Benko-Verhaftung: Spuren seiner dubiosen Schiebereien führen auch nach Regensburg

Die Ermittler der österreichischen Staatsanwaltschaft nehmen Privatstiftungen der Familie Benko in den Fokus. Welche Rolle spielt das frühere Kaufhof-Gebäude im Herzen Regensburgs? Nach der Verhaftung Benkos droht jedenfalls auch seiner Mutter Ungemach: Sie muss vor Gericht – wegen jener Stiftung, der auch der einstige Kaufhof am Neupfarrplatz gehörte.
René Benko galt als Hoffnungsträger der österreichischen Wirtschaft – bis zu seinem tiefen Fall: Der einstige „Wunderwuzzi“ sitzt in Untersuchungshaft. Das bestätigte die österreichische Zentrale Staatsanwaltschaft zur Verfolgung von Wirtschaftsstrafsachen und Korruption (WKStA). Er soll mit Hilfe einer seiner Stiftungen versucht haben, sein Vermögen zu verheimlichen. Hier führt eine Spur nach Regensburg: In einer von Benkos Stiftungen landete zumindest zeitweise eine Immobilie, die weit über die Region hinaus für Schlagzeilen sorgt: der ehemalige Kaufhof im Herzen Regensburgs.
Wie das markante Gebäude am Neupfarrplatz in die Hände der Stiftung gelangte, ist unklar. Unmittelbarer Besitzer des Gebäudes war bis vor Kurzem jedenfalls die Kaufhof Regensburg GmbH. Wer dieser Spur nachgeht, stößt schnell auf Merkwürdigkeiten – zum Beispiel im Transparenzregister des Bundes. Dieses soll Geldwäsche verhindern. Dort ist einsehbar, wem ein Unternehmen im Letzten gehört. Im Fall der Kaufhof Regensburg GmbH war das 2023 Ingeborg Benko, die Mutter von René Benko. Dann verwischt die Spur. Im Januar 2025 heißt es dort plötzlich, dass das Unternehmen einem ehemaligen Geschäftsführer der Kaufhof Regensburg GmbH gehört. Das kann allerdings nicht sein, denn dann hätte sich die GmbH selbst gehört. Damit nicht genug. Es gibt eine weitere Ungereimtheit: Plötzlich tauchen nachträglich neben Ingeborg Benko noch die drei Kinder des Österreichers auf. Sie seien durch die Stiftungen begünstigt. Hat jemand nachträglich die korrekten Daten übermittelt?
Falsche Angaben gemacht?
Sollte das der Fall sein, könnte Benko neuer Ärger drohen. Solche Vorkommnisse werden mitunter als Ordnungswidrigkeit geahndet, teilt das zuständige Bundesverwaltungsamt auf Anfrage der Mediengruppe Bayern mit. Für die Staatsanwaltschaft Regensburg gibt es laut Sprecher Thomas Rauscher derzeit keinen Anhaltspunkt für Ermittlungen.
Was sagt die Kaufhof Regensburg GmbH zu diesen Ungereimtheiten? Die Mediengruppe Bayern wollte von dem Unternehmen wissen, wie das Kaufhof-Gebäude am Neupfarrplatz in die Hände der Stiftung kam. Das Unternehmen ließ die Anfrage bislang unbeantwortet.
Die Mediengruppe Bayern hat sich auch bei Benkos Anwalt Georg Eckert zu den Vorgängen erkundigt – bevor die Handschellen beim ehemaligen „Wunderwuzzi“ klickten. Der Jurist antwortete allerdings nicht.
Ein Dossier rund um Benkos Verstrickungen und die Entwicklungen um das frühere Kaufhof-Gebäude und die Pläne eines Investors für ein Islamisches Kultur- und Shoppingcenter finden Sie hier.
Damit zurück zur Verhaftung Benkos am Donnerstag: Die Spur der Ermittler führt auch nach Bayern. Die österreichische Wirtschaftsstaatsanwaltschaft arbeitet mit der Staatsanwaltschaft München I zusammen – dabei geht es um ein Immobilienprojekt am Hauptbahnhof der Landeshauptstadt. Interessieren sich die Ermittler auch für die Vorgänge rund um den Regensburger Kaufhof? Eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft München I teilt der Mediengruppe Bayern gestern mit, dass man leider noch keine genaueren Angaben machen könne. Gerne könne man sich allerdings zu einem späteren Zeitpunkt zum Stand des Verfahrens erkundigen. Nach einem klaren Nein hört sich das allerdings nicht an.
