammenarbeit mit der Graf Lerchenfeld Quartier GmbH eine Änderung festlegen. Dirschl regte an, eine baldige öffentliche Plattform für alle involvierten Parteien zu schaffen. Die Gemeinde könne zu einer Versammlung einladen. Das Gremium votierte einstimmig dafür.
Zweiter Bürgermeister Manuel Hagen stellte fest: „Wir sollten unsere Möglichkeiten für eine zeitnahe Lösung massiv ausschöpfen. Die Vorzeichen sind nicht gut. Der vierte Generalunternehmer ist am Ruder.“ Graf Christopher von Lerchenfeld plädierte für die Grundwasserabsenkung. Zur Fertigstellung der Häuser könnten durch die Bauherren in Absprache mit den Baugemeinschaften gebildet werden, um Kosten zu sparen. Dirschl sagte dazu: „Bei allem Helfen wollen dürfen wir keinen Präzedenzfall schaffen. Es könnten aus späteren Projekten Forderungen auflaufen.“ Im Baugebiet Weiherbreite – unter anderem an der Dr. Bruno-Sahliger-Straße – habe es schon Grundwasserprobleme gegeben. Mit einer temporären Absenkung sei dort Abhilfe geschaffen worden.
Dritte Bürgermeisterin Christiane Reinfrank warf ein, dass „die Bestandsbewohner im sensiblen Umfeld“ des betroffenen Projekts mit einbezogen werden müssten. Bei Absenkungen könne die Statik von Häuser sowie Brunnen auf Privatgrundstücken betroffen sein. Es könne deshalb schwierig werden.
Nicht Stand der Technik
Andreas Schönborn erklärte: „Die Keller sind verpresst worden. Es half nichts. Viel Geld wurde verbrannt. Können wir den Investor heranziehen?“
Das Gemeindeoberhaupt fragte in die Runde: „Welches Fass machen wir mit dem Riesenproblem auf? Beherrschen wir das? 80 bis 100 Häuser sind fertig. Die Keller sind nicht Stand der aktuellen Technik. Sie wurden als wasserdicht verkauft.“ Thomas Kleinert sagte: „Darf die Firma Köferinger Projektbau GmbH überhaupt den Namen Köfering nutzen? Wir sind nicht ja nicht beteiligt.“
Mit 11:1-Stimmen wurde beschlossen, eine Planung zur Grundwasserabsenkung anzufragen. Mit 12:0-Stimmen wurde ebenfalls beschlossen, in Absprache eine neue Gestaltungssatzung auf den Weg zu bringen.