Krankenhaus St. Barbara und Wackersdorfer Hausärzte arbeiten bei Ausbildung von Medizinern zusammen

In ländlichen Regionen wird es zunehmend schwierig, hausärztliche Praxen zu besetzen. Um dieser Entwicklung entgegenzutreten, haben sich das Krankenhaus St. Barbara in Schwandorf und die Praxis Wackersdorfer Hausärzte zusammengeschlossen und den Weiterbildungsverbund Schwandorf – Oberpfälzer Seenland gegründet.
Wie aus einer Mitteilung aus dem Krankenhaus St. Barbara weiter hervorgeht, umfasst die fachärztliche Weiterbildung Allgemeinmedizin Weiterbildungsabschnitte im klinischen und ambulanten Bereich. Hier setzt der Verbund an: Bisher mussten sich Ärzte, die sich zum Allgemeinmediziner weitebilden wollten, die einzelnen Abschnitte in Eigenregie zusammenstellen und sich für jede Praxis oder Krankenhaus individuell bewerben. Oft kam es dabei zu Verzögerungen und häufigen Ortswechseln.
Die Verbund lösung bedeutet für die angehenden Hausärzte, dass sie jetzt ihre gesamte Weiterbildung ohne mühsame Stellensuche, Unterbrechungsphasen und größere Ortswechsel absolvieren können. „Durch den Weiterbildungsverbund wird der Ablauf konkret strukturiert und bietet eine optimale Planungssicherheit für die Mediziner. Zusätzlich ist es eine gute Möglichkeit, auch das Interesse an der Notfallmedizin weiter zu befeuern, denn auch hier sehen wir im ländlichen Gebiet einen Mangel“, beschreibt Dr. Alois Riedel die Ziele des Zusammenschlusses. Er ist der Koordinator für die Weiterbildung im Verbund. Besonders zeichne sich dieser dadurch aus, dass die einzelnen Weiterbildungsabschnitte zeitlich zusammenhängend und in der gleichen Region abgeleistet werden könnten.
Sicherheit in der Weiterbildung für fünf Jahre
In der fünfjährigen fachärztlichen Weiterbildung Allgemeinmedizin erlangen Mediziner nach dem Studium wichtige Kenntnisse, um im Anschluss im niedergelassenen Bereich tätig zu sein. In 60 Monaten Weiterbildungszeit müssen 24 Monate in der Allgemeinmedizin in der ambulanten hausärztlichen Versorgung und 36 Monate in der stationären Akutversorgung geleistet werden. Ohne Weiterbildungsverbund ist die Organisation dieser Abläufe mit hohem bürokratischen Aufwand verbunden. Oft kommt zur hohen und steigenden Arbeitsbelastung im medizinischen Alltag noch ein schlecht planbares unternehmerisches Risiko hinzu.
Im Krankenhaus lernen die Mediziner chirurgische Stationen und die Arbeit im Notfallzentrum ebenso kennen wie internistische Stationen. Der Wechsel zwischen Hausarztpraxis und Krankenhaus wird individuell festgelegt und schafft somit Planungssicherheit. Parallel stehen ärztliche Mentoren während der Weiterbildung zur Verfügung.
Mit dem Weiterbildungsverbund wird laut Mitteilung nicht nur die Attraktivität der Allgemeinmedizin in der Region gesteigert. Vorteile ergeben sich auch für die beteiligten Partner und die Region selbst. So entstehen etwa bessere Möglichkeiten, Nachfolger für eine Praxisübernahme zu finden.
Unterstützt wird der Verbund auch durch den Landkreis Schwandorf, die Gemeinde Wackersdorf und die Stadt Schwandorf. „Der Zusammenschluss ist ein wichtiger Schritt, für den ich den Beteiligten einen sehr guten Start wünsche“, gratulierte Landrat Thomas Ebeling. „Die Kooperationspartner reagieren damit äußerst lobenswert auf einen Wandel in der hausärztlichen Struktur. Wir möchten die medizinische Versorgung auch auf dem Land sicherstellen“, unterstrich Wackersdorfs Bürgermeister Thomas Falter.
Schwandorfs 2. Bürgermeister Andreas Wopperer sah in dem Verbund eine Weiterentwicklung des Krankenhauses und äußerte die Hoffnung, dass er durch weitere Ärzte aus Steinberg, Schwandorf und Umgebung noch gestärkt werde. Krankenhaus-Geschäftsführerin Janina Philipp dankte den am Projekt beteiligten Personen für ihre „Beharrlichkeit“.
Neuzugänge zum Weiterbildungsverbund sind erwünscht
Der Weiterbildungsverbund richtet sich an alle Absolventen, die eine Ausbildung zum Allgemeinmediziner anstreben, Dr. Jochen Spieß, Ärztlicher Leiter des Notfallzentrums am Krankenhaus St. Barbara. Doch auch Fachärzte anderer Disziplinen, die in die Allgemeinmedizin wechseln wollten, seien willkommen. Die Bewerbung läuft über die Personalabteilung des Krankenhauses St. Barbara.
Laut Dr. Stefan Roi, dem leitenden Arzt der Wackersdorfer Hausärzte, ist der neue Verbund offen für weitere Neuzugänge, eine Teilnahme weiterer Praxen sei in gemeinsamer Absprache ausdrücklich erwünscht“, betonte er.