Steg zur Stadthalle kommt: Neutraublings Rathausprojekt wird noch teurer

Von Michael Sperger · 20. September 2024 um 15:00

Die Rathaus-Mitarbeiter sollen in Zukunft trockenen Fußes zum neuen Kongresszentrum in der Stadthalle kommen. Deshalb beschloss der Neutraublinger Stadtrat nun, bei der Sanierung des Bürgerzentrums einen Steg zwischen Rathaus und Stadthalle zu errichten. Dieser wird Mehrkosten von 556 200 Euro verursachen, wie die Fachplaner erklärten. Das gefällt im Neutraublinger Stadtrat nicht jedem.

Andreas Ascherl (bast + ascherl) und Michael Unverdorben (HSP) wurden mit zwei Hausaufgaben vom Stadtrat in die Sommerpause entlassen und präsentierten nun ihre überarbeitete Entwurfsplanung zur Sanierung des Bürgerzentrums. Ein Übergang zwischen Rathaus und neuem Kongresszentrum in der Stadthalle war einer der Wünsche – vor allem aus der CSU-Fraktion. Diesen möchte man mit dem Steg realisieren.

Braucht Neutraubling den Kongressbereich?

„Die Aufgaben im Rathaus werden in Zukunft zunehmen. Wenn weitere Arbeitsplätze benötigt werden, kann das nur mit dem Zugang funktionieren“, sagte Philipp Ramin (CSU). Nur so könne das Kongresszentrum neben Vereinen und Firmen auch von der Verwaltung genutzt werden. Auch bei den Freien Wählern gab es Zustimmung für den Verbindungssteg. „Der Übergang ist ein Gewinn für alle – selbst wenn die Konferenzräume nicht so intensiv genutzt werden“, sagte Fraktionsvorsitzender Matthias Schelter.

Ob das Kongresszentrum in der Stadthalle und der damit verbundene Übergang für die Stadt Sinn machen, darüber waren sich die Stadträte dennoch uneinig. „Ich sehe mit dem Übergang auch das traditionelle Ensemble aus Rathaus und Stadthalle gestört“, merkte Edwin Schicker (Aktive Bürger) an. Markus Pesth bezweifelte, dass es in Neutraubling überhaupt Bedarf an weiteren Konferenzräumen gibt. „Diese Maßnahme ist wenig sinnvoll und erschwert zudem eine mögliche Erweiterung des Rathauses in der Zukunft“, sagte Pesth. Die Investition von einer weiteren halben Million Euro sei „maximal schwierig – gerade in einer finanziell so angespannten Zeit“. Mit sieben Gegenstimmen der SPD und der Aktiven Bürger wurde schließlich die Planung des Verbindungsstegs beschlossen. Bürgermeister Harald Stadler betonte, man wolle das Rathaus zukunftsfähig machen. „Ich denke nicht, dass dann in den nächsten Jahren eine erneute Erweiterung nötig wird“, sagte Stadler.

Außerdem hatten die Stadträten vor der Sommerpause angeregt, ob man die Raumhöhe im Bühnenbereich der Stadthalle erhöhen könnte. Das sollte den Künstlern mehr Möglichkeiten geben. Hier bissen sich die Planer vor allem wegen der Dachkonstruktion mit Trägern die Zähne aus. Eine Variante mit einer Dachgaube – Mehrkosten von 141 600 Euro – wurde einstimmig abgelehnt. Der Mehrwert dieser Maßnahme sei zu gering, so die einhellige Meinung.

Weniger Förderung für Neutraublings Rathaus-Projekt in Aussicht

Die Fachplaner brachten auch Neuigkeiten zum Thema Förderung mit. So werde es für die Sanierung nach heutigem Stand weniger Geld aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) geben, als ursprünglich erhofft. Die Regierung bezifferte die förderfähigen Kosten auf 3,1 Millionen Euro. 600 000 Euro weniger stehen damit in Aussicht. Eine fixe Förderzusage werde es bis Ende des Jahres geben, so die Fachplaner. Dann kann der Stadtrat einen endgültigen Beschluss zum Projekt fassen.

Die Entwurfsplanungen für das Bürgerzentrum sollen bis zum Herbst abgeschlossen sein. Ohne den Steg rechnete die Stadt mit Kosten von 26,5 Millionen Euro und hoffte auf Fördermittel von bis zu 9,3 Millionen Euro Die beträchtliche Investition will die Stadt größtenteils über einen langfristigen Kredit finanzieren. Die Sanierung soll bereits im kommenden Jahr starten und bis Ende 2027 abgeschlossen sein.

Windkraft: Keine Vorrangflächen in Neutraubling

Auf dem Stadtgebiet in Neutraubling werden keine Vorrangflächen für Windkraft ausgewiesen. Das teilte Klimaschutzmanager Manfred Pfauntsch mit. Gründe seien die dichte Bebauung und die fehlende Windgeschwindigkeit. „Es wäre schön, wenn auch Neutraubling möglichst viel Strom auf seinem Gebiet produzieren würde. Andererseits ist der eine oder andere wohl froh, kein Windrad vor der Haustür zu haben“, bilanzierte Bürgermeister Harald Stadler. Man werde sich die Möglichkeit zur Beteiligung an Projekten in den Nachbargemeinden auf jeden Fall offen lassen. „Wir wollen unseren Beitrag leisten“, sagte Stadler.

Soziales Wohnen: Projekt in Neutraubling nimmt Form an

In der Barbinger Straße soll ein Neubau mit insgesamt zwölf Wohnungen entstehen. Es handelt sich dabei um Sozialwohnungsbau, der öffentlich gefördert wird. In dieser Förderung („EOF-Förderung“) wird laut Informationen des Landratsamts bei den staatlich geförderten Mietwohnungen nicht mehr die kostengünstige Sozialmiete vereinbart, vielmehr orientiert sich die zulässige Miete am ortsüblichen Rahmen. Damit die Miete für bedürftige Mieter in dem Gebäude erschwinglich bleibt, erhalten sie einen monatlichen Zuschuss. Der Stadtrat erteilte dem Projekt einstimmig das gemeindlichen Einvernehmen.