Brantl-Areal in Roding: Raiffeisenbank will erst investieren, wenn sich Marktumfeld für einen Bau gelichtet hat

Von Christoph Klöckner · 15. Dezember 2024 um 19:00

Dass das Loch in der Mitte Rodings auch 2025 Bestand haben wird, ist wohl vorhersehbar. Denn die Bauwirtschaft im Landkreis Cham erwartet auch im kommenden Jahr wenig Aufhellung, wie jetzt der Chef der Bauinnung im Landratsamt erläuterte: Bauen bleibt teuer. Somit wird auch die Raiffeisenbank nicht bauen, die auf ein verbessertes Marktumfeld wartet.

Zwar liegt der Ball jetzt im Feld der Investoren, wie es Bürgermeisterin Alexandra Riedl nach der Abstimmung zum jüngsten Bebauungsplan bekanntgab. Trotz negativer Stellungnahmen aus der Nachbarschaft war der Plan mit Stadtratsmehrheit durchgewunken. Und auch der von der Stadt beauftragte Städteplaner hatte sein Plazet gegeben, so dass einem Bau zumindest weniger im Wege steht als bei den ersten Planungen.

Kein Zeitplan für Baustart

Doch die Raiffeisenbank hat auf Nachfrage eher eine abwartende Haltung zu einem möglichen Baustart eingenommen. So hat jetzt der Vorstandsvorsitzende der Raiffeisenbank auf die Frage, ob nun 2025 das Grundstück der ehemaligen Brauerei Brantl bebaut werde, geantwortet, dass eine Umsetzung des geplanten Vorhabens nach wie vor angestrebt werde, so Reinhard Paulus: „Die ursprünglich Planung sah eine Fertigstellung bis Ende 2022 vor.“

Und weiter: „Aktuell lassen die Rahmenbedingungen und das Marktumfeld die Umsetzung eines Projektes dieser Größenordnung nicht zu. Ob sich dies in 2025 wesentlich ändert, bleibt abzuwarten!“, so der Diplom-Bankbetriebswirt. Und fügt noch etwas an, was auf die Geschichte die einst als „Filetstück“ eingeordnete Immobilie hinweist: „Wir geben daher diesbezüglich keine Einschätzung mehr ab!“

Stillstand seit 2020

Das klingt nach der bekannten Volksweisheit „Gebranntes Kind scheut das Feuer“ – und so ist es wohl auch bei den Investoren. Die haben schon viel Zeit und Geld ausgegeben, um das 2019 gekaufte Areal mit Mehrfamilienhäusern zu bebauen. Ziel für die Raiffeisenbank ist und bleibt eine Wohnnutzung des Geländes, das für die Bank auch ökonomisch tragbar ist. Ein erster Bebauungsplanung der Stadt war am Widerstand der Regierung und auch an nachbarklagen gescheitert.

Städtebaulich könne das so wie geplant nicht umgesetzt werden, zumal ein Teil des Geländes im Altstadtbereich liegt, hieß es damals aus der Regierung. Es sei angeraten, ein Städteplanungsbüro mit an den Tisch zu holen, um nicht eventuelle Stadtbaufördermittel zu gefährden.

Dem Rat war die Stadt gefolgt und hatte den Städtebauplaner SHL engagiert, den vorher die Raiffeisenbank in der Sache entlassen hatte, da er aus Sicht der Bank zu keinem wirklichen Ergebnis kam und Terminabsprachen nicht einhielt. Im Hin und Her um die Planungen gab es lange keine Einigung. Der Stadtplaner verkleinerte die geplanten Wohnheiten, schlug zudem doppelte Tiefgaragen vor, um den Verkehr aus dem Bereich zu verbannen. Vorschläge, die die Bank aus wirtschaftlichen Gründen ablehnte.

Das Ganze gipfelte in einer Pressekonferenz der Vorstände der Bank, bei der der Sachstand offen erläutert und große Enttäuschung über die Stadt geäußert wurde. Die betonte zwar, wie auch die Raiffeisenbank, sie wolle dort möglich bald einen Bau, sah sich aber gezwungen, Regierung und Städtebauplaner zu folgen. Bis nun im Oktober dieses Jahres die Aufstellung des Bebauungsplans vom Stadtrat bei vier Gegenstimmen genehmigt wurde.

Die Stadt hoffe, dass der Investor nun bald mit der Bebauung starte und das große Loch mitten in der Innenstadt endlich verschwindet, sagte Bürgermeisterin Riedl. Zuletzt hatte die Raiffeisenbank selbst wieder die Planungen übernommen. Um seine nach ökonomischen Gesichtspunkten orientierten Wünsche zu verwirklichen ohne städtebaulich anzuecken, seien in der neuen Planung zahlreiche Änderungen vorgenommen worden, hieß es in der Sitzung.

Widersprüche von vier Nachbarn zudem Vorhaben gibt es trotzdem. Aus Sicht der Fachstellen und der Bauverwaltung der Stadt gebe es nun keinen Grund mehr, den Plänen nicht zuzustimmen, sagte Riedl in der Oktobersitzung. Auch Städtebauplaner Dr. Emil Lehner habe zugestimmt. Herausgekommen sei ein Kompromiss. „Wichtig ist, dass das Loch endlich verschwindet“, so die Rathaus-Chefin.

Rückblick

Dort, wo früher Bier gebraut,

Bierkisten verladen und Kunden Getränke abholten, ist seit 2020 ein großes Loch. Nach dem Kauf der 3400 Quadratmeter an der Regensburger Straße durch die Raiffeisenbank Chamer Land ist die Brauerei Brantl abgerissen worden. Geplant war Wohnbebauung samt Tiefgarage entstehen. Geblieben ist bislang das Loch.

Der erste Entwurf – hier als Modell – fiel durch. Foto: Archiv/bs