Mega-Brache im Herzen Regensburgs droht: Geheimverhandlung zu Kaufhof-Gebäude

Von Christian Eckl · 18. Juli 2024 um 17:00

Das Warenhaus im Welterbe am Neupfarrplatz schließt in wenigen Wochen. Völlig offen ist derzeit noch, was mit dem Leerstand dann passieren wird. Jetzt räumte die Stadt Geheimverhandlungen mit dem Eigentümer ein. Nach wie vor steht im Raum, dass ein Ikea-Planungsstudio einziehen könnte. Die Zukunft des GoAsia-Supermarkts ist offen.

Es ist Sommer in der Stadt und noch ist kaum zu spüren, dass hier, am Neupfarrplatz, bald die größte Brache einer Handelsimmobilie seit Jahrzehnten droht. Mit der Schließung des Kaufhofs am Neupfarrplatz geht ein Stück Regensburger Wirtschaftsgeschichte zu Ende. Ob es wirklich das Ende sein wird, ist im Moment aber noch völlig offen. Denn was geschieht, wenn voraussichtlich Ende August der Kaufhof endgültig seine Pforten schließt, das wird derzeit hinter verschlossenen Türen verhandelt. Laut einer Sprecherin der Stadt gibt es nämlich Geheimgespräche über die Zukunft.

Auf Anfrage der Mittelbayerischen, wie es denn nun weitergeht und ob die Stadtoberen einen Plan B haben nach der Schließung, bekommen wir diese Antwort: „Die Stadt befindet sich hinsichtlich der Zukunft der Kaufhaus-Immobilie in vertraulichen Gesprächen mit den Eigentümern des Objekts.“ Die Eigentümer seien hierbei in der Verantwortung, eine geeignete Nachnutzung zu finden und gegebenenfalls umzusetzen, heißt es weiter. „Die Stadtverwaltung prüft parallel, welche Maßnahmen im Gebäude sowie im Umfeld des Gebäudes perspektivisch umgesetzt werden können.“ Auf die Frage, ob die Stadt erwägt, selbst Flächen zu mieten, gab es keine Antwort.

„Wir haben die Kündigung bekommen“, sagt Harald Eder, Leiter Expansion bei der Firma Servicepunkt. Gekündigt hat aber nicht der Eigentümer der Immobilie, sondern der Warenhauskonzern Galeria Karstadt Kaufhof. Alle weiteren Geschäfte neben der Kaufhof-Filiale in dem Gebäude am Neu-pfarrplatz hatten bisher einen Untermietvertrag mit GKK.

Eigentümer ruft Mieter an

Beinhaltet ist im Mietvertrag eine Klausel, wonach bei einer Schließung der Filiale auch der Untermietvertrag gekündigt werden kann. Die Warenhauskette ist auch nicht mehr Eigentümer des Gebäudes. Wie berichtet, gehörte das Gebäude etwa bis April 2021 Ingeborg Benko, zumindest war die Mutter des zwischenzeitlich gestrauchelten Signa-Magnaten René Benko im Transparenzregister des Bundesanzeigers eingetragen. Danach wurde das Gebäude veräußert.

Eigentümer ist die Kaufhof Regensburg GmbH mit Sitz und einer Geschäftsführerin in Leverkusen. Zu dem Konstrukt, hinter dem sich weitere GmbHs verbergen, gehören noch weitere Warenhaus-Gebäude. Bislang führte die Spur des Eigentümers zu Immobilienfonds in den USA.

Eder bestätigt, dass ihn eine Kontaktperson zum Eigentümer angesprochen und ein neues Mietverhältnis angeboten hat. „Wir haben abgelehnt, weil wir massiven Personalmangel haben“, sagt Eder. „Wir haben noch einen Standort in Neutraubling, der sehr gut läuft, und mussten bisher den Servicepunkt am Neupfarrplatz mit Personal aus der Zentrale bestreiten – teilweise mit Hotelübernachtungen für die Mitarbeiter.“ Doch fraglich sei auch gewesen, wie es mit der Immobilie weitergeht: „Natürlich haben wir unseren Laden im Außenbereich des Gebäudes, aber wenn es ansonsten fast leer steht ist, die Frage, ob man noch genug Kundenfrequenz erzielt.“

Diese Frage stellen sich wohl auch andere. Edeka hatte schon vor Monaten seine Entscheidung bekanntgegeben, aus dem Untergeschoss auszuziehen. Der Lebensmittler zieht gegenüber in das Gebäude ein, in dem sich bis zur Insolvenz der Herrenausstatter Pohland befunden hatte. Eine Neuansiedlung nach der damaligen Rettung der Filiale noch im vergangenen Jahr, als der Neupfarrplatz bereits auf einer Streichliste stand, aber kurzfristig doch nicht geschlossen wurde, ist der Supermarkt Go Asia. Dieser erreicht offenbar auch ein anderes Publikum als das Warenhaus, gerade junge Leute nutzen das breite asiatische Sortiment.

Eine Sprecherin der Kette mit Sitz in Berlin hatte gegenüber dieser Zeitung noch vor Wochen bestätigt, dass man eigentlich in Regensburg bleiben wolle, derzeit aber prüfe, ob man an dem Standort bleibt. Go Asia war an anderen Standorten ebenfalls von der Schließung eines Kaufhofs betroffen, hieß es. An manchen Standorten blieb man in er Filialen, an deren wechselte man die Immobilie. Auf neuerliche Anfrage reagierte Go Asia bisher nicht.

Nach Informationen dieser Zeitung hat nach wie vor der Möbelkonzern Ikea Interesse an Flächen in dem Gebäude. Allerdings nicht mit einem Möbelhaus wie in Neutraubling, sondern mit einem Ikea Planungsstudio. Dazu benötigt der schwedische Konzern große Ausstellungsflächen, aber keine Parkplätze vor dem Haus, da man in diesen Studios, die derzeit schon in Berlin, München und am Bodensee existieren, nur digital bestellen und keine Ware mitnehmen kann. „Als Unternehmen sind wir grundsätzlich neugierig“, antwortet der Konzern, der seine Kunden duzt, auf eine weitere Anfrage. „Mit dieser Haltung betrachten wir jeden Markt individuell und evaluieren unsere Möglichkeiten laufend.“ Sollte Ikea nach Regensburg kommen, „werden wir dies bekannt geben, sobald entsprechende Planungen abgeschlossen sind“, so eine Sprecherin. Resignation herrscht bei den Mitarbeitern in der Filiale. Hans-Jürgen Burkert, Betriebsratsvorsitzender dort, sagt: „Kaufhof kommt jetzt auf das Trikot des SV Waldhof Mannheim.“ Dort sei der neue Investor bei GKK Präsident. „Das ist der Nächste, der sich bei uns bedient“, so Burkert. Unter Kollegen und auch unter jenen, die Kaufhof bereits verlassen haben, hätte diese Nachricht für Unmut gesorgt. „Derzeit verhandelt man über den Haustarif, der bereits jetzt 29 Prozent unter dem im Handel liegt.“

Viele haben neuen Job

Eine Verkäuferin verdiene laut Burkert bei Kaufhof 2650 Euro brutto, der Tarif liege über 3000. „Und da macht man so ein Sponsoring, da würde der Jahn doch in der Zweiten Liga mehr bringen als Waldhof Mannheim“, sagt Burkert.

35 Mitarbeiter aus der Stammbelegschaft seien noch da, es waren einmal 80. Viele seien aber bereits anderswo untergekommen.

Der Go-Asia-Supermarkt im Untergeschoss Foto: Eckl