Benko und der große Bluff: Wieso Regensburgs Filet-Immobilie seiner Mutter gehörte

Von Christian Eckl · 30. Oktober 2024 um 12:44

Ausgerechnet die Mutter des österreichischen „Wunderwuzzis“, Ingeborg Benko, hinterlässt im Herzen Regensburgs die größte Handelsbrache der Nachkriegszeit. Vorangegangen ist ein Verkauf, die Immobilie gehört wohl nun einem Fonds mit Sitz auf den Cayman Islands. In einem neuen Buch mit dem Titel „Inside Signa“ zerfieseln derweil zwei österreichische Journalisten das Geschäftsgebaren Benkos.

Etwa 1000 Gesellschaften umfasst das zusammengebrochene Imperium des österreichischen „Wunderwuzzis“ René Benko. 500 davon sind in Österreich. Derzeit versucht auch der österreichische Staat, aus der Insolvenzmasse zu retten, was zu retten ist. Doch eine geschickte Konstruktion von Firmengeflecht und Stiftungen rückt derzeit eine enge Verwandte Benkos in den Fokus, die zumindest zeitweise zu den Großimmobilien-Besitzern in der Oberpfalz gehörte: Benkos Mutter Ingeborg.

Sie ist Stiftungsrätin von zwei Liechtensteiner Stiftungen, eine davon heißt Ingbe, eine offensichtliche Abkürzung für den Namen der Österreicherin. Die Stiftungen sind rechtlich vom zusammengebrochenen Signa-Imperium ihres Sohnes getrennt. Erst kürzlich versuchte der Insolvenzverwalter, Zugriff auf die Stiftungen zu erlangen – vergebens.

Benko-Mutter draußen

Ingeborg Benko hatte zumindest zeitweise enge Verbindungen in die Oberpfalz. Ihr gehörte die mit 12 000 Quadratmetern größte Handelsfläche im Herzen der Welterbestadt Regensburg im heute leer stehenden Kaufhof-Gebäude am Neupfarrplatz. Zumindest geht das aus dem Transparenzregister-Auszug hervor, der der Mediengruppe Bayern vorliegt.

Demnach ist das Gebäude bis heute im Eigentum der Kaufhof Regensburg GmbH mit Sitz in Leverkusen. Die dortige Geschäftsführerin agierte über weitere GmbHs zumindest zeitweise auch bei weiteren Kaufhof-Immobilien. Wer allerdings dahinter steht, ist nach wie vor unklar. Laut Transparenzregister beherrschte Ingeborg Benko lediglich bis Juli 2020 die Kaufhof Regensburg GmbH.

Benkos Unternehmen Signa Prime hatte bei der Übernahme von Kaufhof einst 131 Warenhaus-Immobilien übernommen, zumeist in Bestlagen in deutschen Groß- und Mittelstädten. Immer wieder wurde bekannt, dass er ganze Immobilien-Pakete zu Geld machte. Offiziell äußerten sich weder Käufer noch Verkäufer zu den Deals, die mehrere hundert Millionen Euro Volumen hatten. Bekannt wurden sie zumeist durch Kartellamt-Veröffentlichungen. Zwei Käufer traten dabei kurzzeitig in Erscheinung: Der US-amerikanische Fonds Apollo Global soll im April 2020 insgesamt 17 der Kaufhof-Warenhäuser gekauft haben. Dafür habe der Fonds mit Sitz auf den Cayman Islands 700 Millionen Euro geboten. Anderen Berichten zufolge sollen es 21 Immobilien gewesen sein. Anfragen der Mediengruppe Bayern in Übersee beantwortete man nicht, lediglich Empfangsbestätigungen wurden übermittelt.

Die zweite Investorengruppe, die Immobilien aus dem Kaufhof-Deal heraus kaufte, ist die RFR Holding, die auf die beiden deutschstämmigen Investoren Aby Rosen und Michael Fuchs zurückgeht. Hier kam eine Antwort auf die Frage, ob man auch den Regensburger Kaufhof erworben hat: „Die RFR ist nicht Eigentümer der Liegenschaft“, heiß es.

Zwischenzeitlich gibt es im österreichischen Journalismus den Versuch, das Kartenhaus Benkos und wie es zusammenbrechen konnte zu rekonstruieren. „Inside Signa“ heißt ein jetzt erschienenes Buch der beiden Journalisten Rainer Fleckl und Sebastian Reinhart. Beide haben Benkos Aufstieg und Fall bereits journalistisch im Magazin „News“ begleitet. Schon die erste Szene charakterisiert Benkos Art des Spiegelfechtens: Auf einem Fest in Sirmione am Gardasee prahlt er vor Investoren, lädt den Sänger Xavier Naidoo für 280.000 Euro (laut Recherchen im Buch) ein und rechnet die Gesamtkosten über eine „Signa Communications“ ab. Das Buch wird dann auch zum Sittengemälde der Alpenrepublik inklusive Einblick in die Gehaltsstruktur des ehemaligen Benko-Beraters und Bundeskanzlers Alfred Gusenbauer, ein Sozialdemokrat übrigens. Im Buch heißt es dann auch: „Eben hier, beim deutschen Handelskonzern (Galeria Karstadt Kaufhof), finden sich spannende Spuren von Gusenbauers Wirken für Benko.“

Dabei treffe Benkos Scheitern bei Galeria Karstadt Kaufhof „vor allem die Steuerzahler. Diese sind in Deutschland wie in Österreich Hauptgläubiger der Insolvenz“.

Verstrickungen in Politik

Dass aus diesem Sittenbild österreichischen Filzes am Ende auch ein Premium-Standort wie Regensburg durch den Immobilien-Verkauf massiv beschädigt wurde, hatte ja niemand ahnen können. Zumindest hat die Stadt Regensburg jetzt gehandelt und bei der Kaufhof Regensburg GmbH nachgefragt, ob man nicht die Schaufenster hübsch im Advent dekorieren dürfte.