Wird Altkleidersammlung von Kolping und BRK im Kreis Schwandorf zum Draufzahlgeschäft?

Von Hubert Heinzl · 21. Januar 2025 um 19:00

Altkleider sammeln und verkaufen – das war für den BRK-Kreisverband Schwandorf oder die Kolpingsfamilien lange Jahre eine Möglichkeit, um Geld für den guten Zweck zu verdienen. Doch die Erlöse sind in den Keller gerauscht. Werden die karitativen Aktionen nun zum Draufzahlgeschäft?

Vier Altkleider-Standorte hat die Schwandorfer Kolpingsfamilie im Stadtgebiet – am Busparkplatz beim Landratsamt, an der Krondorfer und Schleiglstraße sowie bei der Stadtbibliothek an der Sandstraße. Seit Jahr und Tag können die Bürger hier gebrauchte Kleidung, die nicht mehr getragen wird, oder Schuhe (paarweise gebündelt) einwerfen. Die Second-Hand-Ware ließ und lässt der katholische Verband von einem kommerziellen Unternehmen abholen und verwerten.

Erlös kommt sozialen Zwecken zugute

Zweimal jährlich organisiert Kolping außerdem eine Straßensammlung in Schwandorf, bei der das Sammelgut von Ehrenamtlichen selbst abgeholt wird. Mit dem Erlös wurden unter anderem schon die Leukämiehilfe Ostbayern, die Naab-Werkstätten oder auch das Bruder-Gerhard-Hospiz in Schwandorf unterstützt. Ähnlich handhaben es seit Jahr und Tag die Gruppen in Neunburg oder Schwarzenfeld, Oberviechtach oder Pfreimd.

Doch im Oktober des vergangenen Jahres staunte Schwandorfs Kolping-Vorsitzender Josef Ziegler nicht schlecht, als ein Brief vom Verwerter einging – mit der Ankündigung, dass die mögliche Vergütung drastisch beschnitten werden müsse. „Die Ertragslage für die Container wird immer schlechter. Das Entgelt schmilzt weg wie Butter in der Sonne“, fasst es Ziegler zusammen.

Erträge gehen um rund 80 Prozent zurück

Der Vorsitzende schätzt, dass im Vergleich zu früheren Jahren die Erträge um rund 80 Prozent zurückgehen werden. Bis auf weiteres will man laut Ziegler an den Containern festhalten. Doch „wenn wir’s nicht mehr abgenommen bekommen, dann müssen wir’s bleiben lassen“, so Ziegler. Die Straßensammlung stehen nach seinen Worten auf einem anderen Blatt, denn hier ist die Qualität der Kleidung meist besser.

Wolfgang Lobinger, Sprecher des Leitungsteams bei der Kolpingsfamilie Schwarzenfeld, hat ähnliche Erfahrungen gemacht. Auch er beklagt einen drastischen Rückgang der Erlöse und kündigt an, dass man an der bisherigen Praxis vorerst festhalten wolle. Und er nennt mögliche Gründe für den Absturz der zu erzielenden Preise.

Qualität der Klamotten hat abgenommen

Nach den Erfahrungen der ehrenamtlichen Helfer habe die Qualität des Sammelguts dramatisch abgenommen. „Vieles ist im Prinzip Müll und führt damit zu steigenden Entsorgungskosten und höherem Aufwand beim Sortieren“, sagt Lobinger. Hinzu kämen höhere Transportkosten beim Verwerter, wegbrechende Märkte etwa in Osteuropa, aber auch auf dem afrikanischen Kontinent, der zurzeit „mit Billigware aus China “ überflutet werde.

Auch das BRK ist vom Preisverfall bei den Altkleidern betroffen. Nach Angaben aus dem Kreisverband Schwandorf sammeln derzeit neun BRK-Bereitschaften Altkleider. In Burglengenfeld wird einmal jährlich eine Straßensammlung organisiert. Die anderen Bereitschaften halten im Landkreis Schwandorf an 52 Plätzen 91 Container vor. Drei davon stehen auch vor der Geschäftsstelle des BRK-Kreisverbands – die einzigen in der Großen Kreisstadt. Die BRK-Kleiderkammer wurde laut Kreisgeschäftsführer Otto Josef Langenhan „schon in der Corona-Zeit“ aufgegeben.

BRK-Landesverband warnt vor „Stillstand“

Mit einer Beurteilung der Erlös-Situation hielt sich der Kreisverband zurück und verwies stattdessen auf den Landesverband des Bayerischen Roten Kreuzes. Dessen Pressesprecher nahm kein Blatt vor den Mund. Auch wenn die Situation regional unterschiedlich sei, drohe die Kleidersammlung finanziell bald nicht mehr tragfähig zu sein „und zum Draufzahlgeschäft für das BRK zu werden“, heißt es in einer aktuellen Stellungnahme. Im schlimmsten Fall sei mit einem vollständigen Stillstand der Altkleidersammlung zu rechnen.

Und weiter: „Die Lage ist brisant und eine kurzfristige Erholung des Marktes, anders als in früheren Krisen, nicht in Sicht“. Während man während der Coronakrise von einem zeitlich begrenzten Engpass ausgegangen sei, stelle sich nun die Frage, ob der Markt „überhaupt in der bisherigen Form erhalten bleiben kann“, so die Stellungnahme. Das BRK betreibt nach eigenen Angaben im Freistaat rund 4200 Altkleidercontainer. Jährlich werden so rund 14 700 Tonnen Altkleider gesammelt.

Noch das geringste Problem bereitet den Verantwortlichen vor diesem Hintergrund übrigens die neue Gesetzeslage, wonach Alttextilien getrennt gesammelt werden sollten.

Vor kurzem stellte das Landratsamt Schwandorf in einer Mitteilung klar, dass verschmutzte und nicht wieder verwertbare Alttextilien nach wie vor im Hausmüll entsorgt werden sollten. Brauchbare Ware könne auch künftig in die Container der karitativen Organisationen geworfen oder an den Recyclinghöfen im Landkreis Schwandorf abgegeben werden. Und auch die beiden EMMA-Kleiderläden an der Breite Straße 1 in Schwandorf und der Hauptstraße 59 in Neunburg nehmen gut erhaltene Second-Hand-Mode an.

An den Recyclinghöfen des Landkreises, wie hier in der Großen Kreisstadt, können die Bürger auch künftig gut erhaltene Klamotten, Federbetten oder Schuhe loswerden. Foto: Hubert Heinzl