BayWa-Sanierung verunsichert auch Landwirte – Wie steht es um Standorte im Kreis Schwandorf?

Von Hubert Heinzl · 27. Januar 2025 um 17:00

Die Ankündigung des Agrarkonzerns BayWa, in großem Umfang Stellen abzubauen und etliche Standorte zu schließen, hat auch im Landkreis Schwandorf für Unruhe gesorgt. Doch inzwischen ist bei den Landwirten wieder ein Stück Gelassenheit eingekehrt.

Der Agrarkonzern war nach Jahren der internationalen Expansion in Schieflage geraten und hoch verschuldet. Ende 2024 wurde ein Sanierungsprogramm verkündet, doch die Umstrukturierung hat ihren Preis: 1300 von rund 8000 Jobs in Deutschland sollen abgebaut, 26 von 400 Standorten geschlossen werden.

Betreffen die Einschnitte auch den Landkreis Schwandorf? Hier ist die BayWa mit Standorten von Wernberg-Köblitz bis Schwandorf neben Raiffeisen und privaten Anbietern „ein wichtiger Player“, wie es BBV-Kreisobmann Josef Irlbacher formuliert.

Auch bei den Beschäftigten gibt es Unklarheiten

Zur Stunde gibt es auf die Frage keine klare Antwort. Eine Sprecherin der Konzernzentrale in München bat gegenüber unserer Zeitung um Verständnis, dass zurzeit noch keine konkreten Aussagen möglich seien. Für mögliche Standortschließungen gebe es „zwei entscheidende Kriterien – die Nachfrage in den Regionen und die Profitabilität“, sagte sie lediglich. Ziel der BayWa bleibe es nach wie vor, die „durchgehende Erreichbarkeit für die Kunden“ sicherzustellen.

„Weiße Flecken in den Regionen soll es nicht geben“, so die Sprecherin. Grundsätzlich denkbar seien im Einzelfall auch andere Vertriebsmodelle, etwa auf dem Wege des Online-Handels. Schnelle Standortentscheidungen sind nach Auskunft aus der Konzernzentrale offenbar nicht zu erwarten. Die Umsetzung der Sanierungsmaßnahmen sei langfristig bis zum Jahr 2027 angelegt, erklärt die Pressesprecherin.

Unklarheit herrscht zurzeit auch noch bei den Beschäftigten. Ein leitender BayWa-Mitarbeiter erklärte auf Anfrage, dass die Personalentscheidungen im Frühjahr zu erwarten seien. Über Standorte sei intern noch nichts kommuniziert worden. „Ich weiß nichts. Und wenn ich etwas wüsste, dürfte ich es Ihnen nicht sagen“, so der Mitarbeiter wörtlich.

Bauernverband im Landkreis Schwandorf ist verhalten optimistisch

Beim Bauernverband im Landkreis Schwandorf beurteilt man die Lage unterdessen mit verhaltenem Optimismus. „Ich kenne einige Leute von der BayWa. Natürlich gibt es da Verunsicherung“, erklärt BBV-Kreisgeschäftsführer Josef Wittmann. Auf der anderen Seite sieht er die BayWa in der Region grundsätzlich gut aufgestellt und verweist darauf, dass erst vor ein paar Jahren ein Kompetenzzentrum Agrartechnik in Schwarzenfeld eröffnet worden sei. In Neunburg wurde laut Wittmann ebenfalls investiert. Auch der Standort Schwandorf sei „sehr wichtig für die Landwirte. Wir brauchen die Lagerhäuser im Landkreis“, so der Kreisgeschäftsführer.

„Momentan war es schon ein Schock. Aber die Aufregung unter den Landwirten hat sich wieder gelegt. Ich gehe nicht davon aus, dass wir im Landkreis Schwandorf um Standorte fürchten müssen“, sagt auch BBV-Kreisobmann Josef Irlbacher aus Nabburg. Über die langfristige Entwicklung will er allerdings nicht spekulieren. Welche Folgen der Strukturbruch in der Landwirtschaft einmal noch haben werde, könne niemand vorhersehen.