Sind die Neustädter Raser? Das sagen die Kontrollen der Stadt

Von Jochen Dannenberg · 20. Januar 2025 um 05:00

Autos, Autos, Autos: Die Stadt wächst und die Zahl der Autos auch. Damit nicht genug. Etliche Bürgerinnen und Bürger haben den Eindruck, dass Autofahrer viel zu schnell fahren und das sogar an Kindergärten. Die Stadt hat Neustadt (Landkreis Kelheim) geprüft. Das Ergebnis überrascht.

Selbst in einem Bereich, der wie kaum ein anderer als „Risikobereich“ gesehen werden könnte, hält sich die ganz überwiegende Mehrheit der Autofahrer an die vorgeschriebenen Höchstgeschwindigkeit. Das belegt eine Geschwindigkeitsmessung, die die Stadt an der Regensburger Straße nahe dem Kindergarten St. Laurentius durchgeführt hat. Der Kindergarten ist einer der größten in Neustadt a.d. Donau und liegt direkt an einer der wichtigsten Verkehrsrouten in der Innenstadt, an der Regensburger Straße.

101 Verstöße gezählt

Tempo 30 ist hier maximal zulässig. Aber halten sich die Kraftfahrer an die vorgeschriebene Höchstgeschwindigkeit? Verleitet nicht der gute Ausbau der Straße zu höherem Tempo? Stadträtin Sabine Rieger (SPD) wollte es genau wissen, nachdem sie im Sommer eine Tempokontrolle an der Regensburger Straße gesehen hatte. Das Ergebnis der sieben Tage dauernden Messung stellte Bürgermeister Thomas Memmel (CSU) unlängst in einer Sitzung des Bau- und Verkehrsausschusses vor.

7939 Fahrzeuge hatten den Blitzeranhänger des Überwachungsdienstes passiert, aber lediglich 101 Verstöße gegen die Tempobegrenzung gab es. Der schnellste Kraftfahrer war mit 81 km/h gemessen worden, teilte Bürgermeister Memmel mit. „Das finde ich erstaunlich“, meinte denn auch Stadträtin Rieger. „Wir werden nie ein Messergebnis von null Verstößen haben, aber wir sind in der Regensburger Straße auf einem guten Weg“, kommentierte der Bürgermeister das Ergebnis. Und Sabine Rieger, die die Messwerte genau angesehen hat, meinte: „Am Anfang der Woche, in der kontrolliert wurde, gab es noch viele Verstöße, doch dann reduzierten sich die Geschwindigkeitsübertretungen. Am Wochenende waren es jedoch wieder mehr.“

Weil es also keinen nachhaltigen Lerneffekt zu geben scheint, fordert die Stadträtin, dass an „kritischen Punkten“ weiter kontrolliert wird. Zu diesen Bereichen zählt Rieger die Verbindungsstraße zwischen der Kernstadt und dem Ortsteil Mauern, aber auch die Donaustraße ortsauswärts in Richtung B299. Auch der Bürgermeister hält weitere Messungen für möglich. Er weiß aber auch: „Das stößt auf wenig Gegenliebe der Bevölkerung.“

Andererseits wird er immer wieder mit Bitten um Kontrollen seitens der Bürgerinnen und Bürger konfrontiert. Nicht wenige fühlen sich in ihrer Lebensqualität durch vermeintlich oder tatsächlich zu schnelle Autofahrer in ihrer Lebensqualität und in der Verkehrssicherheit beeinträchtigt. Vor allem bei Bürgerversammlungen wird dieses Thema vor allem von jenen Menschen vorgebracht, die an vielbefahrenen Straßen wohnen oder sie oft nutzen müssen.

Die Bürgerinnen und Bürger stoßen damit beim Bürgermeister keineswegs auf eine fehlende Bereitschaft, sie bei ihren Anliegen zu unterstützen. Vor einigen Jahren hatte er deshalb mit dem Stadtrat eine Resolution unterzeichnet, die den Kommunen mehr Freiheiten bei der Einführung von Tempo 30 geben soll.

Messanlage fest installiert

Im vorigen Jahr konnten sich die Bewohner des Ortsteils Heiligenstadt freuen. Da war eine Tempomessanlage am Ortsausgang in Richtung Deisenhofen fest installiert worden. „Die Raserei durch Heiligenstadt hat ein Ende“, freute sich Franz Brunner, der am Ortsausgang wohnt. Er sprach von tausend Fahrzeugen täglich, die dort unterwegs seien. Viele seien deutlich zu schnell gewesen und hätten sich nicht um die Verkehrsführung geschert. Der Fahrbahnteiler am Ortsausgang, der eine Verkehrsberuhigung bewirken soll, wurde von etlichen Autofahrern schlicht ignoriert. „Viele sind da einfach auf die Gegenfahrbahn, um gerade fahren zu können“, schimpfte Brunner. Auf diese Weise mussten sie nicht bremsen.

Die Mit all dem scheint es jetzt ein Ende zu haben. Laut Anwohner Brunner würden die roten Ziffern, welche den Autofahrern eine Geschwindigkeit über den erlaubten 50 Stundenkilometern anzeigen, ihre Wirkung nicht verfehlen. Viele würden reagieren, abbremsen, und dann auch langsam und mit dem erlaubten Tempo weiterfahren.

Auch ein Blitzeranhänger wird in Neustadt a.d. Donau eingesetzt, um Geschwindigkeitsverstöße festzustellen. Foto: Nückel
Franz Brunner aus Heiligenstadt ist zufrieden, dass in seinem Wohnort jetzt Tempomessgeräte aufgestellt sind. Foto: Abeltshauser