Geldautomat im Neustädter „Kaufland“ gesprengt: Hoffnung auf Ergebnisse nach Festnahmen

Vor zwei Jahren wurde der Geldautomat im „Kaufland“ in Neustadt (Landkreis Kelheim) gesprengt. Von den Tätern fehlt bisher jede Spur. Sie sind immer noch auf freiem Fuß. Könnte das Verbrechen jetzt doch noch aufgeklärt werden? Die Festnahme einer Bande aus den Niederlanden, die in Bayern aktiv war, weckt Hoffnungen.
Ein lauter Knall zerriss in der Nacht zum 18. Oktober die Ruhe an der Raffineriestraße in Neustadt a.d. Donau. Anwohner des „Kauflands“ schreckten aus dem Schlaf hoch und alarmierten augenblicklich die Polizeieinsatzzentrale. Da war es kurz nach drei Uhr und obwohl schon Minuten später die ersten Polizeistreifen am Tatort eintrafen, fehlte von den Urhebern der Explosion jede Spur.
Die Wucht der Explosion hatte den Vorraum des Geschäfts verwüstet. Fensterscheiben waren aus ihren Verankerungen gerissen worden. Doch der Geldautomat hatte der Wucht der Explosion stand gehalten. „Die Täter gelangten jedoch nicht an das deponierte Bargeld“, erklärte Günther Tomaschko, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Niederbayern.
Täter ohne Beute
Obwohl die Einbrecher keine Beute gemacht hatten, war der Schaden beträchtlich. Allein die Schäden am und im Gebäude bezifferte die Polizei auf 20 000 Euro. Außerdem blieb der „Kaufland“ einen Tag lang geschlossen, ehe der Betrieb wieder aufgenommen werden konnte. Der Angriff auf den Automaten war der 16., der 2022 in Bayern registriert wurde.
Von den Tätern fehlt bis heute jede Spur. Dabei gab es zunächst einige Ansätze, um den Fall aufzuklären. Einer der wichtigsten: Die Gangster hatten die Explosion mittels Gas herbeigeführt. Dabei wird Gas ins Innere des Automaten geleitet und gezündet. Diese Methode war auch vor zwei Jahren nicht mehr besonders gebräuchlich. Doch die Suche nach vergleichbaren Fällen brachte die Polizei nicht entscheidend weiter. Auch der Umstand, dass die Täter, als sie die Flucht vom Tatort antraten, Nägel auf dem Parkplatz vor dem Geschäft verstreuten, um die Ermittlungen zu behindern, wie seinerzeit kolportiert wurde, half wenig.
Dabei gab es Erkenntnisse über mögliche Täter. Anfang Februar 2022 hatten Fahnder eine aus den Niederlanden operierende Bande hochgenommen, die bei 50 Sprengungen von Geldautomaten hauptsächlich in Bayern und Baden-Württemberg mehr als 5,2 Millionen Euro Beute gemacht hatten.
Im September 2022 konnten vier weitere mutmaßliche Täter festgenommen werden, die für eine Serie an Sprengungen verantwortlich sein sollen. Begonnen hatte die Serie in Niederbayern übrigens am 29. Oktober 2021 in Herrnwahlthann. Damals wurde ein Geldautomat in der Geschäftsstelle der Raiffeisenbank gesprengt.
Fälle in der Region
Klar war danach, dass die Geldautomatenknacker sehr mobil waren und möglicherweise keine regionale Bande bildeten. Die Festnahme von vier Automatensprenger vor wenigen Tagen geht wieder in Richtung Niederlande. Die niederländische Gruppe soll 20 Mal zugeschlagen haben – auch in der Region um Neustadt a.d. Donau: zuerst Großmehring (Landkreis Eichstätt), danach Wolnzach (Landkreis Pfaffenhofen), dann Elsendorf (Landkreis Kelheim). Fast ein Jahr ist es her, dass Automatensprenger die Region in Atem hielten und innerhalb weniger Wochen mehrere Geldautomaten in die Luft jagten.
Ob die Gangster auch für den „Kaufland“ in Betracht kommen, erscheint jedoch fraglich. Bisher kann die Polizei die Tat aus Neustadt a.d. Donau anscheinend noch immer keiner Bande fest zuordnen. Die Ermittlungen laufen jedoch weiter, sagt der Sprecher des Polizeipräsidiums in Straubing.
Die bittere Erkenntnis der Fahnder ist: Obwohl noch weitere Banden festgenommen wurden, wurden die Lücken, die die Festgenommenen hinterlassen hatten, schnell wieder gefüllt. Möglicherweise hilft gegen die Banden nur der Ausbau der Sicherheit der Geldautomaten. „Darüber hinaus finden immer mehr technische Maßnahmen, wie beispielsweise Einfärbetechnik, welche das Bargeld im Falle einer Explosion unbrauchbar macht, Anwendung“, berichtet das Bayerische Landeskriminalamt.

