Regensburger Kaufhof ist verkauft: In Freude über den Überraschungs-Deal mischen sich Zweifel

Von Philip Hell · 22. Dezember 2024 um 05:00

Die Nachricht verbreitete sich vor dem Wochenende wie ein Lauffeuer: Das ehemalige Kaufhof-Gebäude am Regensburger Neupfarrplatz hat einen neuen Besitzer.

Die Immobilie gehört nun einer Gruppe internationaler Investoren, teilte die Kaufhof Regensburg GmbH der MZ auf Anfrage mit. Die genauen Pläne sind noch unklar. Die Investoren sprechen von „urbaner Nutzung“ und „kulturellen Bedürfnissen“ der Stadt. In die Freude mischen sich allerdings auch manche Zweifel.

Maria Müller ist Geschäftsführerin des Vereins Faszination Altstadt. Sie freue sich, dass in die Entwicklung des ehemaligen Kaufhof-Gebäudes Bewegung komme. „Sollte die angekündigte Misch-Nutzung im angestrebten Zeitraum 2026 kommen, wäre es echtes Weihnachtsgeschenk an die Regensburger Altstadt.“ Dennoch betont sie: „Ein gewisses Misstrauen bleibt.“ Sie sei gespannt, wie offen sich die neue Investorengruppe gegenüber der Stadt positioniert.

Regensburger Kaufhof hat neue Besitzer: Stärkung für Wirtschaft

Stadt-Sprecherin Juliane von Roenne-Styra sprach am Freitag davon, dass die Verwaltung erst kürzlich und ohne vorherige Ankündigung vom beurkundenden Notariat erfahren hat. Zu näheren Details schweige die Stadt aus Gründen der Vertraulichkeit und des Datenschutzes.

Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer hatte am Freitag auf MZ-Anfrage erneut betont, die Immobilie gemeinsam mit den neuen Ansprechpartnern im Interesse der Altstadt weiterentwickeln zu wollen. Dazu stünden die Türen der Stadt für die neuen Eigentümer stets offen, wenn es um einen vertrauensvollen und konstruktiven Austausch geht.

Neuer Besitzer für Regensburger Kaufhof soll zur Attraktivität der Altstadt beitragen

Dagmar Schmidl, stellvertretende CSU-Fraktionsvorsitzende im Regensburger Stadtrat, spricht von einem erfreulichen Schritt, „dass nun im Herzen von Regensburg, wenn auch erst 2026, neues Leben einziehen wird.“ Auf die Nutzungsarten im Detail sei sie noch gespannt, aber: „Die Revitalisierung trägt sicher nicht nur zur Attraktivität unserer Altstadt bei, sondern stärkt auch die lokale Wirtschaft und schafft wertvolle Arbeitsplätze.“

In eine ähnliche Kerbe schlägt der Regensburger IHK-Chef Jürgen Helmes: „Wir Regensburger wissen, wie attraktiv unsere Stadt ist und das wird uns nun von einem externen Investor bestätigt.“ Bei dem Deal handle es sich um ein wichtiges Signal für Händler und Gewerbetreibende in der Innenstadt. Helmes weiter: „Wir glauben, dass mit einer multifunktionalen Nutzung eine gute Chance besteht, dass der Neupfarrplatz wieder seine zentrale Funktion als belebter Kern der Altstadt einnimmt.“

Neue Impulse für Altstadt

SPD-Fraktionschef Thomas Burger betont indes, dass die Stadt mit dem Verkauf nun endlich wieder einen aktiven Gesprächspartner habe, der neue Impulse in die Innenstadt geben will. „Die jetzige mehr als ungute Situation mit einem Gegenüber, das lediglich notgedrungen eine Immobilie zu verwalten scheint, ist jetzt hoffentlich endlich vorbei.“ Nach eigenen Angaben hätten die neuen Investoren bereits „wirtschaftlich tragfähige Vorstellungen im Kopf“. Zudem hätten sie kulturelle Aspekte, was er sehr begrüße, so Burger. Er freue sich auf die Zusammenarbeit zwischen den neuen Eigentümern und der Stadt, so der SPD-Fraktionschef weiter.

Florian Rottke betreibt einen Kiosk unmittelbar neben dem Kaufhof und sitzt für die Brücke im Stadtrat. Ihn freue es sehr, dass Bewegung in die Angelegenheit kommt, betont aber auch: „Solange man nichts Konkreteres weiss, halte ich Skepsis für angemessen.“ Er sei nach wie vor der Ansicht, dass der Neupfarrplatz insgesamt gestärkt werden müssen. „Zum Beispiel mit einem dauerhaften Markt, eigenen Veranstaltungen und einer festen Einbindung in die städtischen Feste.

Auch Rottkes Stadtrats-Kollege Daniel Gaittet (Grüne) hofft, dass durch den Verkauf nun endlich etwas vorangeht. Der Co-Fraktionschef sagt aber auch: „Wichtiger als der Eigentümer ist mir die Nutzung.“ Es müsse weiter darum gehen, den Leerstand möglichst kurz zu halten, betont Gaittet und bringt eine neue Idee ins Spiel: „Hier würde ich auch an Zwischennutzungen denken.“ Wenn das Leben in die Altstadt bringe, sei das eindeutig gut für die Stadt. „Im Moment bleiben viele Fragen offen. Klatschen werde ich erst, wenn wirklich was passiert.“