Lauter Protest: AfD-Bürgermobil in Regensburg bringt Gegner auf die Barrikaden

Von André Baumgarten · 16. Dezember 2024 um 19:00

Auf Wahlkampftour macht die AfD-Landtagsfraktion Halt in der Altstadt. Unter Schmähgesängen und Belagerung von zwei Seiten fiel die Werbung um Wähler alles andere als leicht.

Spontanprotest mitten in der Fußgängerzone: Gegen ein Infomobil mit Wahlwerbung für die AfD-Landtagsfraktion machte am Montag die Antifa mobil. Der Protest von gut 100 Personen aus der linken Szene sorgte für einen größeren Polizeieinsatz in der Altstadt – und für durchaus überschaubaren Zuspruch bei der Alternative für Deutschland. Deren Vertreter hielten die gut eineinhalb genehmigten Stunden durch und verließen, eskortiert von Einsatzkräften und lauten Buh-Rufen, gegen 15 Uhr den Platz in der Schwarze-Bären-Straße.

AfD-Wahlkämpferin: „Wir sind das ja gewohnt“

Der Aufruf zum Protest war am Sonntag über Soziale Netzwerke verbreitet worden. Dem folgten gut 100 Gegner, um die AfD (wie wohl vor fünf Jahren schon einmal) bestenfalls zum Aufgeben zu zwingen. Das war das erklärte Ziel der Demonstranten. Denn damals, heißt es, sollen die Vertreter den Infostand nach gut 30 Minuten abgebaut haben. Am Montag lief es anders: „Wir sind das ja gewohnt“, sagte eine Dame der AfD zum Spektakel um das Bürgermobil.

Was die überwiegend jungen Menschen hinter den Polizeiketten vom Wahlkampf sowie der Partei selbst halten, war nicht zu überhören. Lautstark skandierte die Gruppe: „Haut ab“, „Nazis verpisst Euch, keiner vermisst Euch“ oder „Ganz Regensburg hasst die AfD“. Immer wieder wurden die Gesänge angestimmt und auf Karton geschriebene Plakate mit sehr eindeutigen Botschaften hochgehalten. Die Sicherheitskräfte hatten frühzeitig Stellung bezogen und sicherten den Bereich in alle Richtung streng ab.

Trotz der Sperrungen an der Ecke Drei-Kronen-Gasse und Am Brixener Hof sowie vis-à-vis an der Weißbräuhausgasse passierten aber auch Passanten die Szenerie. Nicht wenige getrieben von der Neugier, was da wohl los sein könnte. Im Teehaus Bachfischer, unmittelbar gegenüber hatte das AfD-Bürgermobil Stellung bezogen, waren der Protest und das Polizeiaufgebot ebenfalls Thema. „Was das wieder kostet“, warf eine ältere Dame ein. Sie sei irritiert gewesen, erzählte sie, und habe zunächst an einen „Diebstahl oder sowas gedacht“. Die Mitarbeiter wollten auf Nachfrage nichts dazu sagen. Nur so viel: Man sei ja schon erprobt mit den Demos mittlerweile.

Ein Sprecher der Landtagsfraktion in München verwies auf Nachfrage auf weitere Termine, die in Social-Media-Kanälen mitgeteilt würden. Diese Woche stünden allerdings keine mehr an. Das AfD-Bürgermobil stoße „meist auf großes Interesse und Zustimmung“. Mit Protesten rechne man folglich nicht. Und weiter: „Sollte es doch einmal zu solchen kommen, sind sie das gute Recht der Demonstranten.“

Zwei Protestler „informierten“ sich selbst am Stand

Und dieses Recht nehmen die Gegner wahr. Wenngleich das Ziel, die AfD zum Aufgeben zu bewegen, nicht erreicht wurde, sorgte das verbale Störfeuer für mageren Zuspruch. In den gut 90 Minuten waren es nur gut zwei Handvoll Interessierte, die an den Stand gingen oder stehen blieben. Der größere Teil derer schien den Wahlhelfern bekannt zu sein – sie wurden per Handschlag begrüßt. Und zwei junge Männer, die lang das Gespräch suchten und diskutierten, reihten sie wenig später in die Reihen der Protestler ein.

Werbegeschenke und Flyer, die rund um den Plüschlöwen mit AfD-Miniflagge aufgereiht waren, fanden diesmal kaum bis keinerlei Absatz. Ob das etwas an den Ergebnissen bei der vorgezogenen Bundestagswahl ändert, bleibt offen. 2021 machten 8,4 Prozent im Wahlkreis ihr Kreuzchen bei der AfD.

Kaum ein Durchkommen: Demonstranten riegelten den Zugang zur Schwarze-Bären-Gasse von zwei Seiten ab. Die Polizei sicherte den Infostand. Foto: Baumgarten