Marcus Königs Kaufhof-Ausblicke: Nürnberg sucht nach einer Zukunftslösung

Von Nikolas Pelke · 28. Oktober 2024 um 15:42

Nach dem Kauf des Kaufhof-Gebäudes hat die Stadt Nürnberg als neue Eigentümerin das Zepter in der Hand. Voller Elan sucht Oberbürgermeister Marcus König (CSU) jetzt nach einer tragfähigen Zukunftslösung für das leerstehende Warenhaus im Herzen der Fußgängerzone. Erste Ideen gibt es bereits.

An der Aussicht kann sich König überhaupt nicht sattsehen. „Dieser Ausblick ist schon einzigartig“, sagt der Nürnberger Oberbürgermeister auf dem fußballfeldgroßen Flachdach des ehemaligen Kaufhofs in der Königstraße. „Wo hat man so einen direkten Blick auf die Kaiserburg?“, fragt er und zeigt mit ausgebreiteten Armen auf das scheinbar zum Greifen nahe Wahrzeichen.

„Hier könnte eine Dachterrasse entstehen. Das hätte auf jeden Fall sehr großen Charme“, findet König und sieht vor dem geistigen Auge schon fröhliche Menschen im Sonnenuntergang mit Cocktail in der Hand das Panorama genießen. „Das hat wirklich was“, freut sich König noch immer über den Entschluss der Stadt, das leerstehende Kaufhaus im Herzen der Fußgängerzone zu kaufen.

„In der letzten Woche haben wir erst die Schlüssel bekommen“, hat König zuvor beim Aufsperren des alten Hauses berichtet. Das wuchtige Gebäude aus den 50er Jahren sei einer der neuralgischen Bausteine für das Funktionieren der Fußgängerzone.

Die Stadt entscheidet, was kommt

„Es ist gut und richtig, dass wir als Stadt jetzt hier das Zepter in der Hand halten.“ Nur so könne die Stadt entscheiden, wie die Zukunft des Gebäudes und damit des ganzen Viertels rund um die historische Lorenzkirche aussieht, sagt König.

Dann ging es über Treppen an verschlossenen Detektivbüros, verwaisten Garderoben und leergefegten Regalen vorbei. Der Aufzug und die Rolltreppen stehen seit dem endgültigen Aus des Warenhauses seit fast genau einem Jahr immer noch still. Nun steht König auf der Dachterrasse mit dem einzigartigen und bislang völlig ungenutzten Bilderbuch-Panorama. Mit dieser Kulisse könne keine andere Stadt mithalten, ist sich König sicher. „Duisburg, Essen, Wuppertal – das ist doch alles furchtbar.“

Ein Dachgarten als grüne Oase in der Stadt

Derweil denkt Wirtschaftsreferentin Andrea Heilmaier (CSU) laut über einen großen Dachgarten nach. „Hier hätten wir den Platz für eine grüne Oase in der Altstadt“, schwärmt Heilmaier von den scheinbar unbegrenzten Möglichkeiten. Von dem neuen Aussichtspunkt würden nicht nur Tagungsgäste und Hochschüler profitieren. Jedermann hätte laut Heilmaier die Möglichkeit, den Dachgarten über die Fußgängerzone bequem zu erreichen, um beim imposanten Anblick der Nürnberger Stadtsilhouette die Seele baumeln zu lassen.

Rückblick: Im Sommer letzten Jahres hatte der Kaufhof in der Königstraße nach der Signa-Pleite die Pforten für immer schließen müssen. Das Aus des Warenhauses weckte Befürchtungen vor den drohenden Untergang der Fußgängerzone. Zur Belebung der Innenstadt hatte Ministerpräsident Markus Söder (CSU) im Winter vorgeschlagen, in dem ehemaligen Kaufhof gemeinsam mit der Nürnberger Messegesellschaft ein City-Kongresszentrum zu errichten.

Sogar ein Abriss war schon angedacht

Selbst einen Abriss des zwischenzeitlich denkmalgeschützten Nachkriegsgebäudes hatte Söder mit Rückendeckung der CSU-Spitze im Rathaus seinerzeit ins Spiel gebracht.

In diesem Sommer hatte sich die Stadt schließlich ein Herz genommen, und den leerstehenden Kaufhof inklusive Parkhaus und Inventar erworben. Über die Höhe des Kaufpreises dürfe die Stadt keine Angaben machen, heißt es. Nach den Sommerferien hatte die Stadt gemeinsam mit den umliegenden Universitäten auch ein akademisches Hochschul-Schaufenster vorgeschlagen.

Bei der Umsetzung der ehrgeizigen Pläne will die Stadt jetzt möglichst wenig Zeit verlieren.

Kaufhof-Parkhaus macht wieder auf

Pünktlich vor Weihnachten soll schon das Kaufhof-Parkhaus wiedereröffnet werden, um nach dem Kauf des Kaufhauses wieder Geld in die Kassen zu spülen. In der Zwischenzeit soll ein Sonderstab die Zwischennutzung vorantreiben.

Mit einer Machbarkeitsstudie soll herausgefunden werden, welche Nutzungsideen tatsächlich realisiert werden könnten. Schließlich soll ein Investor gefunden werden, der die Pläne der Stadt in die Tat umsetzen will. „Wir sehen die Chancen und keine Risiken“, sagt König strahlend und lässt den Blick noch einmal über das Panorama schweifen.

Viel Platz für neue Ideen: Nürnberg will den ehemaligen Kaufhof als „neuralgischen Punkt“ in der Altstadt wiederbeleben.
Im Sommer hat die Stadt den leerstehenden Kaufhof in der Fußgängerzone gekauft.