Sorge um Finanzierung: 26,5 Millionen Euro für Neutraublings Rathaus und Stadthalle

Die Stadt Neutraubling steht zur geplanten Sanierung des Rathauses und der Stadthalle – auch wenn die vorgestellten Gesamtkosten am Donnerstag im Stadtrat für besorgte Mienen sorgten. Statt nur eine energetische Sanierung der Gebäude anzustoßen, will man gleich mehrere Baustellen anpacken. Doch kann die Stadt Neutraubling sich das überhaupt leisten?
Geplant ist zum Beispiel, die Küchen des Ratskellers zu erneuern, den Westteil des Rathauses aufzustocken und die Stadthalle zu einem Konferenz- und Tagungszentrum auszubauen. „Wir wollen die Stadthalle und das Rathaus zukunftsfähig machen“, sagte Bürgermeister Harald Stadler.
Die Fachplaner Andreas Ascherl (bast + ascherl) und Michael Unverdorben (HSP) stellten in der jüngsten Sitzung dem Gremium ihren Entwurf vor. Man wolle das äußere Erscheinungsbild des Ensembles erhalten und gleichzeitig den Wärme- und Energiebedarf radikal senken. „Das Rathaus ist einer der größten Energieverbraucher auf städtischer Seite“, erklärte Ascherl.
PV-Anlage und Wärmepumpe für Neutraublings Gemeindezentrum
Für die energetische Sanierung sind neben einer PV-Anlage auf dem Dach auch eine Grundwasserpumpe, eine neue Dämmung der Außenwände und neue Fenster angedacht. Die Verbesserungen im Sinne des Klimaschutzes werden gefördert – vom Europäischen Fonds für regionale Entwicklung. Insgesamt hofft die Stadt mit weiteren Geldern auf Fördermittel von 9,3 Millionen Euro. Diese sollen die kalkulierten Kosten von 26,5 Millionen Euro etwas abfedern.
Neutraubling bei Rathaus-Sanierung unter Zeitdruck
Doch kann sich die Stadt diese Investition überhaupt leisten? „Wir waren von den Zahlen erst mal geschockt“, sagte Stadtrat Markus Pesth (SPD). Für die energetische Sanierung waren bisher nur 8,2 Millionen Euro im Haushalt eingestellt. „Da stellt sich mir die Frage nach der Finanzierung“, sagt Pesth. Auch in der Fraktion der Aktiven Bürger wünscht man sich Einsparmöglichkeiten, zum Beispiel durch einen möglichen Verzicht auf die Tagungsräume. „Wir müssten die Mehrkosten überwiegend über einen langfristigen Kredit finanzieren“, erklärte Kämmerer Manfred Zink. Ein weiteres Problem der Stadt: Die Zeit drängt. Denn das Projekt muss bis Ende 2027 abgeschlossen sein – sonst ist die Klimaschutz-Förderung in Millionenhöhe weg. Und ohne die verschiedenen Zuschüsse hat auch der Kämmerer Bauchschmerzen, ob das Projekt für die Stadt zu stemmen ist. „Wir nehmen die Bedenken sehr ernst. Wenn es zu Problemen mit den Fördermitteln kommt, können wir immer noch abspecken“, schlug der Bürgermeister vor.
CSU und Freie Wähler sprachen sich klar für das Projekt aus. Mit Gegenstimmen aus der SPD-Fraktion beschloss der Stadtrat, die Maßnahme fortzusetzen. Als nächstes steht die Entwurfsplanung an. Die soll bis Oktober abgeschlossen sein.
Rathaus Neutraubling zieht in den Schlangenbau
Die Sanierung soll danach bereits im kommenden Jahr starten und bis Ende 2027 abgeschlossen sein. Während der Bauzeit bleibt die Stadthalle geschlossen, das Restaurant im Ratskeller kann wohl geöffnet bleiben. Die Belegschaft des Rathauses muss für die Bauzeit umziehen. Hier will die Stadt einen Leerstand, der allen Beteiligten Kopfzerbrechen schon lange Zeit bereitet, füllen. „Wir haben das große Glück, dass der Schlangenbau ziemlich leer ist“, sagt Stadler. Hier sei man mit dem Vermieter bereits in Verhandlungen zum Mietvertrag. „Wir beleben den Schlangenbau und hoffen, dass so vielleicht auch Firmen auf diese Mietobjekte aufmerksam werden“, sagt Stadler.
Für Trauungen während der Bauzeit könne ins Kulturhaus ausgewichen werden, für die Stadtratssitzungen gebe es mehrere Möglichkeiten – favorisiert wird aktuell ein Saal im Feuerwehrhaus.