Nächster Kostensprung: So viel kostet das Bürgerzentrum die Stadt Neutraubling

Von Michael Sperger · 14. Dezember 2024 um 09:00

Große Begeisterungsstürme löste die neue Kostenberechnung zur Sanierung des Neutraublinger Bürgerzentrums im Stadtrat nicht aus. Mit Gesamtkosten von rund 31 Millionen Euro rechnet das Planungsteam nach heutigem Stand für die Maßnahmen an Rathaus und Stadthalle. Und die Höhe der Förderungen ist nach wie vor unklar.

Das erklärten Michael Unverdorben von der Projektsteuerung HSP und Andreas Ascherl vom Architekturbüro Ascherl dem Gremium in der Sitzung am Donnerstag. Noch vor wenigen Monaten hatte man bei der Stadt mit Kosten von rund 27 Millionen Euro gerechnet. „Dass es jetzt noch mal teurer wird, hat uns schon etwas überrascht“, gab Bürgermeister Harald Stadler zu. Man müsse das Projekt als langfristige Investition in die Zukunft sehen. „Unter Umständen würden wir uns in fünf Jahren ärgern, wenn wir jetzt zu viel weglassen“, sagte der Bürgermeister. Auch wenn die Kommune derzeit finanziell etwas eingeschränkt sei.

Einzelmaßnahmen in Neutraubling auf dem Prüfstand

Das Projekt wird aus mehreren Gründen teurer. So habe es von der Stadt und von den Genehmigungsbehörden zusätzliche Anforderungen gegeben. Zum Beispiel soll ein Aufzug im Außenbereich für die Barrierefreiheit von Rathaus und Stadthalle sorgen. Um die Kosten für die Stadt Neutraubling etwas abzufedern, stellten die beiden Planer mehrere Einsparmöglichkeiten vor. Damit ließen sich die Gesamtkosten um knapp 1,8 Millionen Euro reduzieren. So könnte man zum Beispiel den geplanten Verbindungsgang zwischen Rathaus und Stadthalle weglassen und damit etwa 350 000 Euro sparen. Die Maßnahme war allerdings erst auf Wunsch des Stadtrats im September in die Planung mitaufgenommen worden.

Bei der Küche im Obergeschoss der Stadthalle könnte man ebenfalls abspecken und hier nur mit Warmhalten fürs Catering planen. Doch die zweite vollfunktionsfähige Küche ist ein expliziter Wunsch des Pächters im Ratskeller. Auch die Verwendung anderer Photovoltaik-Module auf dem Dach könnte knapp 500 000 Euro einsparen und sogar die Leistung erhöhen – würde allerdings auch das Erscheinungsbild des Daches verändern. Hier befürchtet man Probleme mit dem Urheberrecht. Größere Brocken, wie das geplante Kongresszentrum in der Stadthalle, könne man nicht so einfach weglassen, erklärten die Planer.

Unsicherheit bei Fördersummen für Neutraublinger Bürgerzentrum

Viele der Vorschläge stießen im Gremium auf wenig Gegenliebe. „Das Streichungspotenzial ist aus unserer Sicht bei dieser Gesamtsumme nicht der ganz große Wurf“, sagte zum Beispiel Dr. Philipp Ramin (CSU). Über die Einsparmöglichkeiten soll in der letzten Stadtratssitzung des Jahres am Dienstag einzeln abgestimmt werden.

Zusätzliche Unsicherheit bringt die unklare Fördersituation rund um das Rathaus-Projekt. In Summe wurden Fördermittel von mehr als neun Millionen Euro beantragt. Eine Zusage gibt es bis heute nicht. „Bescheide oder Aussagen zu den zu erwartenden Förderungen liegen zum aktuellen Stand noch nicht vor“, erklärten die beiden Planer bei ihrer Präsentation. Lediglich die Regierung der Oberpfalz – hier hatte man eine Förderung aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) beantragt – ließ anklingen, dass nur die energetische Sanierung gefördert werde, nicht aber Maßnahmen zur Barrierefreiheit und Nachhaltigkeit. Deshalb werde man Stand jetzt mindestens 1,7 Millionen Euro unter der Antragssumme bleiben. Im Optimalfall ergeben sich laut Unverdorben und Ascherl nur noch Fördermittel von 8,5 Millionen. „Aber das ist noch nicht in Stein gemeißelt“, betonte Unverdorben. Für die Stadt würde das einen Eigenanteil von mehr als 20 Millionen Euro bedeuten.

Die Zeit beim Neutraublinger Bürgerzentrum drängt

Recht viel Zeit sollte die Stadt Neutraubling bis zum Baubeginn nicht verlieren. Für die EFRE-Förderung muss das Projekt bis Ende 2028 abgeschlossen sein. Frühestmöglicher Baubeginn ist der 2. Juni im kommenden Jahr, die Fertigstellung ist im Laufe des Jahres 2028 geplant. „Bei diesem knappen Zeitplan braucht kein Kran umfallen, da reicht schon eine Leiter“, kritisierte Stadtrat Markus Pesth (SPD). Bei einer Verzögerung über das Jahr 2028 hinaus droht der Verlust weiterer Fördermittel.

Über die Entwurfsplanung und die neue Kostenberechnung wird in der Weihnachtssitzung am Dienstag entschieden. „Ich bin mir sicher, dass wir die richtige Entscheidung treffen werden“, blickte Bürgermeister Stadler voraus.

Packt Neutraubling auch die Außenanlagen an?

Bei den aktuellen Plänen rund um die Rathaus-Sanierung sind bis auf eine neue Anordnung der Rampen keine gestalterischen Maßnahmen rund um das Bürgerzentrum vorgesehen. Die Planer Andreas Ascherl und Michael Unverdorben schlugen dem Stadtrat vor, auch die Freiflächen bei dem Großprojekt mitzudenken.

Auch im Außenbereich könne man an Zielen wie Barrierefreiheit und Nachhaltigkeit arbeiten. Für die Fläche von 7000 Quadratmetern rechnen die Planer mit groben Ausgaben von 1,8 Millionen Euro, die zusätzlich zu den Sanierungskosten fällig würden. Auch zu diesem Vorschlag wurde in der Sitzung kein Beschluss gefasst.