Stadt rechnet mit jahrelangem Leerstand: Wie geht es nach dem Regensburger Kaufhof-Aus weiter?

Von Philip Hell · 21. August 2024 um 17:00

Die Lichter brennen noch, die Türen sind allerdings schon zu: Seit dem endgültigen Kaufhof-Aus am Montag klafft ein riesiger Leerstand mitten im Herzen Regensburgs. Wie lange, ist derzeit völlig offen.

Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer stehe in regelmäßigem Kontakt mit den Eigentümern, schreibt Stadt-Sprecherin Juliane von Roenne-Styra auf Anfrage. Seitdem klar wurde, dass die Galeria-Filiale im August schließt, sei der Austausch intensiviert worden. „Es liegt nun in der Verantwortung des Eigentümers, ein tragfähiges Konzept für die Nachnutzung der Immobilie zu entwickeln“, betont von Roenne-Styra. Die Stadt stehe den Eigentümern beratend zur Seite, „auch um möglichen Fehlentwicklungen entgegenwirken zu können.“

Kaufhof-Aus in Regensburg: Oberbürgermeisterin glaubt an eine Chance

Die Stadt könne derzeit keine öffentliche Stellungnahme dazu abgeben, was in dem Gebäude möglich sei, teilt von Roenne-Styra mit. Es gehe darum, „in einem geschützten und vertraulichen Rahmen mit den Eigentümern zu sprechen“. Spekulationen oder Kommentare von der Stadt zur künftigen Nutzung „wären dem nicht förderlich“. Allen Beteiligten sei das hohe öffentliche Interesse allerdings bewusst.

Für die Immobilie liege eine Baugenehmigung aus den 1970ern vor, sagt von Roenne-Styra. Diese treffe klare Regeln zur Nutzung. Bei einer Abweichung von der Einzelhandelsnutzung greifen die bauplanungs- und bauordnungsrechtlichen Vorschriften, die eine Nachnutzung erschweren, erklärt die Stadt-Sprecherin. Dazu kämen Investitionen. Ein nahtloser Übergang zeichne sich derzeit nicht ab, sagt von Roenne-Styra. „Die Stadtverwaltung rechnet vielmehr mit einer nachhaltigen neuen Nutzung in einigen Jahren.“

Oberbürgermeisterin Maltz-Schwarzfischer betont in einer Stellungnahme gegenüber der MZ, dass das Gebäude einen hohen Stellenwert habe. Ihr sei wichtig, dass die künftige Nutzung „der Bedeutung und dem Charakter der Altstadt gerecht wird“. Die SPD-Politikerin betont: „Hier besteht die Chance, etwas Positives mit Strahlkraft für die gesamte Altstadt entstehen zu lassen.“

Idee nach Kaufhof-Aus: Kommt jetzt ein Altstadt-DEZ?

Viele Regensburger sehen die Entwicklung am Neupfarrplatz kritisch. Zu ihnen gehört auch Prof. Dr. Peter Morsbach, Vorsitzender der Altstadtfreunde. „Das Problem ist, dass das Gebäude nun ungenutzt ist.“ Morsbach blickt mit Sorge nach Nürnberg. Dort wurde der ehemalige Kaufhof umzäunt, das Gelände verkomme zusehends. „Was wir jetzt brauchen, ist eine möglichst zügige Nachnutzung.“ Morsbachs Idee – angelehnt an das DEZ: Ein AEZ, also ein Altstadt-Einkaufszentrum. Wenn es geht, sagt Morsbach, möglichst mit inhabergeführten Geschäften, also keine Ketten. Der Vorsitzende der Altstadtfreunde betont aber auch: „Es redet sich einfach, das ist klar.“ Wichtig sei es jedenfalls, einen langen Leerstand zu vermeiden, betont Morsbach. „Gerade am Problemfeld Neupfarrplatz. Ein Leerstand schadet dem Gebäude und der Altstadt.“

Morsbach hält nichts von einem Abbruch, eher im Gegenteil. „Uns ist es wichtig, dass er möglichst bald unter Denkmalschutz gestellt wird.“ Der Horten-Bau sei von „architekturgeschichtlicher Bedeutung.“ Er präge das Bild der Altstadt seit nunmehr über 50 Jahren. „Man muss lernen, mit dem Bau umzugehen“, sagt Morsbach.

Politiker sehen Stadt in Pflicht

Michael Lehner, Vorsitzender der CSU-Fraktion im Stadtrat, blickt noch einmal auf die Rettungsaktion im vergangenen Jahr zurück. „Damals hat man sich mit Steuergeldern Zeit erkauft. Ich hoffe, dass die Oberbürgermeisterin diese gut genutzt hat.“ Wichtig sei es nun, mit dem Eigentümer in Kontakt zu treten. Dafür müsse die Stadt alle Mittel ausschöpfen. Für die weitere Nutzung wünscht sich Lehner etwas, das „Frequenz bringt.“ Auch er sieht eine künstlerische Zwischennutzung kritisch. „Wir brauchen etwas Handfestes.“ Er favorisiert eine Shop-in-Shop-Lösung – also wie in den Arcaden oder im DEZ. Lehner sieht es als Aufgabe der Oberbürgermeisterin, eine Zukunftslösung zu suchen. „Das muss Chef-Sache sein.“

Daniel Gaittet, Co-Fraktionsvorsitzender der Grünen im Stadtrat, betont ebenfalls: „Es ist wichtig, einen langen Leerstand zu verhindern.“ Das sei für die Stadt nicht gut. „Ich verstehe aber auch, dass man nicht von einem Tag auf den anderen eine geeignete Nachnutzung finden kann.“ Die Situation erfordere ein Engagement der Stadt. „Aber auch die Bereitschaft der Eigentümer“, betont Gaittet. „Das ist durchaus eine Herausforderung, weil es eben keine Person aus Regensburg ist.“ Gaittet fordert darüber hinaus eine Zwischennutzung der Flächen. „Das muss nicht immer etwas Kulturelles sein“, sagt der Grünen-Politiker. „Das kann ja auch mal ein Pop-Up-Supermarkt oder ein Indoor-Flohmarkt sein.“ Wichtig sei es, Leute in die Stadt zu holen. Angesprochen auf die Idee eines Altstadt-Einkaufszentrums, sagt Gaittet: „Warum nicht? Es war ein Kaufhaus, es kann auch in Zukunft eines sein.“ Er glaube allerdings nicht daran, dass es ein Geschäft schaffen wird, alle Stockwerke zu bedienen. „Es wird wohl eine Form der Mischnutzung werden.“ Er könne sich ein Restaurant auf dem Dach, einen Supermarkt im Keller und Start-Ups oder Künstler-Ateliers auf den Etagen vorstellen. „Das alles funktioniert aber nur, wenn Eigentümer und Stadt offen sind. Es muss klar sein, dass man das wirklich will.“

Kaufhof sagt Danke und Servus: Wann durch diese Türe wieder Kunden spazieren, ist völlig offen.