Zu viel Lärm: Bürger fordern Regenbrücke in Regensburg

Von Juliana Ried · 15. November 2024 um 16:57

Der große Widerstand gegen die Sallerner Regenbrücke besorgt etliche Anwohner der Amberger Straße in Regensburg. Sie hoffen auf baldige Entlastung.

Das kürzlich vom Bundesverwaltungsgericht bestätigte Baurecht für die Sallerner Regenbrücke hatte sofort die Gegner des Projekts auf den Plan gerufen. Öko-Parteien und verschiedene Verbände und Initiativen wollen es auch jetzt noch kippen. Das wiederum alarmiert etliche Anwohner in der Amberger Straße, die sich von der neuen Verbindung im Stadtnorden lang ersehnte Entlastung von Lärm und Verkehr erhoffen. Bei einem Ortstermin machen sie klar: „Es ist nicht auszuhalten“, so formuliert es Nico Bader.

Er ist überzeugt: „Die Amberger Straße ist eine der lautesten Straßen in Regensburg.“ Fest steht: Sie zählt zu den Hauptverkehrsadern der Stadt. 2018 nutzten sie durchschnittlich 18 000 Fahrzeuge in 24 Stunden, der Schwerverkehrsanteil lag bei circa zehn Prozent, neuere Daten hat die Stadt nicht. Die Anwohner belastet vor allem der Lkw-Verkehr. Dieser beginne jeden Werktag in den frühen Morgenstunden, etwa ab vier Uhr, schildert Anwohner Bader. Zwischen 5.30 und 7 Uhr sei „Lkw-Rush-Hour“. Aber auch später spüre er an seinem Arbeitsplatz in der Wohnung die Vibrationen.

Anwohner schlafen mit Ohrstöpseln

Als er und seine Frau vor knapp zwei Jahren eingezogen seien, hätten sie die Lärmschutzfenster überzeugt. Inzwischen hätten sie aber festgestellt, dass es trotzdem nicht möglich sei, ohne Ohrstöpsel zu schlafen. Bader berichtet: „Man schreckt nachts auf durch das Rumpeln der vorbeifahrenden Lkw und das Scheppern der Aufbauten von Anhängern.“ Dazu kämen die dreckige Luft durch die Abgase und die fehlende Sicherheit, schildern die Anwohner. Bader sagt, es sei „lebensgefährlich“, die Straße auf dem Weg zur Biotonne auf der anderen Straßenseite zu überqueren. Auch für Autofahrer sei es schwierig, sich in den Strom aus Fahrzeugen einzufädeln, sagt Wolfgang Auerbacher (69). „Man kommt aus der Tiefgarage gar nicht mehr raus.“

Bader fordert einen „sofortigen Bau der Sallerner Regenbrücke und bis die fertig ist, Tempo 30 für Lkw“. Aus Sicht von Günther Weiß (75), der sich seit Jahrzehnten für eine Sallerner Regenbrücke einsetzt, ist die Sache klar: „Es ist genehmigt. Es gibt für uns einen Riesen-Vorteil. Es gibt für keinen Bürger einen Nachteil“, sagt er. Direkt Betroffene, über deren Grundstück die neue Trasse führe, würden entschädigt. Andreas Nausch (35), der beim Ortstermin nicht dabei sein kann, sagt am Telefon: „Jetzt sollte man das einfach machen.“ Nicht nur Anwohner profitierten, sondern alle, die im Stadtnorden unterwegs seien. Mit der Brücke könnte die Stadt die Verkehrsströme neu ordnen, argumentieren die Anwohner. Dann wäre ein Lkw-Fahrverbot in der Amberger Straße möglich. Zudem sei die Brücke auch als Rad- und Fußwegverbindung zum anderen Ufer dringend nötig. Susan Bader (46) erzählt: „Wenn ich gegenüber meiner Wohnung baden will, muss ich bis nach Reinhausen radeln.“

Die Gegner des Vorhabens, die es als „Anti-Verkehrswendeprojekt“ anprangern, argumentieren: Die zuständigen Behörden könnten die Anwohner der Amberger Straße auch ohne Brücke durchs Regental entlasten: etwa durch eine Verlagerung der Bundesstraße auf die Ostumgehung. So sagt es etwa Wolfgang Bogie vom Bündnis „Mobilität neu denken“, das gerade prüft, wie es weiter vorgeht gegen das Projekt. Die Befürworter der Brücke dagegen sind überzeugt, sie sei nötig angesichts der vielen Fahrzeuge, die sich durch den Stadtnorden wälzen. Nico Bader wirft den Gegnern „Populismus“ vor. Nausch sagt: „Die Stadt Regensburg wächst seit Jahrzehnten. Aber das Verkehrssystem soll nicht mitwachsen. Das passt nicht zusammen.“

Kommt Tempo 30 nachts in der Amberger Straße?

Was die Entlastung der Amberger Straße betrifft, sagt Stadtsprecherin Juliane von Roenne-Styra: „Mit Fertigstellung der neuen Straßenverbindung kann die Abstufung der Amberger Straße zur Ortsstraße erfolgen.“ Wann das vom Lärmaktionsplan empfohlene Tempo 30 nachts umgesetzt werde, werde derzeit geprüft. Einen Zeitplan für den Brückenbau gebe es noch nicht, heißt es vom zuständigen Staatlichen Bauamt. Ziel sei es, die noch nötigen Planungs- und Vergabeverfahren Schritt für Schritt umzusetzen, um das wichtige Infrastrukturprojekt auf einen schnellen Weg in die Ausführung zu bringen, sagt Abteilungsleiter Richard Bosl. Auch Grunderwerbs- und Entschädigungsverhandlungen müssten abgeschlossen werden und die Finanzierung geklärt.