Galeria-Leerstand: Droht ein Dominoeffekt in der Altstadt in Regensburg?
So oft die Experten auf dem Podium auch auf die Wandelbarkeit des Einzelhandels in der Regensburger Altstadt und die Erfahrung der Kaufleute mit Veränderungen verwiesen, am Leerstand der ehemaligen Galeria Kaufhof gibt es nichts zu rütteln.
Damit steht ein riesiger Frequenzbringer in bester Lage leer. Ein Fünftel der Verkaufsfläche in der Altstadt ist weggefallen. Wann und wie das Gebäude einmal genutzt werden soll, ist offen.
Warum das ein Problem ist, erläuterte während der Retail-Night bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) am Montagabend unter dem Motto „Quo vadis Altstadt Regensburg?“ Christian Eckert von der Imakomm Akademie. Er hat für die Verwaltung bis Frühjahr 2023 das Nutzungskonzept Altstadt Regensburg erstellt und nahm wegen einer Corona-Infektion per Videoschalte an der Veranstaltung teil.
Neuralgischer Punkt
Eckert bezeichnete den Neupfarrplatz als neuralgischen Punkt und machte deutlich, dass hier bereits zum Zeitpunkt der Erstellung des Konzeptes, als die Schließung der Galeria gerade kein Thema war, Trading-Down-Effekte wegen der Leerstände dort hätten drohen können. „Sicherheit, Sauberkeit, Leerstände: Weitere Dominosteinen können fallen“, konkretisierte er das Szenario.
Volker Höcht, Leiter des Amts für Stadtentwicklung, umriss die Sachlage: Um die Frage nach der zukünftigen Nutzung zu klären, müsse sich zunächst der Eigentümer mit der Immobilie auseinandersetzen. Die Stadt könne flankieren und beraten. „Aber der Eigentümer entscheidet“, verdeutlichte der Amtsleiter. Deswegen sei es wichtig, Kommunikationskanäle offen zu halten. „Es gibt auch Gespräche mit dem Eigentümer, aber die werden diskret behandelt“, erklärte Höcht, warum er nicht mehr über deren Inhalt sagte.
Grundsätzlich seien laut Flächennutzungsplan Einzelhandelsbetriebe, Geschäfts-, Büro- und Verwaltungsgebäude, Gastronomie sowie Anlagen für kirchliche, kulturelle, soziale, gesundheitliche oder sportliche Zwecke in dem Gebäude denkbar, erklärte er. Dass Jahre vergehen werden, bevor es dazu kommen wird, daraus machte Höcht keinen Hehl. Er rechnet mit fünf bis acht Jahren. Diese Einschätzung bezeichnete IHK-Präsident Michael Matt als sportlich. Berater Rudolf Reill von RBF Business, der im Publikum saß, nannte sie vermessen: Er verwies darauf, dass es beim Kaufhaus Storg in Amberg 24 Jahre gedauert habe, bevor die Nachnutzung starten konnte, bei Hertie in Weiden immerhin 18 Jahre. Zudem sei auch der Zustand des Gebäudes ein Thema: „Die Sanierung geht in die Millionen“, prognostizierte Reill.
Auch weitere Rückmeldungen aus dem Publikum zeigten, wie sehr die Sache die Einzelhändler aus der Altstadt umtreibt. Christian Plotzki, Inhaber des Concept Stores Gumprecht in der Unteren Bachgasse, schlug vor, das Gebäude zu umzäunen, es zu begrünen und als weiteren Anziehungspunkt in der Altstadt einen dauerhaften Markt zu schaffen. Stefanie Miller-Reitzer, Chefin im Beauty Concept Store F.X. Miller am Neupfarrplatz, wollte wissen, was – vom Kaufpreis einmal abgesehen – eigentlich gegen einen Kauf der Immobilie durch die Stadt spreche. Höcht verwies in seiner Antwort darauf, dass die Stadt kein Einzelhändler sei. Auf Miller-Reitzers Einwand, dass es dann aber zumindest einen festen Anlaufpunkt für die Einzelhändler bei dem Thema geben würde, sagte Höcht noch, dass dies nicht unbedingt ein Erfolgsrezept sein müsse.
Die Strategien, die die Experten auf dem Podium für die Zukunft der Regensburger Altstadt präsentierten, ähnelten sich: Eckert riet dazu, die Altstadt als multifunktionalen Raum zu betrachten, in dem es sich im Sinne der Kundenfrequenz auch lohnen würde, neue Pfade zu wagen und einmal etwas Verrücktes auzuprobieren. Als gelungene Beispiele dafür nannte er das Degginger oder einen Pop Up Store, den das Polizeipräsidium im Donaueinkaufszentrum nutzte, um sich zu präsentieren. Höcht strich zudem temporäre Aktionen der Stadt wie eine Eislauffläche, eine Minigolfanlage oder die Play Fountain heraus.
Strategien für die Altstadt
Ohne das Ergebnis der Abstimmung zur Mobilitätsdrehscheibe, zu der es erst am Dienstag kommen sollte, zu kennen, machten manche Zuhörer deutlich, wie wichtig es für die Händler in der Altstadt sei, mit dem Auto für die Kundschaft erreichbar zu sein. Eine Gegenstimme dazu gab Gerhard Hain ab, der die Altstadt lieber ganz frei von Autoverkehr sieht.
Dazu sagte Christian Spielvogel, Bezirksgeschäftsführer beim Handelsverband Bayern: „Ob Parkhaus oder nicht: Darum können wir uns kümmern, wenn alles andere passt. Im Moment erreichen die Menschen die Altstadt. Deswegen ist es dort aber noch nicht schattiger.“ Mit Blick auf die Hitze, die sich inzwischen im Sommer in der Altstadt entwickelt, verdeutlichte er: „Es hat keine Aufenthaltsqualität, wenn man sich fühlt, als ob man mit Klamotten im Solarium sitzen würde. Da spielt es keine Rolle, wie ich in die Stadt komme.“