Betriebs-Nachfolge gegen den Trend: Hubertus-Apotheke in Schwandorf hat neue Inhaberin

In diesen Tagen ist das eine Nachricht: Dr. Monika Stahl hat die Hubertus-Apotheke an der Bahnhofstraße in Schwandorf übernommen. Sie stemmt sich gegen einen Trend: 13 Apotheken gab es früher in Schwandorf und Wackersdorf – sieben sind es noch. Doch die neue Inhaberin hat einige Ideen.
Natürlich weiß auch Monika Stahl, dass die Rahmenbedingungen für Apotheker alles andere als leicht sind. Zuletzt machten in Schwandorf gleich zwei Häuser dicht – Ende 2022 die Schwanen-Apotheke an der Wackersdorfer Straße und im Oktober 2023 die Wendelin-Apotheke am Marktplatz. Auch die Sinderberger’sche Apotheke in Nabburg und die Barbara-Apotheke in Maxhütte-Haidhof stellten in diesem Jahr den Betrieb ein.
Die Schließungen haben Gründe, und sie sind Apothekerin Stahl durchaus vertraut: Da ist zum einen die gesetzlich regulierte Vergütung, die seit 2013 mehr oder weniger stagniert – und das trotz Inflation und deutlich gestiegenen Betriebskosten. Da ist das allgemeine Problem des Fachkräfte- und Personalmangels, da ist vor allem die „immer stärker werdende Bürokratie“. Die zeigt sich laut Stahl zum Beispiel im Bereich der Hilfsmittelversorgung, etwa wenn bei Inkontinenz Windeln oder Einlagen beschafft werden sollen. „Aufgrund der Vielfalt der Kassen ist das alles mit viel Hintergrundtätigkeit verbunden“, weiß die Apothekerin. Auch wenn Medikamente kurzfristig nicht verfügbar sind – Stichwort: Lieferschwierigkeiten –, ist der Aufwand für Rücksprachen und Recherchen immens. „Rein betriebswirtschaftlich ist der erste Arztanruf schon schlecht fürs Geschäft. Aber natürlich wollen wir diesen Aufwand für unsere Kunden betreiben“, formuliert es Monika Stahl.
Inzwischen nach Neunburg umgezogen
Die 30-Jährige hat nach ihrem Studium und der Doktorarbeit in Pharmazie eineinhalb Jahre als angestellte Apothekerin in Neumarkt gearbeitet und dabei jede Menge Erfahrungen gesammelt. Nach dem Umzug mit ihrem Ehemann in einen Neunburger Ortsteil ging sie auf die Suche nach einer neuen Wirkungsstätte in der Nähe und heuerte im Juli 2023 bei der Hubertus-Apotheke an – zunächst ebenfalls im Angestelltenverhältnis.
„Doch es war von Anfang an im Gespräch, dass ich mir das ansehe und eventuell einmal übernehme“, erzählt Monika Stahl. Seit Anfang des Jahres ist der Betriebsübergang nun offiziell vollzogen. Die frühere Inhaberin Doris Graf wird aber noch ein, zwei Mal im Monat vor Ort präsent sein. Das Personal hat die neue Betreiberin im wesentlichen übernommen, auch die Auszubildende zur Pharmazeutisch-kaufmännischen Angestellten, die das achtköpfige Team verstärkt. An den Samstagen und beim Notdienst hält laut Stahl ein approbierter Apotheker die Stellung, der zurzeit noch an seiner Doktorarbeit feilt – auch dies ein Glücksfall und eine Entlastung.
Prävention und Gesundheitsförderung
Ursprünglich wollte Monika Stahl nach dem Studium ja in die Industrie gehen. Doch eine Autoimmunerkrankung in ihrem privaten Umfeld brachte den Umschwung: „In der Zeit habe ich gelernt, was Apotheke eigentlich kann.“ Und das ist nach ihren Worten mehr, als nur die Patienten an der Hand zu nehmen und ihnen ihre medikamentöse Therapie auseinander zu buchstabieren.
Die 30-Jährige hat eine Fortbildung bei der Landesapothekerkammer in Prävention und Gesundheitsförderung absolviert, und das sind laut Stahl auch die beiden Tätigkeitsfelder, wo die Reise bei den Apotheken hingehen könnte: „Das ist meine Vision“. Ernährungsfragen spielen darin eine wichtige Rolle, und so plant Monika Stahl in diesem Jahr vier Gesundheitsvorträge vom Aufbau einer gesunden Darmflora im Frühjahr bis hin zur besten Strategie, um das Immunsystem für den kommenden Winter fit zu machen.
Stahl beschreibt ihr Konzept als ganzheitlich. In Ergänzung zur Schulmedizin, die sie nach eigenen Worten außerordentlich schätzt, will sie auch alternativen Behandlungsformen eine Plattform bieten, etwa durch pflanzliche Präparate oder Mikronährstoffe. Das Ganze hat auch eine betriebswirtschaftliche Komponente. Denn die Apothekerin will weg von dem traditionellen Verteilungsschlüssel, wonach 80 Prozent des Umsatzes auf verschreibungspflichtige Medikamente entfallen, der Rest auf Produkte wie Kosmetik, Aspirin oder Vitaminpräparate. „Ich habe Lust auf beides“, sagt die 30-Jährige.
Digitalisierung von der App bis Social Media
Auch beim Service und der Vermarktung will Stahl neue Akzente setzen. Auftritte in Social Media gehören zur Strategie, aber auch die Bestellmöglichkeit per App oder ein Ausbau des Lieferdiensts, wie ihn nach ihren Worten die Hubertus-Apotheke schon früher praktizierte. Wenn Medikamente nicht auf Lager sind und die Abholung zu einem späteren Zeitpunkt sich schwierig gestaltet, fährt die 30-Jährige nach Dienstschluss die bestellte Ware aus. Langfristig könnte daraus auch eine Art „Lieferando“ für nicht verschreibungspflichtige Medikamente werden, mit begleitender Beratung: „Da will ich hin.“
