Paukenschlag in Regensburg: Kaufhof wurde verkauft – Mega-Leerstand soll sich mit Leben füllen

Überraschung kurz vor Weihnachten: Der Regensburger Kaufhof hat den Besitzer gewechselt – und soll wiedereröffnen. Das teilte die „Kaufhof Regensburg GmbH“ auf MZ-Anfrage mit. Zuvor hatte die Immobilienzeitung berichtet. Das sind die Hintergründe.
In der Mitteilung heißt es wörtlich: „Am Ende von vertraulichen Gesprächen zwischen der Stadt Regensburg und den bisherigen Eigentümern steht nun der Verkauf.“ Das Gebäude werde nun von einem „Multi Family Office“ für eine internationale Investorengruppe übernommen. Die Übernahme markiere den Beginn eines neuen Kapitels. Die neuen Eigentümer planen laut Pressemitteilung, das Gebäude auf die kulturellen Bedürfnisse der Stadt Regensburg auszurichten und einer urbanen Nutzung mit weiteren Nutzungsarten zuzuführen. In dem Schreiben wird Rami Haddad zitiert, er soll Sprecher der Investorengruppe sein. „Unser Ziel ist es neue Impulse in der Regensburger Altstadt zu setzen. Ein wirtschaftlich tragfähiges Nutzungskonzept, das sich an der bestehenden Baugenehmigung ausrichtet, wurde entwickelt.“ Mit einem Wiederbetrieb des Gebäudes sei frühestens ab Anfang 2026 zu rechnen.
Kaufhof in Regensburg verkauft: Stadt ist gesprächsbereit
Stadtsprecherin Juliane von Roenne-Styra bestätigt den Verkauf am Freitagmorgen auf MZ-Anfrage. „Der Stadt Regensburg wurde ein Verkauf des Galeria Kaufhof Gebäudes erst kürzlich – ohne vorherige Ankündigungen – formell seitens des beurkundenden Notariats angezeigt.“ Aus Gründen der Vertraulichkeit und des Datenschutzes werde die Stadt dazu keine näheren Auskünfte erteilen, betont von Roenne-Styra. Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer bekräftigt auf Anfrage die Haltung der Stadt, die Immobilie am Neupfarrplatz auch gemeinsam mit neuen Ansprechpartnern im Interesse der Altstadt weiterentwickeln zu wollen. Sprecherin von Roenne-Styra schreibt weiter: „Die Stadt ist sich bewusst, dass eine nachhaltige Entwicklung der Immobilie einen langen Atem und auch viele private Anstrengungen erfordert. Die Türen der Stadt Regensburg stehen den Eigentümern für einen vertrauensvollen und konstruktiven Austausch hierüber jederzeit offen.“
Die Struktur hinter den Kaufhof-GmbHs ist undurchsichtig. Sicher ist, dass bereits zu Horten-Zeiten die Gebäude in eigenen Gesellschaften geführt wurden. Der Vorteil des Modells lag auf der Hand: Die Kaufhaus-Betreibergesellschaft – also zunächst Kaufhof, dann Galeria Karstadt Kaufhof – musste an eine GmbH Miete zahlen. Unterschiedliche Mietzinsen wurden kolportiert, gesichert ist, die Miete für das Gebäude lag weit über einer Million Euro, soll sogar an die zwei Millionen herangereicht haben. Auch das sei übrigens ein Grund dafür gewesen, dass der Betrieb des Kaufhauses nicht mehr rentabel war. Als Rene Benko die Warenhauskette übernahm, so viel ist bekannt, wurde ein erheblicher Teil der Immobilien in Bestlage verkauft. Bei einem Deal im April 2020, bei dem bis zu 17 dieser Kaufhäuser den Eigentümer wechselten, soll auch das Regensburger Gebäude mit dabei gewesen sein. Der Immobilien-Fonds, der damals zugeschlagen hat, war Apollo, mit Sitz in der US-Steueroase Delaware, die europäische Tochterfirma sitzt auf den Cayman Islands. Weiterhin firmierte der Kaufhof – bis heute – unter der Kaufhof Regensburg GmbH.
Kaufhof in Regensburg ist verkauft: Es ist unklar, wem die Immobilie gehört
Gegenüber der Stadt trat stets ein Frankfurter Vermögensverwalter auf. Auf Anfrage dieser Zeitung antwortete er nie. Das Gesellschaftsrecht ermöglicht es, in einem Geflecht aus GmbHs und Geschäftsführern zu vernebeln, wer der Eigentümer einer Immobilie ist. Auch das Transparenzregister ist kaum aussagekräftig: Stand dort bis 2020 noch Ingeborg Benko, die Mutter des gestrauchelten Investors, als wirtschaftlich Begünstigte, wird in einem aktuellen Auszug nur noch der Geschäftsführer genannt, der nicht mehr im Amt ist. Auffällig angesichts des Verkaufs: Die Gesellschaft warf im Jahr etwa 1,5 Millionen Euro Gewinn ab, also die Miete, die GKK zahlen musste. Doch beim Eigenkapital geschah etwas Seltsames: Bis zum Verkauf 2020 belief sich dieses auf etwa 15 Millionen Euro und die Eigenkapitalquote lag um die 36 Prozent. Beim Verkauf floss dieser Millionenwert ab, die Quote sank unter ein Prozent und auf 25 000 Euro. Eine Anfrage bei der Staatsanwaltschaft Essen, dem Sitz von GKK, ob es Schiebereien bei den Verkäufen gab und Immobilienwerte faktisch finanziell ausgehöhlt wurden, damit beide einen Reibach machten - Benko und die Immobilienfonds - verlief ins Leere.
Kaufhof in Regensburg: Es bleiben Unsicherheiten
Auch bei der Kaufhof Regensburg GmbH in Leverkusen gab es einen Wechsel: Seit Februar firmiert Kerstin Pütz als Geschäftsführerin. Auf Anfrage antwortet sie nicht. Der Sitz der GmbH ist in einem Gebäude, in dem mehr als 20 Briefkastenfirmen untergebracht sind. Bei einem Anruf im Büro des Hausverwalters wird zwar bestätigt, dass dort der Sitz der Kaufhof Regensburg-Gesellschaft ist, eine Rückruf-Bitte bleibt erfolglos.
Beim aktuellen Deal ist vieles ungewiss. In der Mitteilung ist von einem „Multy Family Office“ die Rede. Das kann alles sein. Denkbar ist, dass eine vermögende Person das Gebäude gekauft hat und nun durch Vermögensverwalter betreuen lässt. Wahrscheinlicher ist, dass die Immobilie erneut in einem Finanzkonstrukt gelandet ist und man nur die Verwaltungsstruktur anpasst. Denn klar ist, dass man bei der künftigen Vermietung wohl eher wie ein Center-Management agieren muss. Schließlich soll die Nutzung den „veränderten kulturellen Bedürfnisse der Stadt Regensburg“ angepasst werden.