Explosion in der Bayernoil-Raffinerie in Neustadt – „Druckwelle ging durch den Körper“

Von Jochen Dannenberg, Antonia Zuruev · 17. Januar 2025 um 14:37

Es war ein gewaltiger Knall und eine große Druckwelle, die sich über Neustadt a.d. Donau (Landkreis Kelheim) ausbreitete. Dann brannte es in der Bayernoil-Raffinerie in Neustadt a.d. Donau in der Nacht zum Freitag. Über 400 Feuerwehrkräfte waren im Einsatz, um den Brand zu bekämpfen.

Die Explosion um Mitternacht hat die Anwohner in der Umgebung der Raffinerie aufgeschreckt. Viele schildern später, wie sie den Vorfall erlebt haben. Florian Fröhler aus Neustadt-Süd sagt: „Ich lag im Bett und hab gelesen, als ich einen dumpfen Knall gehört habe, den ich zuerst nicht zuordnen konnte.“ Als er aus dem Fenster sah, war der Himmel außergewöhnlich hell und orange gefärbt. „Ich dachte sofort an eine Explosion und Feuer, bin zum Küchenfenster, um nachzusehen, und sah das Feuer bei den Industrietürmen.“

Explosion in Raffinerie in Neustadt: Das sagt Bürgermeister Thomas Memmel im Video

Elly Burbach aus Mauern stellt fest: „Mich hat die Explosion aus dem Schlaf gerissen. Es war ein lauter Knall draußen und das ganze Haus hat vibriert. Meine Familie und ich haben direkt vermutet, dass es die Raffinerie war, als wir aus dem Fenster das helle Licht gesehen haben.“ Rudi Halbritter, früherer Ordnungsamtsleiter im Neustädter Rathaus, hat solch eine heftige Explosion ebenfalls noch nicht erlebt. „Ich bin von der Couch hochgeschreckt. Die Druckwelle ist richtig durch den Körper gegangen“, sagt er.

„Haus hat gezittert“

Aber nicht nur in Neustadt a.d. Donau war die Explosion zu spüren. Bürgermeister Thomas Memmel, der in Bad Gögging wohnt, hat den Knall ebenfalls gehört. Und selbst in größerer Entfernung war die Explosion spürbar. Christoph Szymanski aus Ihrlerstein schildert: „In Ihrlerstein hat es sich angehört wie ein Gewitter, oder als wäre etwas sehr Schweres runtergefallen. Und sogar das Haus hat ein bisschen gezittert.“

Rauchschwaden über Neustadt: Video vom Großeinsatz bei Bayernoil

In der Erdölraffinerie brannte es unterdessen. Das Feuer war in einer Prozessoranlage ausgebrochen. Die Anlagen wurden sofort außer Betrieb genommen, überschüssiges Gas, das noch in den Leitungen war, wurde abgefackelt.

Nur Minuten nach der Explosion waren die ersten Feuerwehrleute am Brandort, die Raffinerie verfügt über eine eigene Werkfeuerwehr. Kurz drauf trafen weitere 30 Feuerwehren ein. „Insgesamt waren 415 Feuerwehrkräfte im Einsatz“, sagt Kreisbrandrat Nikolaus Höfler.

Der Einsatz dauerte den ganzen Tag. Zwar wurden immer wieder Feuer gelöscht, im Übrigen aber ließ man die Anlage kontrolliert abbrennen. Der Schaden lässt sich noch nicht abschätzen, er dürfte aber in die Millionen gehen. Vier Personen wurden infolge der Explosion verletzt, wie das Polizeipräsidium Niederbayern bestätigt hat: Zwei erlitten einen Schock und wurden vom BRK-MONA betreut. Zwei weitere Personen wurden verletzt in ein Krankenhaus eingeliefert, das sie am Freitagabend wieder verlassen konnten.

Weil niemand wusste, welche Stoffe bei dem Unglück freigesetzt worden waren, wurde die Bevölkerung aufgefordert, Fenster und Türen geschlossen zu halten. Diese Warnung wurde gegen 5.30 Uhr aufgehoben. Mitarbeiter der Raffinerie wurden vorsorglich evakuiert.

Am Vormittag war zwar nichts mehr von den Flammen in der Raffinerie zu sehen. Der Einsatz, der in der Nacht begonnen hatte, war jedoch noch nicht zu Ende. Die Zufahrt zur Raffinerie von der B299 war gesperrt. Die Pforte nahe der Werkfeuerwehr durfte nur von Feuerwehren und anderen Hilfsdiensten, die mit dem Brand beschäftigt waren, passiert werden.

Zusammenarbeit gelobt

Die Kripo Landshut hat die Ermittlungen zur Unglücksursache übernommen, wird aber wohl erst im Laufe des Wochenendes den Brandort besichtigen können. Am Freitag, so Günther Tomaschko, Pressesprecher des Polizeipräsidiums, konnte das Areal noch nicht betreten werden.

Neustadts Bürgermeister Thomas Memmel stellte fest: „Die Zusammenarbeit der Werkfeuerwehren und der Freiwilligen Feuerwehren hat gut geklappt.“ Kreisbrandrat Nikolaus Höfler erklärte: „Der Verbund der Werkfeuerwehren an der B16 hat sich wieder bewährt. Man bringt schnell sehr viele Fahrzeuge zum Einsatz. Das sind Profis, die auf solche Fälle spezialisiert sind.“ Sie sind 24 Stunden im Einsatz und verfügen über große Fahrzeuge. Zu dem Verbund gehören die Werkfeuerwehren der Bayernoil, des Industrieparks Münchsmünster und Airbus in Manching.

Bayernoil stellte am Freitag in einer knappen Mitteilung fest: „Im Betriebsteil Neustadt kam es heute gegen Mitternacht zu einem Zwischenfall, bei dem ein Brand in einer Prozessanlage entstand. Dabei wurden zwei Personen leicht verletzt und medizinisch behandelt. Sie konnten inzwischen wieder aus dem Krankenhaus entlassen werden. Die betroffenen Anlagen wurden außer Betrieb genommen und der Brand wurde eingedämmt. Die zuständigen Behörden ermitteln, und wir unterstützen sie dabei nach Kräften. Eine Gefahr für die Bevölkerung in der Nachbarschaft besteht nicht.“

Die Flammen in der Bayernoil-Raffinerie waren weithin sichtbar, dichte Rauchwolken zogen in der Nacht zum Freitag über Neustadt a.d. Donau nach einer Explosion in der Raffinerie auf. Foto: Lars Haubner News5
31 Feuerwehren sowie BRK und THW waren nach der Explosion im Einsatz. Foto: Lars Haubner News5