Gastarbeiterkind, jetzt Chefin: Neue Leiterin der Tourist-Info Bad Gögging nimmt sich viel vor

Von Jochen Dannenberg · 13. Januar 2025 um 05:00

Die Tourist-Information im Kurort Bad Gögging (Landkreis Kelheim) hat eine neue Chefin. Es ist Fiorentina Casale, ein „Eigengewächs“ der Tourist-Info. Sie setzt für den Kurort nicht nur auf Thermen, Kliniken, Hotels und Pensionen, verriet sie im Gespräch mit der Mittelbayerischen.

„Wir heben uns in Bad Gögging von anderen Heilbädern in Bayern deutlich ab“, sagt die 39-jährige gelernte Reiseverkehrskauffrau. „Wir sind römisch, bayerisch, g‘sund.“ Was klingt wie ein Slogan, soll auch einer sein. Jahrelang warb der Kurort mit „3-fach g‘sund“. Jetzt verweist man auch auf die Lage des Kurortes – tief in Bayern – sowie damit auf die Herkunft und das kulturelle Erbe Bad Göggings – die Römerzeit.

Fiorentina Casale sieht darin kein Problem. Bad Gögging, so wurde es auch im neuen Leitbild des Kurortes festgeschrieben, hat ein großes, rund 2000-jähriges Erbe. Das Kastell Abusina, der Limes und die Reste der antiken Therme zeugen davon. Das soll nicht nur gepflegt, sondern auch in der Werbung herausgestellt werden. Der Kurort soll mehr als ein Ort der Gesundheit und der Erholung sein und dafür bekannt werden. „Römisch, bayerisch, g‘sund sind unsere Leitwerte“, stellt denn auch die neue Leiterin der Tourist-Info fest.

Jubiläum steht an

Die 39-Jährige ist vom Kurort überzeugt. „Bad Gögging hat einen großen Stellenwert für den Tourismus in der Region“, sagt sie. Von Kollegen und bei Tagungen werde sie immer wieder auf die Einzigartigkeit von Kurort und römischem Erbe angesprochen. Dr. Markus Gschwind, der beim Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege für die Welterbestätten im Freistaat zuständig ist, habe sie wiederholt auf das römische Vermächtnis in und um Bad Gögging hingewiesen.

Darum wird es deshalb auch ganz besonders in diesem Jahr gehen, wenn ein Jubiläum gefeiert wird: Heuer jährt sich nämlich zum 20. Mal die Ernennung des Obergermanisch-Raetischen Limes zum Unesco-Weltkulturerbe. Fiorentina Casale freut sich darauf – auch weil sie sich damit einmal mehr mit ihrer Herkunft beschäftigt.

„Ich habe italienische und bayerische Wurzeln“, sagt die 39-Jährige. Ihre Eltern stammen aus der Region Cilento ganz im Süden Italiens und kamen einst als Gastarbeiter nach Deutschland. Papa Angelo arbeitete zunächst bei der Bundesbahn, ehe er sich mit Ehefrau Anna mit einem Restaurant, dem „Jeannie Malva“, in unmittelbarer Nachbarschaft der Limes-Therme selbstständig machte.

Die Wurzeln zur alten Heimat der Familie wurden jedoch nie gekappt. Jedes Jahr ging es für vier Wochen in den Sommerferien nach Süditalien. Gesprochen wurde daheim deutsch und italienisch, „wobei meinem Vater von Anfang an wichtig war, dass wir alle richtig Deutsch lernten“. Das sei bis heute so geblieben, sagt Fiorentina Casale. Auch bei ihrem Mann, einem waschechten Römer, und dem gemeinsamen Sohn werden beide Sprachen gepflegt.

Sprache, sagt die 39-Jährige, sei mehr als Sprechen. Es bedeute Teilhabe am Leben und den Menschen. Ihr Vater, erinnern sich ältere Neustädter, konnte das gut. Er war ein großer Erzähler – egal, in welcher Sprache.

Dass Fiorentina Casale auch noch mitten im Kurort aufwuchs, brachte die Nähe zum Tourismus. Die Leiterin der Tourist-Info ist mit Urlaubern groß geworden und hat von früh an gelernt, was es bedeutet, was Gäste sind. Die Wahl des Berufes war damit fast schon zwangsläufig. Nach über zwanzig Jahren in der Tourist-Info, vielen Projekten und Weiterbildungen sowie wechselnden Chefs ist sie nun selber Chefin der Einrichtung geworden.

Authentizität wichtig

Vor den Aufgaben und der Zukunft ist ihr nicht bange. Auch nicht vor den mehr als 500.000 Übernachtungen, die der Kurort jährlich verzeichnet. „Die Ansprüche der Gäste haben sich im Laufe der Jahre geändert“, sagt sie. „Die Gäste sind heute besser informiert als früher und brauchen eine intensivere Beratung. Wichtig ist aber immer eines: Wir dürfen nie die Sicht des Gastes auf uns verlieren.“

Deshalb geht es gegenwärtig in der Tourist-Info auch um Barrierefreiheit, wobei es insoweit nicht nur um Menschen mit Behinderungen geht, sondern unter anderem auch um verständliche Sprache im digitalen Auftritt des Kurortes. Genauso wichtig ist Nachhaltigkeit. „Unsere Besucher suchen das Authentische.“ Das schlägt sich sowohl in der Gastronomie als auch bei den Veranstaltungen wie dem Erntedankfest und bei Souvenirs nieder.

Die Tourist-Information Bad Gögging: Auf dem Grundstück eines früheren Lagerhauses entstand die Einrichtung Anfang der Neunziger Jahre. Foto: Dannenberg
Angelo und Anna Lisi machten das „Jeannie Malva“ zu einer Institution im Kurort. Tochter Fiorentina wurde jetzt Chefin der Tourist-Information. Foto: Dannenberg