Staatsschutz ermittelt: In Regensburg wurden reihenweise Stolpersteine besprüht

Von André Baumgarten · 16. Dezember 2024 um 12:58

Greift erneut Antisemitismus um in Regensburg? Im Stadtgebiet wurden Mitte Dezember mehrere goldfarbene Mahnmale gegen den Nationalsozialismus beschädigt. Die Polizei sucht nun nach Zeugen.

Mutmaßlich aus antisemitischen Motiven sind mehrere der Stolpersteine aus Messingplatten, als Symbol zur Erinnerung an die Vertreibung und Vernichtung jüdischen Lebens im Dritten Reich, mit Farbe besprüht worden. Laut Polizei wurden sie am 10. und am 13. Dezember in der Orleans-, Weißenburg- und Adolf-Schmetzer-Straße in Regensburg beschädigt.

Die Abteilung Staatsschutz der Regensburger Kriminalpolizei hat die weitere Bearbeitung der Fälle übernommen. „Die Ermittlungen laufen“, bestätigte die Polizeisprecherin Melanie Bäumler. „Dafür bitten die Kollegen um Hinweise von Zeugen.“ Konkret sei die Frage, wer am Dienstag und Freitag vergangener Woche (10. und 13. Dezember) sowie unmittelbar zuvor möglicherweise auffällige Personen an oder um die Tatorte beobachtet hat. Hinweise nehme die Kripo unter der Telefonnummer (09 41) 5 06 28 28 jederzeit entgegen.

Wo schlugen die Täter genau zu?

Die besprühten Steine befinden sich im Bereich der Hausnummer 25 in der Weißenburgstraße, auf Höhe von Hausnummer 6 in der Orleansstraße und bei den Hausnummern 16/18 in der Adolf-Schmetzer-Straße. Verwendet wurde bei den Taten jeweils silberne Farbe, vermutlich immer dieselbe. Die Auswertung dazu laufen.

Mehr als 270 dieser Steine sind im Rahmen des seit rund 17 Jahren laufenden Bürgerprojekts im gesamten Stadtgebiet bislang verlegt worden. Sie gelten als Mahnmal gegen jede Art von Extremismus. Der erste Stolperstein für ein homosexuelles Nazi-Opfer wurde Ende Oktober gelegt – zu Ehren von Max Tröster in der Obermünsterstraße in der Altstadt. Pate war Alexander Irmisch, Stadtrat und Co-Vorsitzender von Queeres Regensburg.

Ideengeber für Aktion stammt aus Köln

Der Kölner Künstler Gunter Demnig hatte ursprünglich die Idee für die kleinen, zehn mal zehn Zentimeter großen Mahnmale. Auf Messingplatten erinnern Details aus dem Leben deportierter Juden, Sinti und Roma, politisch Verfolgter, Zeugen Jehovas, Homosexueller, Häftlinge oder Euthanasieopfer. Jeder Stein wird von Hand gefertigt und graviert – deutschlandweit wurden mehr als 100.000 in rund 1260 Orten verlegt. Die Aktion gibt es europaweit.