Rötz war wieder Faschingshochburg: Fasenachts-Präsident Frank Gazinski blickt auf 2024 zurück

Von Stefanie Bauer · 15. Dezember 2024 um 05:00

Wenn man mit Fasenachts-Präsident Frank Gazinski auf das bald abgelaufene Jahr zurückblickt, muss man den Blick eigentlich zunächst auf 2020 richten. Am 25. Februar hatte damals die letzte Althistorische Rötzer Fasenacht vor der Corona-Pandemie stattgefunden.

Es war die letzte Veranstaltung in dieser Größenordnung in der Region, bevor Mitte März der Lockdown in Kraft trat.

Bei der Fasenacht habe man von all dem noch nichts geahnt, erinnert sich Gazinski. Man sei damals jedoch wegen eines anderen Themas sensibilisiert gewesen: Tags zuvor hatte ein Amokfahrer bei einem Rosenmontagszug in Hessen vorsätzlich sein Fahrzeug in eine Gruppe von Zuschauern gelenkt. „Da haben wir uns natürlich schon Gedanken gemacht, ob so etwas in Rötz auch passieren könnte“, sagt Gazinski. Es sollte zum Glück eine ausgelassene, aber dennoch friedliche Althistorische Rötzer Fasenacht werden.

Die Corona-Jahre waren, unter anderem auch wegen der Folgen für das soziale Miteinander, „eine krasse Zeit für uns“. Die Fasenacht 2022 wurde abgesagt, aber der Präsident wollte den Rötzern auch in dieser Zeit Gelegenheit geben, kreativ zu sein und sie außerdem „bei der Stange halten“: 2021 gab es einen Miniatur-Faschingszug, bei dem man wie bei der echten Fasenacht seine Meinung kundtun konnte und bei dem die Wagen auch einen Hintergrund hatten – im Kleinformat wurde zum Beispiel das Thema Marktplatzbelebung aufgegriffen.

Alles friedlich geblieben

Ebenso war es, als es 2024 endlich wieder eine „echte“ Fasenacht gab – und was für eine. „Die Leute haben wohl darauf gewartet, dass es wieder Gelegenheit gibt, ausgelassen miteinander zu feiern“, vermutet Gazinski. Aus einem Umkreis von 30, 40 Kilometern pilgerten die Faschingsverrückten nach Rötz – wohl annähernd 30 000 Besucher waren es nach gemeinsamer Schätzung von Polizei und Faschingskomitee.

Dieses Jahr habe einfach alles gepasst, angefangen beim Wetter bis hin zum „ganzen Drumherum“. Dass kurz vorher Ziegel vom alten Gasthaus Thamer gefallen sind, gab eine perfekte Vorlage für die Helme mit Fasenachts-Logo, die am Faschingsdienstag unter die Leute gebracht wurden als Schutz vor „herabstürzenden Gebäudeteilen in der Rötzer Innenstadt“. Besonders erfreulich natürlich: Dass bei einer Veranstaltung dieser Größenordnung alles friedlich geblieben sei und dass nichts passiert sei, sagt Gazinski. Dafür sensibilisiere man die Teilnehmer auch im Vorfeld, aber bei so vielen Besuchern habe man natürlich nicht alles in der Hand.

Der Hubschrauberflug, mit dem Waldraut & Marichen – man beachte die Schreibweise – alias die im echten Leben aus Rötz stammenden Judith Pregler und Jutta Tolks in der Stadt eintrafen, das Filmteam,... „Eins ums andere hat sich ergeben“, so der Fasenacht-Präsident, der all das als Überraschung bis zum Schluss absolut geheim gehalten hatte.

Als der Hubschrauber am Faschingsdienstag gelandet sei, „haben sie schon gesagt, jetzt spinnt er total“, grinst er. Im positiven Sinn natürlich, und der Erfolg der Fasenacht gab ihm recht. „Mir hat es selbst total gut gefallen“, gibt er zu. Seinen Kollegen im Faschingskomitee ist er sehr dankbar, dass sie jede „Verrücktheit“ mitmachen.

Und neben den Besuchern der Fasenacht tun das natürlich auch die Teilnehmer – dieses Jahr waren es 1150 mit 51 kreativen und qualitativ hochwertigen Themen-Wagen. „Mit guten Ideen und Kreativität kann man die Leute mitreißen“, hat der Rötzer in seiner Zeit als Fasenachts-Präsident immer wieder festgestellt. Das ist es allerdings, was ihm derzeit in der Stadt etwas fehlt: Es scheine, als gebe es eine Art Stillstand, sagt Gazinski, der vor rund zweieinhalb Jahren als Stadtrat zurückgetreten ist. Als Gründe dafür hatte er gesamte Situation angegeben, in der sich die Stadt befand, das „Ins-Stocken-Kommen von Projekten und die Personalsituation bei der Stadt, verursacht durch Umstrukturierungen und den Führungsstil des Bürgermeisters“. Er würde sich wünschen, so Gazinski, dass Probleme auch im Stadtrat nach wie vor offen angesprochen würden; man höre – mit Ausnahmen – mittlerweile wenig kritische Stimmen, die sich auch öffentlich äußern würden. Seinen Rückzug aus der Kommunalpolitik begründet er daneben – überregional gesehen – mit „politischen Maßnahmen und Äußerungen auch von Freie Wähler-Politikern gegen ungeimpfte beziehungsweise andersdenkende Bürger“.

Als Fasenachts-Präsident ist Gazinski seit 2008 im Einsatz – so lange wie noch kein anderer vor ihm. Das Wichtigste für die Zukunft sei für ihn, dass sich irgendwann ein Nachfolger mit kreativen Ideen finden werde, der sich nicht vor der Verantwortung für eine Veranstaltung dieser Größenordnung scheue.

Auch an Faschingszügen in anderen Gemeinden – 2025 wieder in Tiefenbach und in Seebarn – beteiligen sich die Mitglieder des Faschingskomitees und weitere Teilnehmer aus Rötz. Apropos nächstes Jahr: Gazinski ist auch aktives Mitglied der Märchenzeit für Jung und Alt, 2025 kommt König Drosselbart zur Aufführung. Welche Rolle er in dem Stück übernehmen wird, wisse er selbst noch nicht.

Regisseur Bernhard Hübl werde aber sicher wieder die passende finden, ist Gazinski überzeugt. „Es ist immer eine Freude, auf dem Berg zu spielen und den Zuschauern eine schöne Zeit zu bereiten.“

Proben für die Märchenzeit

So turbulent das Jahr auch war mit der Rekord-Fasenacht und seinem Engagement bei der Märchenzeit – diesmal war Gazinski ein Pirat im Stück „Pippi in Taka-Tuka-Land“ – seinen 50. Geburtstag hat er vor einer Woche im kleinen Kreis mit Familie und Freunden gefeiert. Auch die Weihnachtszeit soll besinnlich werden – bevor es im neuen Jahr bald mit den Proben für die neue Märchenzeit losgehen wird.

Frank Gazinski (l.) und Manfred Auerbeck verkörperten bei der Märchenzeit 2024 im Stück „Pippi in Taka-Tuka-Land“ zwei Piraten, die nichts Gutes im Sinn haben. Foto: Simon Tschannerl
Die Althistorische Rötzer Fasenacht findet alle zwei Jahre statt. 2024 gab es einige besondere Highlights. Foto: Frank Gazinski