Interner Streit erschütterte den BRK-Kreisverband Kelheim – und macht Neuwahl 2025 spannend

Kaum ein Thema hat im Jahr 2024 so lange so viele Gemüter bewegt wie der Streit im BRK-Kreisverband Kelheim. Mit Spannung warten Beteiligte und Zuschauer daher auf das Frühjahr 2025: Dann soll die derzeit kommissarische und durch Rücktritte geschrumpfte Vorstandschaft regulär neu gewählt werden.
Die Presseerklärung vom 16. Juli war ein Paukenschlag: Christian Schweiger, Kreisvorsitzender des Kelheimer Roten Kreuzes, sein Vize Willi Dürr, 2. Vize-Vorsitzende Hannelore Langwieser und Justiziarin Judith Wintersberger erklärten gemeinsam den Rücktritt von ihren BRK-Ämtern, mithin fast ein Viertel des satzungsgemäß 18-köpfigen Vorstands. Sie begründeten dies mit dem „Kurs, den der BRK-Kreisverband Kelheim unter der Geschäftsführung von Christoph Kühnl eingeschlagen hat“.
Wenige Tage zuvor hatte unsere Zeitung erstmals über den Zoff im Kreisverband (KV) berichtet. Auslöser waren zwei Schreiben an unsere Redaktion, denen im Lauf der nächsten Woche weitere Briefe, Mails und handschriftliche Zettel von Noch- und ehemaligen BRKlern, vor allem Hauptamtlichen, folgen sollten. Selten haben sich zu einem Thema so viele Beteiligte an die Redaktion gewandt und dabei eindringlich gebeten, ihre Anonymität zu wahren.
Vorwurf der „Freunderlwirtschaft“
Sie kritisierten, dass der KV unter seinem 2022 installierten Geschäftsführer Christoph Kühnl eine ungute Entwicklung nehme: Es herrschten „Freunderlwirtschaft“, ein rüder Umgang mit teils langgedienten Beschäftigten, eine mangelhafte und wenig wertschätzende Kommunikation, so die Kritik.
Dies beweise, „dass grundsätzliche Probleme bestehen“ im KV, zeigte sich, auf Nachfrage, der damalige BRK-Kreisvorsitzende, Kelheims Bürgermeister Christian Schweiger, erst noch „besorgt“. Seine Sorge war er wenige Tage später los – er trat ja zurück. Gemeinsam mit den anderen Dreien wollte Schweiger dies verstanden wissen als „deutliches Signal, dass es ein Weiter-so nicht mehr geben darf“ im KV.
War Abberufung geplant?
Freilich kam, nach Darstellung von Geschäftsführer Christoph Kühnl, Schweiger mit seinem Rücktritt nur seiner Abberufung zuvor: Diese hätten mehrere Vorstandsmitglieder schon beantragt gehabt, schrieb er in einer Pressemitteilung namens „des Kreisvorstands sowie der Kreisgeschäftsführung“. In der Stadt Kelheim hat Schweigers Rücktritt bekanntlich besondere Brisanz, denn hier ist weiterhin die Zukunft des BRK-Seniorenheims offen.
Seit Juli 24 nun amtiert die Kreisvorstandschaft ohne die Zurückgetretenen kommissarisch weiter, bis zur turnusmäßigen Neuwahl im März 2025. Viele fragen sich, wer den eher nicht vergnügungssteuer-pflichtigen Kreisvorsitz schultern soll. Namen nennen könnte mutmaßlich Christoph Kühnl, der als Kreisgeschäftsführer die Wahl vorbereiten muss. Doch auf unsere Nachfragen seit der Vor-Weihnachtswoche per Telefon und Mail reagierte Kühnl bis Jahresende nicht. Zumindest zwei von denen, deren Namen kursieren, winken derweil ab.
Gerüchte um Diermeier
„Ich bin schon drei, vier Mal gefragt worden, ob es stimmt, dass ich neuer Kreisvorsitzender werden soll“, bestätigt der Kelheimer Vize-Bürgermeister Dennis Diermeier auf Nachfrage, und ergänzt hörbar amüsiert, „ich bin dann selber immer überrascht“, denn: „Mit mir hat noch nie jemand darüber gesprochen“, und er selbst habe sich mit einer solchen Kandidatur „wirklich nicht beschäftigt“.
Ähnlich wie der FW-Politiker antwortet die CSU-Abgeordnete Petra Högl, angeblich auch als Kreisvorsitzende im Gespräch: „Nein, ich bin hierzu weder angefragt worden, noch habe ich mich dafür gemeldet“ erklärt sie auf Anfrage; sie habe auch keine Ambitionen, den Kreisvorsitz zu übernehmen.
Motivator dringend gesucht
Wer auch immer diese Ambitionen hat, wird sich mühen müssen, Stimmung und Motivation insbesondere bei den Hauptamtlichen wieder zu heben. Die sei nämlich nach wie vor bei vielen von Frust und Enttäuschung geprägt, sagt ein Ehemaliger aus dem Bereich des Rettungsdienstes (RD). Dort hatte schon im Februar 2022 die Kündigung des langjährigen und nun tief gefrusteten RD-Leiters Stephan Zieglmeier für Unruhe gesorgt.
Im Juli 2024 gingen dann alle acht Vize- und Leiter der (damals) vier Rettungswachen im Landkreis mit einem Brandbrief an die Öffentlichkeit, namentlich. Darin kritisierten sie „verfehlte Personalentscheidungen und mangelhafte Informationspolitik“ sowie einen „völlig untragbaren Führungsstil“ und schilderten etliche Beispiele aus ihrem Arbeitsalltag.
In einem Redaktionsgespräch wiesen Geschäftsführer Kühnl und Rettungsdienstleiterin Josefine Gebendorfer die Vorwürfe weitgehend zurück. Gebendorfer selbst ist allerdings dem Vernehmen nach nicht mehr als RD-Leiterin aktiv; auf Mails an sie kommt die automatische Antwort „Derzeit befinde ich mich nicht im Haus.“ Nach Informationen unserer Zeitung ist derzeit ein kommissarischer Leiter tätig.
Dezente Zurückhaltung auf höheren Ebenen
Bemerkenswert unbeeindruckt zeigten sich bislang, zumindest nach außen, die übergeordneten Ebenen des BRK angesichts des öffentlich ausgetragenen Streits im Kreisverband.
Der Bezirksverband Niederbayern/ Oberpfalz und die Landesgeschäftsstelle gaben auf unsere Anfragen sehr allgemein gehaltene Statements ab und verwiesen in erster Linie darauf, dass der Kreisverband die zuständige „Gliederungsebene“ sei, in der „nach der bestmöglichen Lösung gesucht“ werden müsse. Die Bezirks- oder Landesebene werde nur von sich aus tätig, wenn die Satzung dies vorsehe, „z.B. bei wirtschaftlicher Schieflage eines Kreisverbandes“. Die liege im Kelheimer Fall nicht vor, teilte zum Beispiel im Juli der Bezirksgeschäftsführer mit.
Der Kreisverband Kelheimer ist einer von 73 KVs innerhalb des Bayerischen Roten Kreuzes, das als Ganzes eine Körperschaft des öffentlichen Rechts ist. Kelheim hat rund 2000 aktive Mitglieder. Beruflich sind im Landkreis fast 600 Menschen tätig.