Regensburger Laden Bürsten Ernst ist seit 130 Jahren in Familienhand

Seit 130 Jahren gibt es den Regensburger Laden Bürsten Ernst bereits. Die Handwerkskammer hat ihn im November dafür mit dem Goldenen Ehrenblatt auszeichnet. Mit Sophie Jäger arbeitet bereits die fünfte Generation in dem Traditionsgeschäft. Großmutter Waltraud Ernst verrät, welche Bürste besonders beliebt ist.
Der „Kleingeldbürste“ auf dem massiven Holztresen sieht man ihr Alter nicht an. Und das, obwohl die Wechselgeldablage, die den Kunden von Bürsten Ernst schwarz auf weiß „Danke“ sagt, wenig jünger als der Laden selbst sein dürfte. Über dieses Meisterstück von Sophie Jägers Ur-Großvater seien bereits „Trillionen“ Mark während der Hyperinflation gegangen, erzählt Waltraud Ernst.
Seit 130 Jahren – gegründet 1894 von Peter Ernst – gibt es den Betrieb, den die Handwerkskammer im November dafür mit dem Goldenen Ehrenblatt auszeichnete. „Meine Enkelin ist die fünfte Generation. Die macht das von Herzen“, sagt Ernst, während Sophie Jäger Kunden berät.
Seifenduft liegt in der Luft. Der Ladenbereich quillt über vor Fußmatten, Reinigern, Geschirrtüchern – und Bürsten so weit das Auge reicht. Alle erdenklichen Ausführungen mit Ross- oder Ziegenhaar, Kokos- und Arenga-Fasern stapeln sich in den hohen Holzregalen. Ob Pinsel, Besen, Haar-, Schuh- oder Klobürste, zum Spülen oder Staubwedeln: Die 85-jährige Ernst kennt sie alle und kann Material, Pflege und Anwendung genau erklären. „Die gibt’s in klein, in groß – alles da“, sagt sie um sich deutend.
Wie viele Bürsten sie haben, kann auch Ernst nicht sagen. Nur, dass sich die Steckdosenbürste seit einem Fernsehbeitrag besonders gut verkaufe.
Großmutter und Enkel führen Traditionsunternehmen
Die zwei Frauen führen den Laden, ergänzt um zwei Angestellte und eine Putzfrau, erklärt Sophie Jäger im Hinterzimmer. Ihre Großmutter übe das Handwerk seit 1968 aus, habe in den Familienbetrieb eingeheiratet und sich das Bürstenbinden selbst beigebracht. „Das war immer schon mein Traum.
Schon als Kind habe ich Kaufladen gespielt“, erzählt Ernst. „Und dann ist es Wirklichkeit geworden. Das ist mir geblieben, bis jetzt.“ Genau so lange sei das Geschäft auch in dem Haus in der Glockengasse, wo einst das namensgebende Gasthof „Zur goldenen Glocke“ war. Dass Ernst den Laden einmal an ihre Enkelin weitergeben würde, hätte sie nicht gedacht.
Die 24-jährige gelernte Steuerfachangestellte arbeitet seit rund vier Jahren im Familienbetrieb. Ausschlaggebend dafür sei der Tod ihrer Mutter gewesen. Dort, in dem Laden unter ihrer Wohnung, sei Jäger quasi aufgewachsen, habe als Kind Kaufladen gespielt, erzählt sie. „Man merkt, dass ich herein gehöre“, bekomme Jäger öfters gesagt.
Wie ihre Großmutter habe sie das Bürstenmachen nur vom Zuschauen gelernt. Ihr fehle aber die Routine, auch wenn sie schon schneller sei. Im Geschäft gebe es jedoch immer viel zu erledigen. „Wenn man sich dann hinsetzt und es selbst probiert: Es dauert Ewigkeiten.“ Deshalb mache überwiegend ihre Großmutter „in aller Ruhe“ die Bürsten. Jemanden nur für die Produktion einzustellen, wäre zu teuer. „Der Besen kostet bei uns 52,50 Euro. Das ist schon ein ziemlicher Preis für einen Besen“, gibt Jäger zu.
Aber sie würden sich abgrenzen von dem, was es überall gebe, sagt Waltraud Ernst. „Die Kunden, die zu uns kommen, wollen kein Plastik, sondern Qualität.“ Die sei ihnen bei ihrer Ware sehr wichtig, sagt Jäger. Auch bei den zugekauften und maschinell hergestellten Bürsten. Beispielsweise die Steckdosenbürste: „Wir arbeiten mit Draht“, erklärt Jäger. Damit fixierten sie bei den handgefertigten Bürsten die Borsten. Für Steckdosen gehe das natürlich nicht.
Bei Bürsten Ernst gibt es mehr als nur Bürsten
Ihr Sortiment habe sich über die Jahre erweitert, erklärt Jäger. „Weil man einfach viel sieht, wo man sagt: Ach komm, das würde ja eigentlich gut dazu passen.“ Und durch die Automatisierung sei einiges weggefallen, sagt Ernst. „Aber dafür hat man ein anderes Standbein. Weil, ab und zu brauchst halt doch a Bürschtn.“ Etwa zum Schuheputzen. „Da kaufst halt einmal was g’scheits. Des ist halt unsere Stärke.“
Neben der Handarbeit würden Kunden laut Jäger noch etwas schätzen: „Wir haben ein riesig großes Wissen über unsere Produkte.“ Ihnen sei wichtig, dass man „nicht nur das Produkt bekommt, sondern auch Hintergrundinformationen, wie man das dann pflegt – wie man auch lange was davon hat.“ Deswegen lerne sie ständig dazu. „Das hat bei mir Jahre gedauert, bis ich dieses Wissen angesammelt habe.“ Etwa durch Zuhören ihrer Großmutter, wie diese Kunden beriet, denn „ich habe eigentlich ein riesiges Orakel vorne stehen. Sie weiß wirklich noch wesentlich mehr als ich“.
Die Kundschaft käme mittlerweile von überall her, oft auf Empfehlung: Wenn man in Regensburg sei, solle man doch bei Bürsten Ernst vorbeischauen. Sogar ein Amerikaner sei deshalb einmal da gewesen, sagt Jäger. „Es ist schon verrückt, wie weit sich das herumspricht.“
