Noch Hoffnung für die Kaufhof-Brache? Ikea äußert Interesse an leerem Warenhaus in Regensburg

Von Christian Eckl · 3. Oktober 2024 um 11:00

Nach dem Aus für das Warenhaus Galeria Kaufhof am Neupfarrplatz wird nicht nur ein jahrelanger Leerstand wahrscheinlicher. Vielmehr werden die ersten Schaufensterscheiben bereits mit Plakaten von Veranstaltungen beklebt. Die Stadt schweigt zur Kaufhaus-Brache. Hoffnung macht ein Deal in München, den das Möbelhaus Ikea eingefädelt hat.

Noch ist kein Bauzaun um das markante Gebäude aufgestellt. Doch Wirtschaftsvertreter befürchten, dass dies bald der Fall sein wird. Was Hoffnung macht: Kürzlich kaufte eine Tochterfirma die Pasing Arcaden in München. Verkäufer ist das französische Unternehmen Unibail-Rodamco-Westfield. Dieses möchte den eigenen Schuldenstand senken, heißt es. Ikea bestätigte den Kauf, möchte das Center aber weiter so betreiben wie bisher.

Ikea-Planungsstudio in den Pasing Arcaden

Das Besondere an dem Deal: In den Pasing Arcaden gibt es bereits eines der sogenannten Ikea-Planungsstudios. Diese setzen nicht darauf, dass die Kunden ihre zerlegten Möbel in Kartons mitnehmen – das Konzept, mit dem Ikea-Gründer Ingvar Kamprad Milliardär wurde. Vielmehr kann man in den flächenmäßig deutlich kleineren Studios Einrichtungen konzipieren lassen, anschließend werden diese geliefert. Gekauft hat die Pasing Arcaden die Ingka Group, die nach eigenen Angaben 482 Ikea-Möbelhäuser betreibt.

Dass Ikea auch Interesse an Flächen im Kaufhof-Gebäude am Neupfarrplatz geäußert hat, gilt als sicher. Doch nun steht das gesamte Gebäude leer. Wem es letztlich gehört, ist nicht wirklich bekannt – offizieller Eigentümer ist eine Kaufhof Regensburg GmbH mit Sitz und Briefkasten in Leverkusen. Wahrscheinlich wurde das Gebäude in einem Paket von 20 Warenhäusern aus dem Eigentum von Signa des österreichischen Unternehmers René Benko an einen Immobilien-Fonds in Übersee mit Sitz auf den Cayman Islands verkauft. Gesichert ist das aber nicht. In Leverkusen reagiert man nicht auf Anfragen, ebenso wenig in Übersee.

Ikea sei „grundsätzlich neugierig“

Ikea hält sich bedeckt – auch auf die Frage hin, ob man Interesse daran hätte, das gesamte Gebäude zu erwerben. „Als Unternehmen sind wir grundsätzlich neugierig“, teilt eine Sprecherin mit. Und weiter: „Wir stehen mit unterschiedlichen Anbietern im Austausch und ziehen für innerstädtische Formate prinzipiell alle Standorte und Optionen in zentrumsnaher Lage in Betracht, die unseren Anforderungen entsprechen.“ Man wolle sich aber zu vertraulichen Gesprächen nicht öffentlich äußern. „Sollte Ikea mit einem weiteren Standort nach Regensburg kommen, werden wir das bekannt geben, sobald entsprechende Planungen abgeschlossen sind“, heißt es abschließend.

IHK-Geschäftsführer Dr. Jürgen Helmes möchte sich grundsätzlich an Spekulationen nicht beteiligen. Helmes sagt aber auch: „Der Leerstand von Galeria Kaufhof am Neupfarrplatz wird viele Jahre dauern, da macht sich niemand etwas vor.“ Für die Stadtplanung und die langfristige Innenstadtentwicklung sei das eine große Herausforderung, denn die lange Zeit gültige Gleichung „Innenstadt = Einkaufen“ gehe auf Dauer nicht mehr ohne Weiteres auf. „Wir müssen gemeinsam neue Strategien entwickeln, weitere Leerstände vermeiden und die Regensburger Innenstadt weiterhin mit Leben füllen“, sagt Helmes. Kurzfristig könne auch ein aktuell nicht genutztes Kaufhof-Gebäude dazu genutzt werden, etwa Werbung für die Innenstadt zu machen, zum Beispiel „durch eine pfiffige Nutzung der sehr großen Schaufensterflächen“.

Einzelhändler gibt Stadt Mitschuld an der Misere

Einzelhändler Armin Gebhard, der auch Vorsitzender des Vereins Regensburger Kaufleute ist, gibt der Stadt eine Mitschuld an der Misere mit dem leeren Kaufhof-Gebäude. „,Durch die stoische Vorgehensweise nach dem idiologischen Mainstream, Parkplätze zu streichen und Zufahrten zu erschweren“, sagte Gebhard. Und weiter: „In einer Marktwirtschaft sollte auch die kommunale Politik begreifen, wie das System des Wohlstands funktioniert.“

Noch steht kein Bauzaun rund um das ehemalige Kaufhof-Gebäude. Doch erste wilde Plakate hängen bereits. Fotos: Eckl