Haupt- und Ehrenamtliche kritisieren den Kelheimer BRK-Kreis-Geschäftsführer

Von Martina Hutzler · 11. Juli 2024 um 19:05

Im Kelheimer BRK-Kreisverband rumort es gewaltig. Das berichten übereinstimmend mehrere Ex- und Noch-Beschäftigte und -Ehrenamtliche des Roten Kreuzes. Ihre Kritik richtet sich vor allem gegen den Geschäftsführer Christoph Kühnl.

Zwei anonyme Schreiben, die unserer Redaktion vorliegen, sowie Gespräche mit mehreren ehemaligen und aktiven BRKlern legen nahe: Der Haussegen im Kreisverband Kelheim des Bayerischen Roten Kreuzes hängt ordentlich schief; vielen missfällt der Umgang und die Kommunikation mit Beschäftigten und Führungskräften, die sich teils schon Jahre bis Jahrzehnte in dem Rettungsverband engagieren. Das sei „für einen werteorientierten Verband wie das BRK nicht so toll“, formuliert es eine ehemalige Führungskraft. Im anonymen Schreiben, unterzeichnet von einem „(immer noch) Freund des BRK“, ist es so ausgedrückt: „Die Grundprinzipien des BRK werden mit Füßen getreten.“

Mit Turbulenzen an der Spitze hatte der Kreisverband (KV) schon in der Zeit zu kämpfen, als der jetzige Geschäftsführer Kühnl im März 2022 sein Amt antrat – damals zusammen mit Michael Reil. Auch Reil gehört allerdings seit September 2023 zur Kategorie „ehemalige Führungskraft“ – er schied, für die Öffentlichkeit einigermaßen überraschend, aus der BRK-Geschäftsführung aus. Und er gehört zur Kategorie derer, die sich zum nunmehr alleinigen Geschäftsführer Kühnl nicht mehr äußern wollen.

Mit der Bestellung von Kühnl und Reil Anfang 2022 endete eine Vakanz, die im August 2021 begonnen hatte und für Aufsehen sorgte: Der vorherige Geschäftsführer und die Kreisvorstandschaft hatten „sich einvernehmlich voneinander“ getrennt, wie der KV in einer Pressemitteilung Anfang August 2021 überraschend bekanntgegeben hatte.

Zwei BRK-„Eigengewächse“

Während der Ausgeschiedene zu einem anderen Kreisverband wechselte, übernahmen in Kelheim mit Kühnl und Reil, damals 26 und 35 Jahre jung, zwei Kelheimer BRK-„Eigengewächse“ die operative Leitung. Kühnl war zuvor ehrenamtlicher Vize-Kreisbereitschaftsleiter und brachte beruflich die Notfallsanitäter-Ausbildung sowie den Abschluss als IHK-Betriebswirt mit. Der Industriekaufmann und promovierte Gesundheitsmanager Reil war ehrenamtlicher Kreisvorsitzender der Wasserwacht. Die beiden übernahmen einen Kreisverband mit Unternehmens-Charakter: mit (damals) über 380 Beschäftigten sowie rund 1200 Ehrenamtlichen, tätig insbesondere in Rettungsdienst, Senioren- und Kinderbetreuung.

Schon bevor die beiden offiziell starteten, gab es indes einen weiteren personellen Paukenschlag: Der kommissarische Geschäftsführer und langjährige Rettungsdienst-Leiter, Stephan Zieglmeier, warf im Februar 2022 das Handtuch. In seinem Abschiedsschreiben an die KV-Belegschaft kritisierte er, es gehe im Kreisverband „nur noch um Macht(-anhäufung) und ,wer hat wem was zu sagen‘“. Die Entwicklung des KV „lässt mich tief schwarz blicken“, schrieb Zieglmeier damals. Auch er will sich heute nicht mehr in Sachen BRK-Kreisverband äußern.

Dem Rückzug Zieglmeiers folgten mehrere seiner Kollegen aus dem Rettungsdienst: „Bei vielen Hauptamtlichen herrscht Unmut; mehrere Notfallsanitäter haben sich einen neuen Job gesucht“, berichtet ein ehemals ehrenamtlich aktives Rettungsdienst-Mitglied – das sein Engagement ebenfalls beendet hat. Und das wie alle unsere Gesprächspartner anonym bleiben will. Wie er beklagt auch ein Ex-Hauptamtler, dass im Kreisverband „Freunderlwirtschaft“ herrsche und „altgediente Hauptamtliche rausgeekelt werden“, obwohl sie im Kollegium bestens angesehen seien.

„Da scheppert‘s so richtig“

Die Folge für den Kreisverband beschreibt ein dritter Ehemaliger kurz und knapp: „Da scheppert’s so richtig!“ Wieder ein anderer Beschäftigter, der nach vielen Jahren hingeworfen hat, berichtet, der KV sei bereits überregional Gesprächsthema: „Das BRK Kelheim hatte früher einen sehr guten Ruf. Jetzt hört man nur noch: ,Was ist denn bei Euch in Kelheim los?!‘“ Das sei umso bedenklicher angesichts des wachsenden Fachkräftemangels. „Notfallsanitäter und ähnliches sind doch dermaßen gesuchte Berufsstände – da ist mir völlig unerklärlich, wie man mit Hauptamtlichen so umgehen kann.“

Besagter Umgang beschäftigt auch das Arbeitsgericht Regensburg. Dort seien „zwei Verfahren bezüglich außerordentlichen Kündigungen im Oktober 2023 bzw. Juni 2024 durch Vergleich beendet“ worden, teilt Gerichtssprecher Thomas Krottenthaler auf Anfrage mit; „ein weiteres Verfahren ist derzeit noch anhängig, es geht um den Entzug von Arbeitsaufgaben, diesbezüglich verhandeln die Parteien noch über eine gütliche Einigung.“

Geschäftsführer Kühnl selbst äußert sich auf Anfrage nicht zu den Vorwürfen. Der BRK-Kreisvorsitzende und Kelheimer Bürgermeister Christian Schweiger verwies zu Wochenbeginn auf eine für den Donnerstagabend (11. Juli) geplante Vorstandssitzung, nach der man sich äußern werde. Ähnlich hält es der Vize-Kreisvorsitzende Willi Dürr.

Auch der BRK-Bezirksverband Niederbayern/Oberpfalz hält sich weitgehend bedeckt. Bezirksgeschäftsführer Mario Drexler bestätigt, dass das eingangs erwähnte anonyme Schreiben auch dem Bezirksverband vorliege. Es sei „von allen Seiten umfassend geprüft“ worden. Zur Kritik von Haupt- und Ehrenamtlichen könne der Bezirksverband keine Stellungnahme abgeben, weil für die „Wahrnehmung örtlicher Aufgaben“ satzungsgemäß der Kreisverband zuständig sei. In dessen Arbeit greife der Bezirks- oder der Landesverband „nur im Falle wirtschaftlicher Schieflage“ ein, „welche in diesem Fall nicht vorliegt“.