Sallerner Regenbrücke: 60 Privatleute müssen Grund abgeben

Die Verhandlungen mit den Regensburger Grundeigentümern, die Flächen abgeben sollen, ziehen sich hin. Die Gegner der Regenbrücke wollen ein Ratsbegehren erreichen.
Die einen halten die Sallerner Regenbrücke für ein aus der Zeit gefallenes Vorhaben, das noch mehr Verkehr in die Stadt ziehen wird. Die anderen, vor allem Anwohner der Amberger Straße, die nur mit Ohrstöpseln schlafen können, hoffen auf Entlastung. Und natürlich wünscht sich die Wirtschaft die Verbindung von der Nordgaustraße zum Lappersdorfer Kreisel, zur A93 und B16. Für den Baustart gibt es noch keinen Termin, aber im Hintergrund laufen die Vorbereitungen – nicht erst seit dem Richterspruch pro Brücke.
60 private Grundstückseigentümer sollen Flächen abtreten für die Gesamtmaßnahme mit Ausbau der Nordgaustraße, des Lappersdorfer Kreisels und den Brückenbau. Bisher beschränken sich die Grundstücksverhandlungen auf Einzelfälle. Der Großteil stehe noch bevor, sagt Berthold Schneider, Bereichsleiter Straßenbau beim Staatlichen Bauamt. Ein Ausgleich könne durch finanzielle Entschädigung, Ersatzflächen und bauliche Abhilfemaßnahmen erfolgen. Betroffen sind etwa Grundstücksbesitzer an der Nordgaustraße oder Lappersdorfer Straße.
„Kein adäquater Ausgleich“
Hauptbetroffene aber ist die Familie Hauner mit ihrer Gärtnerei. Dass der Betrieb existenziell gefährdet ist, bestätigt das Staatliche Bauamt. Inhaber Gerhard Hauner und seine Familie wohnen auch auf dem Gelände. Sie sollen rund 4000 Quadratmeter abgeben. Bei der Hälfte handelt es sich um Produktionsflächen: Gewächshäuser, Lager für Maschinen und Kompostplatz. „Einen adäquaten Ausgleich kann die Stadt nicht bieten“, sagt der Gärtnermeister. Das seien landwirtschaftliche Flächen. Man müsse konkretisieren, ob sich diese bebauen lassen.
Zum künftigen Wohnen an der Sallerner Regenbrücke sagt er, der Schallschutz werde drei Meter hoch sein. Die Wohn- und Schlafräume im Haus würden aber sechs bis sieben Meter über dem Straßenlevel liegen. „Speziell im privaten Bereich wird es somit sehr laut“, befürchtet Hauner. Die Familie habe darauf gedrungen, Schallschutzfenster zu bekommen. „Das war der einzige Erfolg, der uns zugesagt wurde.“
Rechtsanwalt Dr. Thomas Troidl vertritt die Gärtnerei. Es gehe nicht nur um die Entschädigung, sondern auch um eine Abmilderung des Eingriffs. Troidl spricht von kooperativen Verhandlungen mit der Stadt und dem Staatlichen Bauamt. Fragen wie die zur Erreichbarkeit der Ersatzflächen werden besprochen.
Entschädigungen seien nicht ausreichend
Zu einer Entschädigung sagt Baudirektor Schneider, die zu vergütenden Grundstückspreise richteten sich nach dem Verkehrswert und nach Nebenschäden wie etwa Bewirtschaftungs-Erschwernisse bei landwirtschaftlich genutzten Flächen. Für die Bodenpreise existieren Preissammlungen für die jeweilige Region. Troidl betrachtet den Verkehrswert als rechtlich fairen Preis. „Aber ist es ein guter Preis?“ Der Anwalt sagt, er sei mit dem bisher Erreichten nicht unzufrieden. Auch einen Grundstückseigentümer an der Nordgaustraße hat er vertreten. „Da hat man sich geeinigt.“
Dem Staatlichen Bauamt liegt eine Verkehrsprognose vor. Auf der Sallerner Regenbrücke werden an Werktagen rund 25.000 Fahrzeuge rollen. 33.000 Autos und Lastwagen werden den ausgebauten Abschnitt der Nordgaustraße belasten. Das wäre eine Zunahme um 13.000 Fahrzeuge am Tag. Die Amberger Straße werden bis zu 15.000 Pkw und Lkw nutzen. Sie wird wohl um rund 9000 Fahrzeuge täglich entlastet.
Noch kein Geld eingeplant
Das erhoffen sich Anwohner. Rund zehn Prozent des Verkehrs sind Lastwagen, deren Lärm die Menschen besonders plagt. Bei einem Ortstermin im November haben sie über die „Lkw-Rush-Hour“ ab 5.30 Uhr geklagt.
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Auch die mindestens vierjährigen Bauarbeiten an Lappersdorfer Kreisel und Regenbrücke sowie die Zunahme des Verkehrs werden für Lärm sorgen, aber an anderer Stelle. Eine komplette Einhausung erhält nur ein Abschnitt der Nordgaustraße. Der Bau- und Verkehrslärm werde alle Wohngebiete im Umfeld der auszubauenden Verkehrswege betreffen, sagt Baudirektor Schneider. Das sind nicht nur die direkt angrenzenden Bereiche. Auf der Website der Regierung der Oberpfalz sind Lärmberechnungen für 119 „Immissionsorte“ zu sehen.
Die Brückengegner wollen den Ausbau der Nordgaustraße mit einem Ratsbegehren oder einem Bürgerbegehren verhindern. Sie hegen auch die Hoffnung, dass weder Stadt noch Staat das Geld haben werden. Noch sind die Bausummen nirgends eingeplant.
Keine Anbindung für Bus und Fahrrad
Baurecht: Das liegt für die Sallerner Regenbrücke seit dem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts im Oktober vor. Das Projekt mit Ausbau der Nordgaustraße und des Lappersdorfer Kreisels soll die Stadt direkt mit A93 und B16 verbinden.
Bus und Rad: Der Pendlerparkplatz am Kreisel, der verlegt wird, dient bisher nur dem Umsteigen für Autofahrer. Eine Verbindung zum Bus- und Radverkehr gibt es nicht. „Die Notwendigkeit ist aber erkannt und es werden Lösungsmöglichkeiten erarbeitet“, verspricht Baudirektor Berthold Schneider. Auf der Sallerner Regenbrücke selbst ist ein kombinierter Geh- und Radweg vorgesehen.