Neue Nutzung für Regensburger Kaufhof: Stadt und Eigentümer ringen hinter den Kulissen
Dem Umfeld des leeren Kaufhofs im Regensburger Welterbe geht es überraschend gut: Drei Geschäfte eröffnen neu. Die Stadt verhandelt mit dem Eigentümer über die Zukunft des 70er-Jahre-Kolosses. Das Eiscafé bleibt und Weihnachts-Schaufenster kommen.
Trotz des grauen Herbstwetters flanieren am Samstag Tausende in der Altstadt. In der Fußgängerzone rund um die Schwarze-Bären-Straße geht es besonders geschäftig zu. Bei der Wurstbraterei Reisinger am Neupfarrplatz reihen sich die Menschen geduldig in die Warteschlange ein oder schauen sich an den Marktständen um.
Im Freisitz des Eiscafés Center Italia nippen Genießer am Cappuccino. Eigentlich gibt es zum Umfeld der vor zwei Monaten geschlossenen Galeria Kaufhof nur gute Nachrichten.
Drei Neueröffnungen in der Regensburger Altstadt
Direkt neben dem 70er-Jahre-Koloss in der Pfauengasse hat sich mit dem Laden „Fame“ Ende September skandinavische Mode etabliert und ein langwieriger Leerstand gefüllt. An der Ecke Pfauengasse/Domplatz hat am Samstag Beatnuts mit Streetwear und Skateboards eröffnet. Junge Kunden sehen sich dort um. Storemanager Anton Schuller kassiert gerade. Beatnuts lag vorher nur rund 100 Meter vom neuen Laden entfernt. Schuller setzt trotz der verlassenen Galeria weiterhin auf diese Lage. Es ist also ein Umzug, die Kirche als Eigentümerin will die früheren Räume am Domplatz beleben. Mitte November wird gegenüber dem Kaufhof der Edeka-Markt aufsperren. Enzo Perrupato vom Eiscafé Center Italia hat sich entschlossen, trotz Galeria-Aus zu bleiben. „Der Standort ist ideal“, sagt er.
Es sieht also gut aus rund um das ehemalige Kaufhaus. Aber wird das so bleiben? Die kahlen Schaufensterfronten strahlen Tristesse aus. 20.000 Quadratmeter in bester Innenstadtlage sollten nicht jahrelang leerstehen. Auch Nürnberg, Ingolstadt und Augsburg haben ihre Kaufhäuser verloren, doch sie lassen sich etwas einfallen. Nürnberg und Ingolstadt haben heuer die Galeria-Immobilien gekauft. In der Frankenmetropole werden nach den Plänen der Stadt Anfang 2025 Gastronomie, Pop-up-Geschäfte und Studierende ziehen. Ein Sonderstab und eine Machbarkeitsstudie werden laut OB Marcus König (CSU) herausfinden, wie eine Dauernutzung aussehen könnte. Bürgerwünsche sollen einfließen. In Augsburg bleibt Aldi im Gebäude. Mit weiteren Geschäften verhandelt man.
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Ingolstadt, wo das Haus seit vier Jahren verwaist ist, strebt eine Mischnutzung aus Handel, Gastronomie, Dienstleistung und Wohnen an. OB Christian Scharpf (SPD) freut sich, dass die Kommune die Zukunft der Schlüsselimmobilie selbst gestalten und für eine spürbare Belebung der Innenstadt sorgen kann. Zunächst werden Zwischennutzungen kommen, zugleich arbeiten Stadtentwicklung und Externe ein Zukunftskonzept aus.
Und Regensburg? Für die Stadtspitze kommt ein Kauf nicht infrage. Einen jahrelangen Leerstand will sie vermeiden, „indem wir die Eigentümer der Immobilie bestmöglich dabei unterstützen und begleiten, baldmöglichst ein zukunftsfähiges, nachhaltiges Nutzungskonzept zu entwickeln“. Gleichzeitig bemüht sich die Kommune, das Umfeld durch Einzelmaßnahmen zu beleben und einem möglichen Abwärtstrend entgegenzuwirken. In der Stadtverwaltung hat sich vor eineinhalb Jahren eine ämterübergreifende Arbeitsgruppe gegründet. Sie begleite das Kaufhof-Thema intensiv und tausche sich laufend mit dem Eigentümer aus, betont Sprecherin Juliane von Roenne-Styra.
Leerer Kaufhof in Regensburg: Verschiedene Vorschläge
Eine Machbarkeitsstudie aber liege im Verantwortungsbereich des Eigentümers, da das daraus abzuleitende Nutzungskonzept nur dann umgesetzt werden kann, wenn auch der Zugriff auf die Immobilie gegeben sei. Ähnlich sei es mit einer Bürgerbefragung.
Zumindest die Schaufenster aber werden sich in der Weihnachtszeit in einen Blickfang verwandeln. Eine Gestaltung soll in engem Austausch mit dem Eigentümer erreicht werden. Ideen der Regensburger für den 70er-Jahre-Bau gibt es zuhauf. Beatnuts-Chef Anton Schuller wünscht sich eine Markthalle und oben eine Kita. Enzo Perrupato favorisiert ein Mode-Outlet. Auch dass Ikea nach wie vor „grundsätzlich neugierig ist“, weckt Hoffnungen.
Eine Abwärtsspirale verhindern
Herausforderung: Die Industrie- und Handelskammer Regensburg für Oberpfalz / Kelheim betrachtet den Leerstand als große Herausforderung für die Stadtplanung. Die lange Zeit gültige Gleichung „Innenstadt = Einkaufen“ gehe nicht mehr auf, sagt Martin Kammerer, Geschäftsführer des IHK-Gremiums.
Strategie: „Die Altstadt braucht eine multifunktionale Strategie.“ Das Gebäude und der Neupfarrplatz könnten auch künftig eine tragende Rolle spielen. Das Schlimmste wären ein Bauzaun und der Verfall. Die Abwärtsspirale müsse verhindert werden. Kammerer befürchtet, Lösungen könnten Jahre dauern.