Explosion in der Bayernoil-Raffinerie wirft viele Fragen auf – War es womöglich Knallgas?

Von Jochen Dannenberg · 22. Januar 2025 um 19:00

Ein großer Knall, ein langanhaltendes Donnern und dann ein Feuer, dass über 400 Feuerwehrleute einen Tag lang beschäftigte. Eine Frage steht im Mittelpunkt: Wie konnte es zu der Explosion in der Bayernoil-Raffinerie kommen, bei der Neustadt a.d. Donau im Landkreis Kelheim möglicherweise nur knapp an einer Katastrophe vorbeischrammte. Es gibt erste Antworten.

Nach Informationen unserer Zeitung fanden in der Nacht von Donnerstag auf Freitag voriger Woche Wartungsarbeiten in der Raffinerie statt. Ein Reaktor wurde überholt. Er ist das Herzstück der Produktionsanlagen. Es handelt sich um eine Verfahrenstechnik, bei der unter Einsatz eines Katalysators aus Rohöl unterschiedliche Stoffe wie Benzin oder Diesel oder Flugzeugtreibstoff gewonnen werden.

Ein solcher Reaktor wurde in der Nacht zum Freitag gereinigt und deshalb mit Stickstoff gespült, um einen neuen Katalysator einzubauen. Der Reaktor selbst soll zwei Jahre alt gewesen und in Italien hergestellt worden sein. Als diese Arbeiten stattfanden, kam es zur Explosion.

Ob die Explosion mit den Wartungsarbeiten in Zusammenhang steht, ist bis jetzt nicht geklärt. Günther Tomaschko, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Niederbayern in Straubing, antwortete: „Die Ermittlungen laufen.“

Britta Heidemann-Schöberl, Pressesprecherin der Bayernoil, erklärte auf Anfrage: „Wir arbeiten eng mit den zuständigen Behörden zusammen, um die Ursachen des Vorfalls schnellstmöglich aufzuklären.“ Man bitte um Verständnis und Geduld, dass diese Ermittlungen einige Zeit in Anspruch nehmen werden. „Auch wir sind sehr daran interessiert, zeitnah verbindliche Fakten zu schaffen.“ Zu den Arbeiten am Reaktor äußerte sie sich nicht.

War Stickstoffzufuhr unterbrochen?

Tatsächlich könnten alle wichtige Daten zu den Geschehnissen in der Nacht vorliegen. In der Messwarte wird über das Prozessleitsystem kontinuierlich aufgezeichnet, was in welchem Anlagenteil gerade passiert. Ob die Reinigungsarbeiten ursächlich für die Explosion sind, erscheint fraglich. Durch den Einsatz von Stickstoff soll nämlich genau das Gegenteil erreicht werden: Stickstoff wird eingesetzt, um ein zündfähiges Gemisch und insbesondere die Verbindung mit Sauerstoff zu vermeiden. Deshalb wird zudem die gesamte Kolonne – der Anlagenbereich, in dem es zur Explosion kam – unter Stickstoff. Denkbar, aber nicht auszuschließen, ist, dass die Stickstoffzufuhr unterbrochen wurde.

Denkbar ist auch, so Informationen dieser Zeitung, dass Wasserstoff aus der Anlage ausgetreten sein könnte. Wenn sich dann der gasförmige Wasserstoff mit dem Sauerstoff der Luft verbindet, entsteht Knallgas. Das könnte auch die langanhaltende Druckwelle erklären, die von vielen Menschen wahrgenommen wurde.

Möglicherweise hätte der Schaden noch viel größer ausfallen können. Neustadt Stadtrat Stefan Wagner, der nach der Explosion als Organisationsleiter des BRK Kelheim vor Ort war und 77 Einsatzkräfte führte, wies in der jüngsten Neustädter Stadtratssitzung darauf hin, dass die Explosion weit schlimmere Folgen hätte haben können. Er stellte fest: „Es ist ein Glück gewesen, dass nicht noch mehr passiert ist.“ Dabei bezog sich der BRK-Mann auf den Umstand, dass sich die Explosion in der Nacht ereignet hatte.

Geprüft werden auch Vorgänge bei einem Reaktor. Das Foto, das bei einem Transport entstanden ist, zeigt dessen Größe. Foto: Dannenberg