Eine Schutzwohnung hilft: So steht es um gewaltbetroffene Frauen im Landkreis Cham

Von Bernd Hofmann · 28. Dezember 2024 um 05:00

Der Fall Gisèle Pelicot ging um die Welt. Eine französische Frau wurde von ihrem Ehemann betäubt, der sie dann anschließend von Fremden vergewaltigen ließ. Eine schreckliche Angelegenheit. „Das ist alles gar nicht so weit von der Realität im Landkreis Cham entfernt“, sagt Johanna Gruber.

Gruber ist die Geschäftsführerin der Kirchlichen Allgemeinen Sozialberatung der Diakonie im Bezirk Cham-Regen und sagt: „So etwas Ähnliches gab es auch bei uns.“ Seit zwei Jahren gibt es nun die Fachberatungsstelle für gewaltbetroffene Frauen und ihre Kinder in Cham . Seitdem konnten 103 Frauen mit über 130 mit betroffenen Kindern das Hilfsangebot der Beratungsstelle nutzen.

Die Stelle bietet für Frauen, die Opfer von Gewalt sind oder waren, einen Anlaufpunkt, an dem sie beraten und unterstützt werden können. Dazu gehören telefonische Gespräche, die auf Wunsch auch anonym ablaufen können. Dabei werden die Frauen dann kostenlos in ihren Situationen unterstützt.

„Es muss nicht gleich Gewalt sein“, sagt Gruber. „Es gibt auch Männer, die Dokumente oder finanzielle Mittel vorenthalten.“ Generell gibt es, laut Gruber, in der Region alles, was es anderswo auch gibt, nur die Anzahl der verschiedenen Fälle sind unterschiedlich. Gemeinsam mit den Mitarbeitern der Beratungsstelle werden dann für die Frauen Schritte entwickelt, wie sie aus ihren schwierigen Situationen ausbrechen können. Zum Beispiel eine Begleitung zur Anzeigenerstattung, Hilfe bei der Existenzsicherung, Vermittlung in Frauenhäuser und vieles mehr.„Das kann dann auch ein längerer Weg der Beratung sein“, sagt Gruber.

Ein Zufluchtsort für Frauen

Dieser Weg führt für manche Frauen dann auch über die Schutzwohnung, die die Beratungsstelle anbiete. Dort können Frauen mit ihren Kindern temporär unterkommen, um aus ihren Verhältnissen auszubrechen. „Wir haben uns sehr angestrengt, die Wohnung liebevoll einzurichten“, sagt Gruber. Bis zu sechs Kinder könne die Wohnung, gemeinsam mit der betroffenen Mutter, unterbringen. Die Unterkunft ist dann auch für den Notfall mit einigen Lebensmitteln ausgestattet. Bis zu drei Monate können Frauen in dieser Wohnung untergebracht sein, bis sie eine andere Bleibe gefunden haben. „Dieses Jahr waren vier Frauen mit insgesamt fünf Kindern in der Wohnung“, sagt Gruber.

Wenn die Wohnung frei ist, wird sie geputzt: „Dann bekommt die Polizeiinspektion eine Meldung, dass die Wohnung frei ist. Die Polizei kann dann jederzeit eine Frau in der Wohnung unterbringen.“ Um für den Schutz der Frauen zu sorgen, ist der Ort der Wohnung geheim. Die Schutzwohnung kostet zehn Euro pro Tag. Für Frauen die diese finanziellen Mittel nicht aufbieten können, gibt es Unterstützungsmöglichkeiten.

Zur Gründung der Beratungsstelle kam es vor zwei Jahren. Damals sei das Landratsamt mit der Idee auf die Diakonie zugekommen. „Dann haben wir gesagt, wir machen das einfach“, so Gruber. Nachdem die Hürde der Räumlichkeit und die des Personals überwunden werden konnte, öffnete die Beratungsstelle dann im Dezember 2022 ihre Türen.

Finanziert wird die Stelle teilweise von der Regierung Mittelfranken, dem Landkreis Cham und durch Spenden. Für ein flächendeckendes Angebot könnte die Beratungsstelle auch noch eine Interventionsstelle. So eine Stelle könnte aktiv den Kontakt zu Frauen suchen, die Hilfe benötigen. „Wir hätten eine Geh–Struktur, nicht nur eine Komm–Struktur“, sagt Gruber – denn momentan müssen die Klientinnen zur Beratungsstelle kommen.

Selbstverteidigungskurse für Frauen und Jugendliche

Die Beratungsstelle für von Gewalt betroffene Frauen bietet zweimal im Jahr einen Selbstverteidigungskurs für Frauen und Jugendliche ab 16 Jahren an. Einmal an zwei Samstagen ganztägig im Frühjahr und im Herbst über mehrere Wochen einmal pro Woche abends.

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Einer der Kurse findet in der Regel in Cham statt, der andere im Landkreis, um auch den Rand des Landkreises abzudecken, wie Gruber berichtet. Mit Doris Klingeisen wird bei den Kursen zum Beispiel Körpersprache und abwehrende Techniken geübt. Die Teilnahme ist kostenlos, die Teilnehmeranzahl ist auf 16 begrenzt. Ein Aushang für den nächsten Kurs wird laut Gruber wahrscheinlich im März bei der Diakonie zu sehen sein.

„Es ist mir ein Anliegen, dass Frauen sich ermutigt fühlen. Dass sie den Versuch wagen, auszubrechen“, betont Gruber im Gespräch. Auch Angehörigen oder Nachbarn von Frauen, die von Gewalt betroffen sind, hilft die Beratungsstelle immer. „Es ist wirklich wichtig, dass man als Mitmensch hinschaut: Was passiert um mich herum, wer braucht Hilfe?“

Informationen zur Beratungsstelle:

Telefon: (09971) 99 48 017

E-Mail: frauenhilfe.cham@elkb.de

Sprechzeiten: Montags bis donnerstags 8 bis 12 Uhr und 13 bis 16 Uhr und Freitags von 8 bis 14 Uhr.

Standort: Ludwigstraße 27, 93413 Cham.

Angebot: Hilfe für Frauen und Kinder, die von häuslicher und/oder sexualisierter Gewalt betroffen sind oder waren.

Persönliche Gespräche: Nur nach Terminvereinbarung möglich.

Spenden: An die IBAN DE47 7425 1020 0120 1345

72 (Sparkasse im Lkr. Cham)

BIC: BYLADEM1CHM