Bad Kötztings Polizeichef Christian Pongratz hat Angst vor der Neid-Debatte in der Gesellschaft

Drei tödlich verletzte Personen bei zwei Verkehrsunfällen im vergangenen Jahr, Die mehrtägige Suche nach einem zwölfjährigen Mädchen in Zandt, oder der größte Cannabis-Fund seit Jahren mit über 30 Kilogramm Marihuana in Lohberg – für die Dienststelle der Polizei in Bad Kötzting unter der Leitung von Christian Pongratz gab es viel zu tun dieses Jahr. „Unser Aufgabengebiet ist sehr breit gefächert“, sagt der PI-Leiter. Dennoch sei der Bereich sehr sicher für seine Bewohner. Sorge machen ihm eher die Nachrichten aus dem Wirtschaftsteil.
Immerhin gab es 2024 auch die Lösung eines „Cold Case“: Nach zehn Jahren und rund 250 zerkratzten Autos auf Wanderparkplätzen rund um Lam (der Gesamtschaden ging in den mittleren sechsstelligen Bereich), wurde der Täter ermittelt, und das mit erheblichem Aufwand. Letztlich wurde sogar eine eigene Einheit aus Observierungs-Profis in den Markt beordert, um diesen lange ungelösten Fall endlich zu den Akten legen zu können.
Beamte bekommen Frust ab
Doch auch, dass die Zahl der tätlichen Angriffe auf seine Kollegen von 15 Fällen im Vorjahr auf zehn gesunken sei (wobei ein Beamter zwei Monate ausfiel), könne nicht darüber hinwegtäuschen, dass 2025 ein forderndes Jahr werden könnte. Denn nicht nur im Budget für die Polizei und den sinkenden Steuer-Einnahmen des Staates mache sich die kriselnde Wirtschaft bemerkbar. Gleichzeitig steige der Druck auf einzelne Bürger, wenn sie finanziell in Bedrängnis gerieten. Dazu noch die seit Jahren auch in Berlin ungelösten Probleme bis hin zur oft unmöglichen Abschiebung von straffällig gewordenen Asylbewerbern – das trage immer mehr dazu bei, dass die Sicherheitslage zwar sehr gut sei, die gefühlte Sicherheit durch Angst und Hass aber abnehme.
Mit Entscheidungen dieses Jahres, wie etwa der Cannabis-Legalisierung – wobei auch Alkoholfahrten wieder zunähmen im Bereich – sei die Arbeit der Beamten im vergangenen Jahr schon nicht einfacher geworden, sagt Christian Pongratz. „Wenn die Menschen mit dem Staat unzufrieden sind, dann sind wir als Polizisten oft diejenigen, gegen die sich der Ärger richtet“, sagt er. Und: „In der aktuellen wirtschaftlichen Lage hat eine Neiddebatte eingesetzt, die linke und rechte Ränder gestärkt hat.“
Wenn er auf 2024 zurückblicke, dann seien ihm die Bauern-Proteste im Januar in sehr guter Erinnerung geblieben: „Respekt, das war wirklich alles gut organisiert“, sagt er. Aber auch wenn 95 Prozent der Besucher beim Pfingst-Volksfest äußerst vernünftig gewesen seien, habe die PI zwei Drittel mehr an Einsätzen als im Vorjahr absolvieren müssen. Bei den angezeigten Vorfällen aus dem rechtsextremen Spektrum, die im Umfeld des Festes angezeigt worden waren, seien übrigens letztlich keine Ergebnisse erzielt worden. Ähnliches gelte darüber hinaus auch für die Hakenkreuz-Schmierereien am Ludwigsberg und an der Magdalenen-Kapelle im Stadtgebiet.
Mehr Augenmerk auf Handys
Mit Blick auf den ersten Verkehrstoten in diesem Jahr am 2. Januar, bei dem ein Mann ums Leben kam, weil er während der Autofahrt eine Nachricht auf dem Handy getippt hatte, habe die Polizeiinspektion Bad Kötzting ein Konzept erarbeitet, durch das Autofahrer noch besser überprüft und auf die möglichen Folgen, wenn sie ihren Blick von der Fahrbahn lenken, hingewiesen werden sollen. Ein Anliegen sei ihm auch weiter die Schulung von älteren Menschen hinsichtlich von „Enkel-Trick“ und Co., und dass es pro Woche rund drei Fälle von Betrug im Internet gibt – wobei die Dunkelziffer wesentlich höher sein dürfte –, das sei schon „Normalität“ geworden.
Seine Kollegen und er seien in ihrer Arbeit „relativ fremdbestimmt“, sagt Christian Pongratz. Worauf sich die Bürger aber auch 2025 werden verlassen können sei: „Wir sind ein 24-Stunden-Service, der zwar nicht für alles zuständig ist, aber wir helfen immer gerne weiter.“