Nürnberg feiert die Rückkehr des Macho Man: Premiere wurde zur rauschenden Filmnacht

Von Nikolas Pelke · 21. Oktober 2024 um 19:00

So schlecht, dass es schon wieder Spaß macht: Nach diesem Rezept kämpft der „Macho Man“ schon seit Jahrzehnten zwischen Drogenmafia und Rotlichtsumpf im Kino gegen das Böse. Fast genau 40 Jahre nach dem ersten ist am Wochenende der dritte Teil des fränkischen Kultstreifens rund um Actionheld und Karatekönig Peter Althof in Nürnberg über die Leinwand geflimmert. 250 „VIPS“ waren zur Premiere gekommen.

Der Schaumwein fließt in Strömen. Die Damen glitzern in ihren Kleidern mit den Blitzlichtern der Fotografen um die Wette. Mittendrin thront Peter Althof und hält Hof auf dem roten Teppich.

Neben Schlagersänger Nino de Angelo will sich auch die ehemalige „Miss Bundestag“ Dagmar Wöhrl die Rückkehr der harten Männer nicht entgehen lassen. Überhaupt scheint die komplette Schickeria aus der Frankenmetropole zur Kinopremiere ins Cinecitta gepilgert zu sein, um die Vollendung der Trilogie gebührend zu begießen.

Franken-Spezis als Filmstars

Schon vor der Premiere bekommt der fränkische Promi-Personenschützer und Fast-Dschungelkönig von einem bekannten Autohändler, der wie gefühlt fast alle 250 VIP-Gäste eine kleine Filmrolle übernommen hat, einen „Fränkischen Oscar“ überreicht. Andere tragen Macho-Man-Torten als Geschenk unter dem Arm oder fahren machomäßig mit langen Stretchlimousinen vor.

Mit leeren Händen will keiner kommen. Geben und nehmen lautet offensichtlich das Motto. Filmbösewicht Don Furio alias Guido di Dio übertrifft als schillernder Chef des gleichnamigen Feinkostladens alle und besorgt gleich die komplette Verpflegung des Premierenpublikums.

„Macho muss man sein“

Macho kann man eben nicht lernen. Macho muss man sein, wie schon Reinhard Fendrich in seinem gleichnamigen Loblied auf die übertriebene Männlichkeit gesungen hat.

„Ich war schon beim ersten und zweiten Macho Man dabei und habe natürlich wieder gerne einen kurzen Auftritt übernommen“, erzählen sich die Premierengäste reihenweise stolz und schwelgen dabei in Erinnerungen. „Damals haben schon alle gehofft, dass es was richtig Gutes wird mit dem Film“, erinnern sich erfolgreiche Kaufmänner wie Udo Gippert an den allerersten Macho-Streifen aus den 80er Jahren.

Erinnerungen an wilde, alte Zeiten

Auch bekannte Hoteliers wie Thomas Freiwang schwärmen von den wilden, alten Zeiten, als der fränkische Karatekämpfer Peter Althof und der schwäbische Profiboxer René Weller sich von dem spontanen Ausflug auf die große Leinwand den ganz großen Durchbruch erhofften. Stattdessen fiel der erste „Macho Man“ als „einzig jemals in Nürnberg gedrehter Actionstreifen“ an den Kinokassen mit bundesweit gerade einmal knapp 10 000 Zuschauern sensationell durch. Trotzdem oder gerade deswegen wird Althof in Nürnberg von allen geliebt. „Der Peter ist einfach authentisch“, sagen Bewunderer, Freunde und Wegbegleiter wie der Landtagsabgeordnete Jochen Kohler (CSU) über das Erfolgsgeheimnis des Macho Man.

„Komm Keule, lass es uns machen!“

Selbstverständlich lässt sich auch die amtierende Miss Nürnberg die verworrene Geschichte rund um gemeine Drogenbanden, sexy Sekretärinnen und tollkühne Kampfsportler zwischen Frauentor, Plärrer und Kaiserburg nicht entgehen. An dem andauernden Erfolg sind weniger die schnellen Fäuste und heißen Szenen schuld. Selbst geniale Dialoge wie „Komm Keule, lass es uns machen!“ hätten sich wohl kaum derart ins generationenübergreifende Filmgedächtnis der fränkischen Macho-Man-Fans einbrennen können. Den Erfolg der Macho-Männer erklären sich die Besucher des Premierenabends mehr oder weniger mit der besonderen „Spezlwirtschaft“ in Nürnberg, die sich aus Freundschaft, Nachtleben und Vergnügungssucht speist.

Drei Jahrzehnte später kam Teil zwei

Über 30 Jahre nach dem allerersten Auftritt der Macho-Männer standen Peter Althof und René Weller für den zweiten Teil als späte Fortsetzung im Jahr 2017 erneut vor der Kamera. Sieben Jahre später hat der filmverrückte Italofranke Davide Grisolia – selbst während der Coronapandemie hat die Low-Budget-Produktion nicht aufgegeben – den dritten Teil des testosterongeladenen Schenkelklopfers tatsächlich vollendet. Wieder stehen Drogen, Sex und Kämpfe im Mittelpunkt. Lediglich beim Schneiden hätte der Regisseur mehr Mut beweisen und den 191 Minuten langen Streifen wohl etwas straffen müssen.

Zur Freude der Premierengäste lassen die fränkischen Leinwandhelden natürlich auch beim letzten Teil nichts anbrennen. Don Furio, der eben noch auf dem roten Teppich als Guido di Dio fröhlich mit Nino de Angelo geplaudert hat, sucht für einen sexbesessenen Halunken 100 originale Jungfrauen aus Nürnberg.

Alexander Herrmann als Kommissar

Das Publikum klatscht und johlt, während sich Andreas Arnold alias Peter Althof nach einer Begegnung mit Kommissar Robert Koch, gespielt vom fränkischen Fernsehkoch Alexander Herrmann, auf der Reeperbahn warmläuft, um die Straßen seiner Heimatstadt zum allerletzten Mal vom Bösen zu befreien.

Zu einer Fortsetzung der Trilogie soll es laut den Machern definitiv nicht kommen.

Nach Teil drei ist Schluss mit Macho Man

Das liegt nicht nur daran, dass 2023 mit René Weller einer der beiden Hauptdarsteller verstorben ist. Auch Comedian Bembers, der den Pfarrer mimt, war die Teilnahme an der Premiere durch seinen überraschenden Tod leider nicht mehr vergönnt.

Die Franken können sich trotzdem auf die Schulter klopfen: Mit „Macho Man 3“ hat die Nürnberger Schickeria eindrucksvoll bewiesen, wie groß das „Mia-san-mir“-Gefühl an der Pegnitz trotz mitleidsvoller Blicke aus dem Rest der Republik wirklich ist. Mögen die harten Kerle woanders aussterben, in Nürnberg scheint der Macho Man für immer seine Heimat gefunden zu haben.

Gut zu wissen:

Letzter Teil: Was 1985 begann und 2017 mit „Macho Man 2“ in die zweite Runde ging, findet im dritten Teil sein grandioses Finale.

Film-Trailer im Internet: www.youtube.com/watch?v=YqJ9VDI1Y4M

Aufführungen: Das letzte Abenteuer aus Franken wird beispielsweise im Nürnberger Cinecittà noch am Dienstag und Mittwoch jeweils um 20.45 Uhr gezeigt.

Guido di Dio, der den Don Furio mimt, übernahm die komplette Verpflegung des Premierenpublikums.
Dagmar Wöhrl, ehemalige Bundestagsabgeordnete aus Nürnberg, hat sich die Premiere nicht entgehen lassen.