Drogen, Bares und angebliche Leiche – Fall aus Regenstauf bot viele Absurditäten

Von André Baumgarten · 18. Dezember 2024 um 05:00

Überraschendes Ende im Prozess um fast 50 Kilo Rauschgift: Statt langer Haftstrafen gab es Bewährung für ein Pärchen aus dem Landkreis Regensburg. Es ging um „viel heiße Luft“ vom vermeintlichen „Chef eines Kartell“.

Was eine Anklage enthält, spiegelt nicht immer wieder, was ein Gericht auch verurteilt: Statt 50 Kilo harter Drogen waren es am Ende rund vier Kilo Cannabis, zum großen Teil sogar von äußerst schlechter Qualität. Rauschgifthandel im großen Stil hatte ein Pärchen auf die Anklagebank gebracht. Am Ende gab es Bewährung, weil der 38-Jährige kein „großer Drogenbaron“ war, der selbst spurlos Leichen beseitigen könnte, sondern eher jemand, der „viel heiße Luft“ produzierte. Um ein Haar hätte ihn die fantasiereiche Prahlerei jedoch lange in Haft gebracht.

Im September 2019 übergab der Angeklagte an einen Käufer knapp 88 Gramm Marihuana. Als dieser Mann in eine Polizeikontrolle geriet, führen DNA-Spuren auf der Verpackung zu dem Regenstaufer. Gut 13 Monate später rückten schließlich Ermittler an und durchsuchten das Haus, in dem er mit seiner Lebensgefährtin lebte. Im Keller wurden die Fahnder fündig: Sie entdeckten eine Plantage mit 32 Cannabispflanzen sowie eine Menge Pflanzenteile – allerdings mit einem Wirkstoffgehalt von teils nur 0,6 Prozent. Alles in allem mehr als vier Kilo Gras. Und: In einem Koffer lag eine größere Menge Bargeld. Mehr als 60 000 Euro wurden beschlagnahmt, zudem Handys und PCs der Angeklagten.

Auf genau diesen Datenträgern wurden IT-Spezialisten der Kripo aber fündig. Dem 38-Jährigen und seiner Lebensgefährtin bescherten Details der ausgewerteten Chats eine Anklage wegen bewaffneten Handeltreibens mit Drogen in nicht geringer Menge. Knapp 50 Kilo Marihuana, Crystal Meth und MDMA soll das Pärchen demnach im Frühjahr 2020 im Haus gehabt haben. Dazu Bargeld in Höhe von 281 000 Euro. Das schrieb der Mann zumindest mit diversen Chatpartnern.

„Wenig glaubwürdig“ auf den ersten Blick

Mitte November, beim Prozessstart, hatte der 38-Jährige all das gestanden, was durch die Sicherstellungen feststand. Mehr aber auch nicht. Alles andere sei nur Prahlerei gewesen. Seine Partnerin ließ erklären, zwar von den Drogengeschäften gewusst, diese aber nicht unterstützt zu haben. Sie habe das alles nur geduldet. Auf den ersten Blick wenig glaubwürdige Angaben, wie Richter Thomas Zenger gestern beim Urteil betonte. Beim genaueren Blick aber habe sich offenbart, dass es „zumindest Anhaltspunkte dafür gibt, dass es so gewesen sein könnte“. Bei beiden.

Das könnte Sie ebenfalls interessieren: Anklage erhoben: Verdeckte Ermittler in Regensburg kaufen Drogen für 25.000 Euro

Ausschließen wollte das Gericht nicht, dass der 38-Jährige in den Chats „das ein oder andere Mal zu dick aufgetragen“ habe. Mehr noch: Er stellte sich als großer Drogenboss dar, der eine Leiche verschwinden habe lassen – dank Freunden bei der Müllabfuhr. Doch diesen Toten habe es nachweislich nicht gegeben. Ein gewisser Hang, sich wie ein Chef eines Kartells darzustellen, sei auch vor Gericht zu erkennen gewesen. Obgleich es auch Zweifel an der Version des Angeklagte gebe, sei vieles einfach „zu dick aufgetragen gewesen“, so Zenger.

Strafmaß deutlich unter Forderung der Anklage

Die Zweifel an den Anklagevorwürfen hatten laut der fünften Strafkammer in diesem Fall überwogen. Also fiel das Urteil deutlich niedriger aus, als es die Staatsanwaltschaft gefordert hatte. Statt vier Jahren und vier Monaten gab es 22 Monate für den Mann und fünf statt acht Monate wegen Beihilfe für die Frau. Beides wurde zur Bewährung ausgesetzt – weil hier kein Großdealer saß, sondern eher ein großer Schwätzer.