Schwandorfer müssen sich umstellen: Längere Wege zur nächsten Notdienst-Apotheke

Bei Kopfschmerzen, grippalen Infekten oder anderen Beschwerden ist oft der Apotheken-Notdienst die erste Anlaufstelle. Das wird auch so bleiben. Doch wer auch außerhalb der regulären Öffnungszeiten dringend Medikamente braucht, muss in Schwandorf nun weitere Wege in Kauf nehmen.
Die Bayerische Landesapothekerkammer (BLAK) hat die Notdienst-Regelung zum Jahreswechsel auf neue Füße gestellt und nach eigenen Angaben optimiert. „Durch die Nutzung eines digitalen Verplanungssystems werden die Dienste gerechter auf die bayerischen Vor-Ort-Apotheken unter Wahrung der flächendeckenden Arzneimittelversorgung der Bevölkerung verteilt. 92 Prozent der Menschen in Bayern finden weiterhin eine Notdienst-Apotheke innerhalb von 20 Kilometern – auch nachts und an Feiertagen“, heißt es auf der BLAK-Homepage.
Ein verbesserter Service geht damit allerdings nicht einher. Vor allem in der Großen Kreisstadt Schwandorf müssen sich die Kunden im Fall der Fälle auf längere Fahrstrecken einstellen. Bisher wurde der Notdienst hier von den Schwandorfer Apotheken und der Barbara-Apotheke in Wackersdorf alleine gestemmt. Seit 1. Januar 2025 ist der Kreis jedoch weiter gezogen.
Fahrten bis nach Nittenau oder Nabburg
Auf dem Portal der Landesapothekerkammer lässt sich das tagesaktuell nachvollziehen. Am 3. Januar beispielsweise war nach Dienstschluss die nächste Apotheke erst in Nabburg oder Kümmersbruck geöffnet, am Sonntag, 5. Januar, übernahmen die Barbara-Apotheke in Bodenwöhr und die Spitzweg-Apotheke in Teublitz den Notdienst, am Dreikönigstag, 6. Januar, die Rathaus-Apotheke in Schwarzenfeld und die Marien-Apotheke in Nittenau. Und so weiter, und so fort.
Christian Bauer, der ehrenamtliche Sprecher der Apotheker im Landkreis Schwandorf, ist gleichwohl heilfroh über das neue System. Der Inhaber der Löwen-Apotheke in Burglengenfeld sieht in dem bisherigen Verfahren eine „Riesenbelastung“ und einen der Gründe dafür, dass es für immer mehr Apotheken keine Nachfolge-Lösung gibt. Bauer zufolge brachten es manche Apotheken im Landkreis Schwandorf auf über 40 Notdienste im Jahr. Im Landkreis Tirschenreuth gebe es Apotheker, die alle sechs Tage in die Bresche springen müssten. Künftig soll sich die Zahl der Überbrückungs-Einsätze laut Bauer bayernweit bei 17 bis 21 Notdiensten einpendeln.
Entlastung vor allem für die Inhaber
Eine Entlastung stellt die neue Regelung vor allem für die Inhaber dar. Denn die stemmen nach den Worten Bauers aus fachlichen und personellen Gründen die Hauptlast bei den Notdiensten: „Ich bin jetzt seit mehr als 40 Jahren selbstständig. Und in dieser ganzen Zeit habe ich vielleicht 15 Notdienste nicht selber gemacht“, sagt der Apotheker-Sprecher.
Bis nach Schönsee oder Tirschenreuth muss man aber gar nicht blicken, wenn es um die Arbeitsbelastung durch die Notdienste geht. Auch in der Großen Kreisstadt waren die Verhältnisse zuletzt alles andere als ideal, sagt Viktor Hammer, Inhaber der City-Apotheke an der Meiserstraße. Nach seinen Worten hängt das auch damit zusammen, dass die Zahl der Apotheken in Schwandorf und Wackersdorf von 13 auf sieben zurückgegangen ist.
Knapp 50 Dienste in einem Jahr
Die Folge: Im Raum Schwandorf/Wackersdorf ist laut Hammer die Zahl der Notdienste pro Apotheke zuletzt auf knapp 50 im Jahr gestiegen. Mit anderen Worten: „Etwa alle sechs Tage war man wieder dran“, wie er es formuliert. In der Zeit, als er auch noch die Wendelin-Apotheke auf dem Schwandorfer Marktplatz betrieb, war er sogar alle drei Tage zusätzlich gefordert. „Ende 2022 hatten sich mehr als 100 Notdienste angesammelt“, erinnert sich der Apotheker. Teilweise habe er mehr als 100 Stunden pro Woche gearbeitet.
Laut Hammer ist der Arbeitsanfall während der Notdienst-Schichten von Tag zu Tag unterschiedlich. Unter der Woche schaue vielleicht eine Handvoll Kunden vorbei, „und in der Regel kommt ab 24 Uhr nichts mehr“, weiß er aus Erfahrung. Am Wochenende, vor allem an den Sonntagen, könnten es aber schon mehrere Dutzend Leute sein, die sich mit Medikamenten eindecken, ergänzt Kollege Bauer aus Burglengenfeld.
Spitzenwert: 150 Kunden an Weihnachten
Apotheker Hammer wiederum verzeichnete zuletzt am 25. Dezember, dem 1. Weihnachtsfeiertag, einen Spitzenwert: „Etwa 150 Kunden mögen es gewesen sein. Da ist man schon gut beschäftigt.“ Für Zulauf sorgt unter anderem die Kassenärztliche Bereitschaftspraxis am Krankenhaus St. Barbara in Schwandorf, die auch außerhalb der üblichen Sprechstundenzeiten präsent ist.
Hammer wirbt um Verständnis dafür, dass die Lasten bei den Apothekern nun anders verteilt werden: „Vom Arbeitsaufwand und der Belastung her bin ich wirklich froh über die neue Regelung.“ Und er ist beileibe nicht der einzige in der Zunft. Früher habe bei der Übernahme einer Apotheke der erzielte Umsatz die oberste Priorität besessen. Heute sei neben der Verfügbarkeit von ausreichend Personal auch die Notdienstbelastung ausschlaggebend, sagt der Schwandorfer Apotheker.
Hammer räumt ein, dass sich die Kunden jetzt ein Stück weit von der früheren Rundumversorgung verabschieden müssen. Aber er geht auch davon aus, dass sich die Leute „in einem halben Jahr darauf eingestellt haben“. Zum Beispiel, indem sie die Hausapotheke auf Vordermann bringen und Vorratshaltung bei gängigen Medikamenten betreiben. Oder, in weniger gravierenden Fällen, einfach bis zu den üblichen Öffnungszeiten warten. Hammer: „Vielleicht wirkt das alles auch ein bisschen regulierend. Und die Leute überlegen sich, ob sie wirklich um zwölf Uhr nachts noch ein Nasenspray besorgen müssen.“