Neue Generation und Besitzerwechsel: In zwei Altstadt-Läden tut sich was

Von Bernadette Niedermeier · 25. Juni 2024 um 15:00

Zwei Geschäfte in der Altstadt von Regensburg stehen bald unter neuer Führung. Bei Bürsten Ernst ist die nächste Generation mit eingestiegen. Das Traumland übernimmt Petra Krenn. Das Konzept soll dasselbe bleiben, erste Änderungen sind aber schon in Planung.

Gerade arbeitet Sophie Jäger an einer Schuh-Schmutzbürste. Sie bündelt Pflanzenfasern zu Borsten und befestigt sie mit einem Kupferdraht am Bürstenkopf. Ihre Großmutter, Waltraud Ernst, die von der 23-Jährigen liebevoll Mimi genannt wird, steht ihr dabei mit Rat und Tat zur Seite. „Sie ist doppelt, wenn nicht sogar dreimal so schnell wie ich“, sagt Sophie Jäger mit einem Schmunzeln auf den Lippen.

Waltraud Ernst arbeitet seit über 50 Jahren im Familienbetrieb. „Es macht mir Spaß, die Kunden zum Strahlen zu bringen“, sagt die 85-Jährige. „Hier bekommen sie noch was Gscheids.“ Neben handgemachten Bürsten werden auch welche zugekauft. Die Manufaktur Bürsten Ernst gibt es seit 1894. Gegründet wurde sie von Männern, mittlerweile arbeiten in dem Familiengeschäft nur noch Frauen.

Bürstenbinden lernen

Sophie Jäger ist seit 2020 im Laden in der Glockengasse tätig. Das Bürstenbinden lernt sie seit Anfang des Jahres von ihrer Oma. Zuvor hat sie sich in erster Linie um Büro und Kundenberatung gekümmert. Da kommt der 23-Jährigen das Wissen aus ihrer Ausbildung zur Steuerfachangestellten zugute. Im Anschluss an ihre Ausbildung hat sie für ein paar Monate in London und San Diego gelebt, um ihr Englisch zu verbessern. Die Sprachkenntnisse seien nun im Laden hilfreich, da Touristen gerne handgefertigte Bürsten als Souvenir aus der Domstadt mitbringen und Jäger auch auf Englisch berät.

Dass die 23-Jährige einmal in den Familienbetrieb einsteigen möchte, war ihr früh klar. „Schon als Kind habe ich dort gespielt und Bürsten in meinen Einkaufswagen gelegt. Später habe ich meine Hausaufgaben im Laden gemacht“, erzählt sie. Dass sie so früh einsteigt, war allerdings nicht geplant. Nach dem Tod ihrer Mutter begann die junge Frau vor vier Jahren, ihrer Oma zu helfen. „Ich wollte sie nicht alleine lassen und die Arbeit macht mir viel Spaß“, erklärt Jäger. Besonders gut gefällt ihr die Betreuung von Kunden. „Ich habe gemerkt, dass ich hierher gehöre“, sagt die 23-Jährige. Ihre Großmutter ist Inhaberin von Bürsten Ernst und wird dies auch solange wie möglich bleiben. „Ich habe großen Respekt vor ihr. Ihr Mann ist früh gestorben und sie hat unser Geschäft so groß gemacht, wie es heute ist“, stellt Sophie Jäger fest. Sie ist deshalb stolz darauf, Teil des Familienbetriebs zu sein und wird den Laden eines Tages fortführen.

Ein paar Straßen weiter steht ein Besitzerwechsel in einem Altstadt-Laden schon kurz bevor. Im Traumland in der Fröhlichen-Türken-Straße weisen rote Lettern im Schaufenster auf den Ausverkauf hin. Marion Fischer war 30 Jahre lang Inhaberin des Kindermodengeschäfts. Sie übergibt den Laden ab Juli an Petra Krenn. Noch im selben Monat wird das Traumland umgebaut, bevor es ab August wiedereröffnet.

Das Konzept bleibt gleich und auch die vier Mitarbeiterinnen werden übernommen. Ein paar Änderungen gibt es aber: „Das Geschäft bekommt einen Holzboden“, erklärt Petra Krenn. Auch die Plastik-Kleiderbügel werden, aus Gründen der Nachhaltigkeit, Bügeln aus Holz weichen. „Wir eröffnen rechtzeitig zum Schulstart mit der neuen Kollektion“, versichert die gebürtige Regensburgerin.

Die 58-Jährige arbeitet seit zwei Jahren im Traumland. Sobald sie von Marion Fischers Nachfolger-Suche erfahren hat, stand für Krenn fest, dass sie das Geschäft fortführen möchte. „Es wäre schade darum gewesen“, sagt sie. „Was wäre Regensburg nur ohne seine netten Läden?“ Besonders gut gefällt es der dreifachen Mutter, zu beraten. Ins Traumland kommen in erster Linie Schwangere, Mütter und Omas. „Die Leute sind toll“, sagt Krenn. Es gebe viele Stammkunden. Zudem würden immer wieder Tagestouristen nach einem Mitbringsel suchen.

Mitbringsel für das Enkelkind

Bedenken von Freunden über ihre neue Selbstständigkeit kann Krenn nicht nachvollziehen. „Der Laden liegt zentral und gute Qualität ist gefragt“, versichert sie. Im Traumland verkauft die 58-Jährige Kinderwäsche aus Frankreich, mit der sie bereits ihre Kinder eingekleidet hat. „Frankreich hat mich schon immer fasziniert“, sagt Krenn, die dort gerne Urlaub macht.

Selbstständig war sie schon öfter. Zum ersten Mal im Alter von 18 Jahren mit einem Café in München. Dort konnte man bei Tartes und weiterem französischen Gebäck Chansons lauschen. „Das Traumland passt einfach gut zu mir“, erklärt die neue Inhaberin. Respekt hat sie nur vor dem Social-Media-Auftritt. „Da muss ich mich noch reinfuchsen, aber meine Kinder helfen mir“, sagt die 58-Jährige. Auf die Wiedereröffnung im August und darauf, das Traumland zu übernehmen, freut sie sich. Petra Krenn versichert: „So viel wird sich gar nicht ändern.“

Das Traumland hat Ausverkauf.