Parkhäuser, die Stadtbahn, Radrouten und die Regenbrücke: Die Aufreger 2024

Platz ist knapp in der Stadt, das zeigte sich 2024 auch bei den Debatten über die Frage, wie die Regensburger künftig unterwegs sind. Die MZ blickt zurück auf heiße Debatten und voraus ins neue Jahr.
Die Sallerner Regenbrücke: Jubel und Protest
Als Ende Oktober die Nachricht kam, dass es nach einem Gerichtsbeschluss Baurecht gibt für die Sallerner Regenbrücke, war auf der einen Seite die Erleichterung groß – und auf der anderen begann sich der Protest zu formieren. Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer (SPD) und die Industrie- und Handelskammer hoben hervor, dass nun der Weg frei sei für das aus ihrer Sicht wichtige Infrastrukturprojekt, das den Stadtnorden besser anbinden soll an den überörtlichen Verkehr.
Das Bündnis „Mobilität neu denken“ dagegen betrachtet es als „aus der Zeit gefallenes Monsterprojekt“, das mehr Autos in die Stadt ziehe, und fordert den Stadtrat auf, per Ratsbegehren für einen Bürgerentscheid über die städtische Zufahrt zur Brücke zu sorgen. Der soll im Frühjahr 2026 stattfinden. Doch die politische Debatte darüber dürfte 2025 prägen.
Die Mobilitätsdrehscheibe liegt bis Juli auf Eis
Es war eine in vielerlei Hinsicht ungewöhnliche Debatte, die sich der Planungsausschuss des Stadtrats in seiner ersten Sitzung nach der Sommerpause lieferte. Grüne und CSU hatten sich verabredet, das als Herzstück einer Mobilitätsdrehscheibe geplante Parkhaus am Unteren Wöhrd zu kippen. Das zentrale Argument von Grünen-Fraktionschefin Maria Simon: „Unserer Ansicht nach gibt es genügend Parkplätze in Regensburg.“ Die CSU wiederum lehnt die an die Mobilitätsdrehscheibe gekoppelte Verkehrsberuhigung der Altstadt, bei der öffentliche Parkplätze aus den Straßen verschwinden sollen, ab. Die Befürworter um die OB kämpfen für das Gesamtpaket mit Parkhaus, kostenlosem Altstadt-Shuttle und Service für Radler.
„Wenn wir die Altstadt am Leben halten wollen, muss sie erreichbar sein“, sagt die OB. Herauskam der Kompromiss, dass das Projekt jetzt erst einmal auf Eis liegt. Bis Ende Juni 2025 muss die Stadt auswerten, wie die jetzt kostenpflichtigen Parkplätze im Freien dort genutzt werden, dann soll der Planungsausschuss erneut abstimmen. Entscheidende Frage ist, ob es sich lohnt, 19 Millionen Euro in ein Projekt zu investieren, dessen Parkplatz-Zahl auf maximal 1000 geschrumpft ist; das sind 230 mehr als aktuell.
Die Bürger beerdigen die Stadtbahn
Beim Stadtbahn-Bürgerentscheid hatten 53,7 Prozent die Frage „Sind Sie dafür, dass die Stadt Regensburg die Planungen für eine Stadtbahn fortsetzt?“ mit Nein beantwortet, 46,3 Prozent mit Ja. Vorangegangen waren erbitterte Debatten über den Verlauf des insgesamt knapp 18 Kilometer langen geplanten Kernnetzes. In einer Nachwahlbefragung der Stadt antworteten 91,1 Prozent der teilnehmenden Gegner, die Kosten seien ihnen zu hoch gewesen. Für wie lange das Projekt tot ist, dazu gehen die Meinungen auseinander. Im Planungsausschuss reichte kürzlich die Bandbreite von „für die nächsten zehn, 20 Jahre und danach“ (Brücke-Stadtrat Florian Rottke) bis zur Aussage der OB, was in drei, fünf oder 20 Jahren im Stadtrat passiere, darüber könne man nur spekulieren. Jetzt ist ein alternatives Konzept für einen höherwertigen ÖPNV in Arbeit, wohl ein primär busbasiertes System.
Das Parkhaus am Galgenberg füllt sich
Das Parkhaus an der Tech-Base machte Regensburg 2024 zum bundesweiten Gespött. Für 2023 hatte Grünen-Stadtrat Stefan Christoph eine Auslastung von maximal zehn Prozent errechnet. Im April kürte das ZDF-Magazin Länderspiegel den 2022 eröffneten Sieben-Millionen-Euro-Bau wegen der mickrigen Belegung der 377 Parkplätze zum Hammer der Woche. Jetzt heißt es vom Stadtwerk: Mehr als ein Viertel der Stellplätze sei fest vermietet und die Zahl der Kurzparkvorgänge habe sich zwischen Januar und November im Vergleich mit 2023 verdoppelt.
Radrouten: Kommt Weg an der Donau?
Die Hauptradrouten sind ein Dauerbrenner im Stadtrat. Kein Wunder: Fünf Jahre nach dem Bürgerbegehren hat die Stadt erst 2024 die erste von 18 geplanten Routen mit einer Gesamtlänge von 172 Kilometern eröffnet. Die zehn Kilometer führen von Sinzing aus in den Osten. Radaktivisten drängen auf eine „zeitnahe Umsetzung“ weiterer Routen. Wie viele Hürden es gibt, machte im Herbst die Debatte über die geplante Wegführung an der Donau im Westhafen-Areal deutlich. Aus Sicht des dort ansässigen Bayernhafens ist ein Radweg durch Betriebsgelände „nicht möglich“. „Wir können nicht jeden Punkt des Hafengeländes zugänglich machen“, sagte Hafen-Chef Joachim Zimmermann. Umweltverbände dagegen pochen auf den in der Bayerischen Verfassung garantierten Zugang zum Fluss auf einem Weg für Fußgänger und Radfahrer – und sehen das Bebauungsplanverfahren für das Gebiet als Chance, dass die Stadt in Verhandlungen mit dem Bayernhafen etwas erreicht für die Regensburger.



