Bayernoil äußert sich zur Zukunft des Unternehmens in Neustadt – Experten suchen Ursache für Explosion

Von Jochen Dannenberg · 20. Januar 2025 um 16:52

Es war die größte Explosion, die Neustadt a.d. Donau (Landkreis Kelheim) je erlebt hat. Während die Menschen in Neustadt a.d. Donau und Umgebung zur Normalität zurückkehren, ist die Ursache für den gewaltigen Knall in der Bayernoil-Raffinerie, die große Druckwelle und den anschließenden Brand auf dem Werksgelände weiter unklar. Aber es gibt eine gute Nachricht.

Wie berichtet, kam es im Betriebsteil Neustadt in der Nacht von Donnerstag auf Freitag zu einer Explosion, der ein Brand in einer Prozessanlage folgte. Dabei wurden vier Personen verletzt. Das Feuer wurde um 14.35 Uhr gelöscht. Die durch die Explosion ausgelöste Druckwelle und der Knall waren weit über die Stadt hinaus zu spüren.

Die Höhe des Schadens, der aufgrund des Brandes entstanden ist, ist weiterhin unbekannt. Die Auswirkungen des Großbrandes sind erheblich. Das Unternehmen hat den Werksteil Neustadt a.d. Donau komplett heruntergefahren. Zur Ursache schreibt das Online-Portal Argus, das sich insoweit auf Informationen „aus Raffineriekreisen“ beruft: „Der Brand soll den Mild-Hydrocracker oder ein Gebäude daneben betreffen.“ Der Cracker wird für die Mitteldestillatproduktion genutzt und dürfte daher vor allem das Heizöl- und Dieselangebot einschränken.

Von offiziellen Stellen gab es noch keine neuen Infos zur Ursache der Explosion. Günther Tomaschko, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Niederbayern, teilte mit, dass die Ermittlungen laufen. Neben der Kripo Landshut ist auch das Landeskriminalamt in die Arbeiten eingebunden. „Ein spezialisiertes Untersuchungsteam ist seit dem Wochenende im Einsatz und arbeitet eng mit den zuständigen Behörden zusammen, um die Ursachen des Vorfalls schnellstmöglich aufzuklären“, erklärte Britta Heidemann-Schöberl, Pressesprecherin der Bayernoil, am Montagnachmittag.

„Jederzeit unter Kontrolle“

„Zu keinem Zeitpunkt bestand eine Gefahr für die umliegende Bevölkerung, die Situation war jederzeit unter Kontrolle“, betont die Pressesprecherin. „An dieser Stelle möchten wir uns in aller Form bei den Anwohnern für etwaige Unannehmlichkeiten entschuldigen und allen Einsatzkräften unseren tiefen Dank aussprechen, die durch ihre professionelle Unterstützung maßgeblich dazu beigetragen haben, unser Unternehmen wieder in einen sicheren Zustand zu versetzen.“

Diese Infos hätten sich Pförrings Bürgermeister vermutlich früher gewünscht. Pförrings 2. Bürgermeister Sebastian Kügel hatte nämlich am Freitag einen Brief an das Unternehmen geschrieben. „Sie werben mit einem offenen und transparenten Dialog mit der Öffentlichkeit. Wir, Ihre Nachbarn, waren heute Nacht in Sorge, nicht zuletzt um die Gesundheit unserer ehrenamtlichen Feuerwehrleute. Wir verlangen, was Sie vollmundig versprechen: offene und ehrliche Information, statt beschwichtigender Floskeln.“ Und Pförrings 1. Bürgermeister Dieter Müller stellt fest: „Ich habe volles Verständnis, dass während des Unfalls die Gefahrenabwehr an erster Stelle steht. Ich hätte mir aber auch gewünscht, dass mehr gesagt worden wäre.“

Jetzt teilte Britta Heidemann-Schöberl überdies mit, worauf viele Neustädter gewartet haben: Die Explosion ist nicht das Ende der Raffinerie. Es geht weiter. „Neben der sorgfältigen Analyse des Vorfalls, arbeiten wir bereits intensiv an einem Wiederaufbauplan und der vollständigen Wiederinbetriebnahme der Anlagen in Neustadt“, schreibt die Pressesprecherin.

Eine Auswirkung hatte der Brand in der Raffinerie schließlich noch auf die Sitzung des Neustädter Stadtrats am Montag. Das Thema Wärmeauskoppelung aus der Raffinerie wurde von der Tagesordnung gestrichen. Voraussichtlich wird darüber in der Stadtratssitzung am 10. Februar gesprochen. Als Grund für die Verschiebung teilte die städtische Pressesprecherin Monika Hummel den Brand in der Raffinerie mit. Bürgermeister Thomas Memmel stellte dazu fest: „Das wichtigste: Es gibt keine Zweifel am Projekt.“ Sowohl die Stadt als auch Bayernoil unterstützten es weiterhin.

Über 100 Anrufe

Das Bürgertelefon im Neustädter Rathaus ist unterdessen wieder abgeschaltet worden. Pausenlos hatte die Hotline am Freitag geläutet. Immer wieder musste Franziska Ruhfaß, Leiterin des Hauptamtes, aufgeregte Bürgerinnen und Bürger beruhigen. Die Fragen waren immer dieselben. „Was ist passiert? Kann ich zur Arbeit fahren? Wie muss ich mich verhalten? Sind die Bundesstraßen noch gesperrt?“ So und ähnlich lauteten die Fragen, die Franziska Ruhfaß beantwortete. „Über 100 Anrufe waren es“, sagt sie. Erst am Nachmittag wurde es ruhiger. „Das Bürgertelefon“, erklärt Franziska Ruhfaß, „hatten wir auch beim Hochwasser im Sommer eingesetzt. Dort hat es sich bewährt.“

Für Franziska Ruhfaß endete damit erst am späten Freitagnachmittag ein langer Tag. Bereits in der Nacht war sie mit mehr als 400 anderen Einsatzkräften der Feuerwehren ausgerückt, um beim Brand in der Raffinerie zu helfen. Gemeinsam mit BRK und THW waren über 500 Personen im Einsatz gewesen.

Weithin waren die Flammen und die Rauchentwicklung in der Nacht zum Freitag über der Raffinerie zu sehen. Foto: News5