So hoch ist die Radon-Konzentration im Kreis Cham – und so schützt man sich

Geräuschlos und unbemerkt schleicht sich die Gefahr in unsere Keller. Man sieht es nicht, man hört es nicht und man reicht es nicht. Das radioaktive Gas Radon ist fast überall und greift unsere Lungen an. Im Landkreis Cham sind die Werte besonders hoch. Wie gefährlich ist es tatsächlich und wie kann man sich davor schützen?
Radon ist ein radioaktives Edelgas, das beim Zerfall von Uran, ein Abfallprodukt der Herstellung von Atombomben und Brennelementen für Atomkraftwerke, frei wird. Es kann beim Menschen Lungenkrebs verursachen. Das Edelgas ist so weit verbreitet, dass es im Bayerischen Landesamt für Umwelt (LfU) eine eigene Radon-Fachstelle gibt.
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„Solange Uran, das eine Halbwertszeit von mehreren Millionen Jahren hat, vorhanden ist, gibt es auch Radon“, sagt ein Sprecher des LfU auf Anfrage unserer Zeitung. „Da Radon ein Gas ist, kann es sich leicht gelöst in Wasser oder mit der Luft im Boden ausbreiten.“ Das Uran kommt im Boden vor. Radon kann also vom Boden über Fugen, Risse oder Kabel- sowie Rohrdurchführungen in das Innere eines Gebäudes gelangen.
Je tiefer man wohnt, desto größer ist die Gefahr
Als Faustregel gilt: Je näher ein Gebäudeteil dem Boden ist, desto höher ist normalerweise die Radonkonzentration. In Kellern ist die Konzentration beispielsweise deutlich höher als im vierten Stock, weil der Keller direkt mit dem Boden verbunden ist. „Auf dem Weg in die höheren Stockwerke verdünnt sich Radon in der Raumluft“, erklärt der Sprecher des LfU. „Die Radonkonzentration in den einzelnen Stockwerken nimmt deshalb nach oben hin meist ab.“ Wer im Erdgeschoss eines Gebäudes ohne Keller wohnt, ist dem radioaktiven Gas ähnlich stark ausgesetzt wie in einem Keller.
In Innenräumen gilt ein Grenzwert von 300 Becquerel pro Kubikmeter Luft. Auf der Internetseite des Bundesamtes für Strahlenschutz heißt es, dass ein Wert von 100 Becquerel pro Kubikmeter Raumluft das Lungenkrebsrisiko um 16 Prozent erhöht. Man geht davon aus, dass fünf Prozent aller Todesfälle durch Lungenkrebs auf das gefährliche Gas Radon zurückzuführen sind.
Im Landkreis Cham überschreitet die Radonkonzentration laut Schätzungen des Bundesamtes für Strahlenschutz in fast allen Gemeinden 100 Becquerel pro Kubikmeter Luft. Nur Pemfling (99), Cham (98), Roding (92), Weiding (88) und Willmering (72) liegen darunter. Besonders hoch sind die Werte in Blaibach (238), Miltach (239), Rimbach (252), Reichenbach (286) und Zell (288). Im Vergleich zu anderen Landkreisen, beispielsweise Regensburg oder Straubing-Bogen, wo die Werte zwischen 50 und 80 pendeln, weisen die hiesigen Gemeinden allesamt hohe Werte auf. Den Grenzwert von 300 Becquerel überschreitet jedoch auch im Landkreis Cham keine Gemeinde.
Die Radonwerte in der eigenen Wohnung kann man mit sogenannten Exposimetern, passiven Messgeräten, die es in den meisten größeren Baumärkten zu kaufen gibt, überprüfen.
Messungen empfohlen
„In Wohnräumen sind Messungen freiwillig aber stets zu empfehlen. Denn nur eine Messung schafft Gewissheit“, so der Sprecher des LfU weiter. Wenn man feststellt, dass man einen relativ hohen Wert in den Wohnräumen hat, gibt es Maßnahmen die kurzfristig und welche, die langfristig Abhilfe schaffen.
Eine Methode, die banal klingt, aber sehr effektiv ist: regelmäßiges Stoßlüften. Damit gibt man dem Gas die Möglichkeit zu entweichen. So sammelt es sich nicht in den Räumen an. Außerdem hilft es, Fugen und Risse abzudichten, sodass das Gas gar nicht mehr in hoher Menge eintreten kann. Eine kostspielige Schutzmaßnahme ist der Radonbrunnen. Das Gerät saugt radonhaltige Luft vom Boden ab und sorgt damit dafür, dass das radioaktive Edelgas gar nicht erst in die Nähe des Fundamentes kommt.
„Neben dem Baugrund ist vor allem der bauliche Zustand des Gebäudes für die Radonkonzentration in Innenräumen verantwortlich“, erklärt der Sprecher des LfU. Bewohner älterer Gebäude sind also gefährdeter, als Bewohner von Neubauten. In die meisten älteren Häuser ist kein ausreichender Radonschutz eingebaut. Bei Neubauten verpflichtet das Strahlenschutzgesetz, einen Basisschutz gegen den Eintritt des Gases in das Gebäude einzubauen. Ein reduzierter Eintritt wird beispielsweise durch die Verwendung einer radondichten Folie im Fundamentbereich gewährleistet. Vor allem für den Winter ist das im Vergleich zum Stoßlüften wohl die komfortablere Lösung.