Klar ist indes: Auch zivilrechtlich beschäftigen die Stiftungen Benkos die Gerichte. Ungemach droht jetzt auch für Benkos Mutter Ingeborg: Wie eine Sprecherin des Landesgerichts Innsbruck auf Anfrage der Mediengruppe Bayern bestätigt, beginnt am 30. Januar ein Zivilprozess gegen sie. Kläger ist der Masseverwalter über das Privatvermögen Benkos, Dr. Andreas Grabenweger. Sprecherin Dr. Birgit Fink erläutert: „Der Masseverwalter klagt gegen die Mutter von Herrn Benko, weil sie plötzlich kurz vor der Insolvenz über alle drei Privatstiftungen Verfügungsgewalt hatte.“ Grabenweger wolle dies anfechten.
Schon lange gab es Hinweise darauf, dass Benko erhebliche Teile seines Vermögens in die Stiftungen steckte und damit vor dem Zugriff der Gläubiger sichern wollte.
Um drei Stiftungen geht es dabei, wie Fink erklärt: Um die Laura Privatstiftung, in der auch das Wohnhaus Benkos gebunkert wurde, sowie um die Familie Benko Privatstiftung. Die dritte Stiftung, die IMGBB, habe ihren Sitz in Liechtenstein. „Obwohl die Stifterrechte in Händen des Herrn Benko waren, ist plötzlich die Mutter zuständig, obwohl sie womöglich nur Strohfrau ist, argumentiert der Kläger“, sagt die Gerichtssprecherin. Grabenweger selbst antwortete auf eine Presseanfrage bislang nicht – wahrscheinlich auch wegen der strafrechtlichen Ermittlungen, die parallel liefen und nun zur Festnahme führten. Kurios ist indes, dass die Villa, in der René Benko festgenommen wurde seiner Mutter gehört – ebenso wie der Kaufhof am Regensburger Neupfarrplatz.
Die Zukunft des Gebäudes steht derzeit in den Sternen. Die Stadt Regensburg hat am 10. Dezember davon erfahren, dass das Gebäude verkauft wurde. Bei der Verwaltung ging ein Kaufvertrag ein, in dem angekündigt wurde, dass in dem Gebäude ein islamisches Kulturkaufhaus entstehen soll. Der Kaufpreis liegt nach Informationen dieser Zeitung zwischen 30 und 40 Millionen Euro.
Mit Kanzler Kurz beim Emir
Publik wurden die Pläne erst durch die Mediengruppe Bayern, der es gelungen ist, mit den Investoren Kontakt aufzunehmen. Das Vorhaben sorgte für eine Welle der Entrüstung – und beschäftigt nun die Kommunalpolitik. Die Verwaltung prüft derzeit, ob sie ein Vorkaufsrecht für das Gebäude hat und ob sie dieses ziehen will. Am kommenden Donnerstag wird die Regensburger Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer (SPD) zum aktuellen Stand im Kaufhof-Komplex informieren. Der Stadt ist es bislang nicht gelungen, Kontakt zu den neuen Investoren aufzunehmen. Die Käufer sollen aus Israel und den Vereinigten Arabischen Emiraten stammen, teilte ein Investoren-Sprecher der Mediengruppe Bayern mit. Interessant: Benko pflegte beste Beziehungen an den Golf von Persien. Das hatte er einem anderen „Wunderwuzzi“ zu verdanken – Sebastian Kurz, dem ehemaligen Kanzler von Österreich. Nach dessen Rückzug aus der Politik wurde Kurz Berater – und, wer hätte das gedacht: Auch für die Signa von Benko.
Die einstmals guten Beziehungen scheinen inzwischen allerdings erkaltet: Der Staatsfonds von Abu Dhabi, die zu den Emiraten gehören, verklagt Benko derzeit auf 750 Millionen Euro. Auch hier geht es darum, an das Vermögen aus Benkos Stiftungen zu kommen. Zufall?

