Familie, Freude, Frust und Großprojekte: Rodings Bürgermeisterin Riedl blickt vor und zurück

Von Oliver Hausladen · 24. Dezember 2024 um 05:00

Von „staader Zeit“ war vor Weihnachten wenig zu spüren bei Bürgermeisterin Alexandra Riedl: Viele Termine, Stadtratssitzung, Gespräche im Hinblick auf anstehende Großprojekte und mehr sorgten für einen vollen Kalender. „Aber ich mach‘ es ja gerne“, sagt die Rathaus-Chefin mit einem Schmunzeln beim Rückblick auf ein ereignisreiches Jahr und der Vorschau auf ein höchstwahrscheinlich nicht weniger spannendes 2025.

An eine ruhige Vorweihnachtszeit ist als Bürgermeisterin wohl kaum zu denken...?

Nein, gefühlt sind jedes Wochenende und an vielen Abenden Veranstaltungen. Aber es sind auch viele schöne Termine und ich möchte bei den Menschen sein. In den Wochen vor Weihnachten kommt immer viel zusammen, jetzt freue ich mich dann auf eine Woche lang nur Lego spielen mit Theo. Wenn er denn mit mir spielen will (lacht).

Als Bürgermeisterin ein Kind zu bekommen, ist immer noch selten. Hat es sich gut eingespielt?

Ja, auf jeden Fall. Theo ist sehr gerne bei seinem Vater und den beiden Großeltern-Paaren, so dass das gut funktioniert. Bei einigen Terminen kann ich ihn auch mitnehmen, Blasmusik etwa mag er sehr gerne. Es ist sicher nicht der Weg, den jede Mutter gehen will, aber ich finde schon, dass es ein Beispiel sein kann, dass man sich nicht zwischen einem Beruf wie Bürgermeisterin und Kind entscheiden muss, sondern beides geht. Vieles ist eine Sache der Organisation.

Bürgerentscheid zu Wald-Abholzung

Zu organisieren gibt es auch im Rathaus viel, zumal die Rodinger im kommenden Jahr vielleicht zwei Mal wählen können. Neben den vorgezogenen Bundestagswahlen könnte ein Bürgerentscheid gegen die geplante Abholzung des Waldes zur Erweiterung des Industriegebiets Oberkreith anstehen.

Wir haben im Stadtrat alles auf den Weg gebracht, damit der Bürgerentscheid korrekt und rechtzeitig stattfinden kann. Es ist mir sehr wichtig, dass wir in dieser Sache keinen Fehler machen. Ich bin auch keinesfalls böse oder verärgert, weil es diese Initiative gibt. Es ist das gutes Recht der Bürger, sich einzubringen. Wir als Stadt beurteilen die Sachlage anders, deshalb auch das Ratsbegehren. Für uns ist es sehr wichtig, dass wir die Firmen vor Ort in Roding halten. Wenn sie bei uns nicht expandieren oder Wohnraum für ihre Mitarbeiter schaffen können, an anderen Standorten aber schon, könnte das Konsequenzen haben, die wir nicht haben wollen.

Noch ist aber nicht sicher, ob es zu einem Bürgerentscheid kommt. Es wäre der erste in Roding seit der Befragung über ein Ganzjahresbad, Die Befragung der Fachstellen läuft.

Es war uns als Stadt wichtig, grundsätzlich vorher abzuklären, ob die Planungen für die Erweiterung überhaupt genehmigungsfähig wären oder ob es unüberbrückbare Hindernisse gäbe. Dann wäre der Bürgerentscheid obsolet. In der Januar-Sitzung des Stadtrates wissen wir dazu mehr.

Das Loch bleibt erst mal

Wohl noch länger beschäftigen wird Roding das große Loch in der Ortsmitte, nachdem die Raiffeisenbank das Brantl-Areal erst bebauen will, wenn sich das Marktumfeld gebessert hat.

Das ist aus unserer Sicht sehr schade. Wir als Stadt haben Baurecht geschaffen und würden uns wünschen, dass schnell etwas passiert und das Loch endlich verschwindet. Aber mehr können wir als Kommune nicht tun, wir müssen nun warten.

Mit Frust umgehen zu können, gehört wohl auch zum Berufsbild als Bürgermeisterin.

Natürlich. Es ist sehr schade, wenn trotz aller Bemühungen nichts vorangeht oder sich etwas immer wieder verschiebt. Auch bei einer möglichen Edeka-Ansiedlung an der Kagerstraße haben wir unzählige Gespräche geführt, der Konzern hat sehr großes Interesse, aber am Ende stand trotz aller Argumente die Entscheidung der Regierung der Oberpfalz und des Ministeriums, großflächigen Einzelhandel außerhalb der Innenstadt nicht zuzulassen. Wichtig ist aber meiner Meinung nach dranzubleiben, auch wenn es immer wieder Rückschläge gibt.

An der Kagerstraße tut sich trotzdem etwas, die Erschließungsstraße für die McDonalds-Filiale wird gerade gebaut.

Ja, die Vorarbeiten laufen. Auch Mömax hat zugesagt, so schnell wie möglich mit dem Bau anzufangen. Ich finde es wichtig, den Bürgern vor Ort diese Möglichkeiten zu geben. Weder Fast Food noch ein Möbelgeschäft gibt es bisher in Roding, die Bürger müssen künftig nicht mehr in andere Städte fahren, wenn sie diese Angebote nutzen wollen.

Großprojekt Grundschule

Es gibt auch weitere gute Neuigkeiten, etwa dass für eine neue Grundschule ein passendes Areal an der Johann-Vaillant-Straße im Südosten der Stadt gefunden wurde.

Wir sind sehr froh, dass wir endlich starten können. Wir brauchen die neue Grundschule dringend, ebenso den Kindergarten und die Sporthalle, die auf dem Areal entstehen werden. Das wird auch eine große Erleichterung für die Vereine vor Ort sein. Natürlich ist das aber auch ein riesiges Projekt, das den Haushalt in den kommenden Jahren prägen wird.

Beim Thema Haushalt könnte es auch Veränderungen bei den Zuschüssen geben, nachdem eine neue Bundesregierung gewählt ist.

Das müssen wir abwarten. Wichtig wird sein, weiter gute Kontakte zu pflegen. Wir als Kommune würden uns wünschen, dass die Förderlandschaft etwas einfacher strukturiert würde und nicht mehr für alle möglichen Projekte neue Programme aufgelegt werden, für die man sich bewerben und viele Regeln beachten muss.

Blick auf die nächste Kommunalwahl

Auch wenn es manchmal Frust gibt: Macht der Job Spaß? Und würden Sie ihn gerne weitermachen? Die Zeit bis zur nächsten Kommunalwahl am 8. März 2026 ist nicht mehr so lange.

Es macht mir sehr viel Spaß, auch das Klima im Stadtrat und in den Ausschüssen ist fraktionsübergreifend sehr gut. Ich würde sehr gerne weitermachen, das entscheidet aber am Ende natürlich der Wähler.

Über die Kandidatur entscheiden Sie aber selbst.

Das schon, dann würde ich mich auch sehr freuen, wenn mir die Rodinger wieder das Vertrauen schenken würden.