Initiative: Erstmals Anschlag auf Stolpersteine in Regensburg – „wir erstatten Strafanzeige“

Von Christian Eckl, André Baumgarten · 16. Dezember 2024 um 14:42

Mehrere sogenannte Stolpersteine sind beschädigt worden. Die Aktion des Künstlers Gunter Demnig gedenkt der deportierten und ermordeten Opfer des Nationalsozialismus. Susanne Feichtmayer-Arnold, Sprecherin der Initiative in Regensburg schilderte der MZ, was jetzt passiert.

Mutmaßlich aus antisemitischen Motiven sind erneut mehrere Stolpersteine, Symbole zur Erinnerung an die Vertreibung und Vernichtung jüdischen Lebens in Regensburg, mit Farbe besprüht worden. Laut Polizei wurden sie am 10. und am 13. Dezember in der Orleans-, Weißenburg- und Adolf-Schmetzer-Straße beschädigt. Der Staatsschutz der Regensburger Kripo hat die Fälle übernommen. „Die Ermittlungen laufen“, bestätigte die Polizeisprecherin Melanie Bäumler. „Dafür bitten die Kollegen um Hinweise von Zeugen.“ Konkret sei die Frage, wer am Dienstag und Freitag sowie unmittelbar zuvor möglicherweise auffällige Personen beobachtet hat.

Susanne Feichtmayer-Arnold ist Sprecherin der Initiative, die in Regensburg die Geschichte der Familien hinter den Stolpersteinen recherchiert. „Das ist wirklich traurig“, sagte Feichtmayer-Arnold zur Mittelbayerischen. „Wir wissen nicht, ob es einfach nur Vandalismus ist oder ein gezielter Anschlag – aber die Strecke spricht dafür, dass es sich um eine gezielte Aktion gegen die Stolpersteine handelt.“

Feichtmayer-Arnold sagte auch, dass es der bisher erste Anschlag auf die Steine war. Der Künstler Gunter Demnig begann 1996 damit, deutschlandweit Steine zu verlegen. Normalerweise beginnt der Text darauf mit „Hier wohnte“ oder „Hier wohnten“ und es folgt ein kurzer Überblick über die Verfolgungsgeschichte und zumeist das Todesdatum. Seit den 90er-Jahren wurden deutschlandweit mehr als 100 000 solcher Steine verlegt. In Regensburg wurden zuletzt erstmals Steine verlegt, die an eine Opfergruppe gedachten, die bisher weniger im Fokus des Gedenkens war: Die sogenannten „175er“, benannt nach dem einstigen Straftatbestand der – männlichen – Homosexualität. Feichtmayer-Arnold bestätigte, dass es in anderen Städten immer wieder zu Zerstörungen kommt. „Da werden Steine herausgebrochen und entwendet oder mit einem Hammer beschädigt“, schilderte die Sprecherin der Initiative. Im konkreten Fall gedenkt einer der Steine beispielsweise an die jüdische Familie Holzinger in der Weißenburgstraße 25, die von den Nazis deportiert und ermordet wurde.

Derzeit kläre man noch, ob man die beschädigten Steine restaurieren kann. Sie gehen übrigens nach der Verlegung in das Eigentum der Stadt Regensburg über. „Wir werden Strafanzeige erstatten und gehen davon aus, dass auch die Stadt Regensburg dies tun wird“, so Feichtmayer-Arnold.

Hinweise nimmt die Kripo unter der Telefonnummer (09 41) 5 06 28 28 jederzeit entgegen. Die besprühten Steine befinden sich im Bereich der Hausnummer 25 in der Weißenburgstraße, auf Höhe von Hausnummer 6 in der Orleansstraße und den Nummer 16/18 in der Adolf-Schmetzer-Straße. Verwendet wurde bei den Taten jeweils silberne Farbe. Mehr als 270 dieser Steine sind im Rahmen des Bürgerprojekts im gesamten Stadtgebiet bislang verlegt.