Haft für Millionen-Klau bei BMW in Regensburg – 29-Jähriger macht Deal und gesteht

Von André Baumgarten · 19. Dezember 2024 um 15:27

Von Harting direkt nach Polen: Weil er Tausende Ersatzteile aus dem Werk in Regensburg entwendete, muss ein 29-Jähriger viele Jahre in Haft. Der Mann ist nicht der einzige, dem in diesem Fall harte Konsequenzen drohen.

Tausende sündteure Ersatzteile hat ein 29-Jähriger in gut fünfeinhalb Monaten mitgehen lassen. Die Sensoren, Rückfahrkameras sowie Steuergeräte sind bei BMW in Harting verschwunden. Bis der Chefermittler des Premiumherstellers den Deutsch-Polen überführte. Die heiße Ware war da allerdings längst in dessen ursprüngliche Heimat verkauft. Dafür muss der junge Mann in Haft. Schwerer noch dürfte aber ein anderer Teil des Urteils wiegen: Er muss BMW den Schaden ersetzen – es geht um fast zwei Millionen Euro.

Weit mehr als 6500 Einzelteile, knapp 80 bis zu 1400 Euro teuer, schaffte der Mann laut Anklage vom Werksgelände bei BMW. Über 500 davon konnten die Ermittler der Regensburger Kripo bei einer Durchsuchung sicherstellen. Der Rest allerdings war schon weiterverkauft. Auf verschiedenen Parkplätzen in Polen hatte sich der 29-Jährige mit dem Hehler getroffen und die gestohlenen Ersatzteile übergeben. Zwei bis dreimal pro Monat kam es zu diesen Treffen, wie die Auswertungen von Chats ergaben.

Angeklagter Deutsch-Pole lebte in Bruck

Das alles hatte der Angeklagte aus dem Landkreis Schwandorf im Prozess vor der zehnten Strafkammer des Landgerichts gestanden. Zwei Fälle wurden zur Verschlankung des Verfahrens eingestellt. Zuvor war es vor Gericht aber heftig zur Sache gegangen. Anlass waren die Übersetzungen besagter Chats, die laut den Strafverteidigern Dr. Christian Meisl und Julian Wunderlich kein vereidigter Dolmetscher gemacht haben soll. Es liege der Verdacht nahe, dass es sich beim Übersetzer um einen Polizeibeamten handelte, der diese Dienstleistung als Kleingewerbe nebenher anbot.

Aufgeklärt wurde das im Prozess gegen den 29-Jährigen nach Informationen der Mediengruppe Bayern zumindest vage. Ein Polizist bestätigte als Zeuge vor Gericht, dass er besagten Kollegen kenne. Wie der Beamte zum Auftrag kam und ob das Vorgehen legal ist, spielte im Verfahren vor dem Regensburger Landgericht allerdings keine größere Rolle mehr. Auch neue Übersetzungen waren am Ende nicht mehr nötig.

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Denn: Gericht, Staatsanwaltschaft und Verteidigung zogen sich zu einem Rechtsgespräch zurück, das in einem Deal endete. Nicht über dreieinhalb Jahre Gefängnis standen im Gegenzug für ein Geständnis am Ende auf dem Tableau. Der Antrag hinsichtlich der Chats wurde zurückgenommen und nach einer schlanken Verifizierung der Angaben bereits das Urteil gesprochen: Drei Jahre und vier Monate für gewerbsmäßigen Diebstahl verhängte die Strafkammer. Und ordnete die Einziehung von 1,93 Millionen Euro an, die BMW durch die Taten Schaden entstand.

Zwei weitere Jahre Haft kommen oben drauf

Die Zeit in Haft dürfte zudem deutlich länger ausfallen: Der 29-Jährige ist fünffach und einschlägig vorbestraft. Während er im großen Stil bei BMW klaute, liefen in anderer Sache noch Ermittlungen gegen ihn. Die zwei Jahre, zu denen er im Januar in Schwandorf auf Bewährung verurteilt wurde, wird er absitzen müssen. Der Widerruf der Bewährung dürfte nur eine Frage der Zeit sein. Auch gegen die Freundin des Mannes wird ermittelt – sie soll, ehe die Kripo in Bruck anrückte, das Diebesgut versteckt haben. Ihr wird Begünstigung vorgeworfen.