Photovoltaik hat höchste Priorität: Neutraubling nimmt Klimaschutzkonzept in Angriff

Als größter Energieverbraucher im Landkreis steht Neutraubling vor großen Aufgaben. Der Stadtrat hat nun ein Klimaschutzkonzept verabschiedet, um Neutraubling für die Zukunft zu rüsten. Grob geschätzt soll die Umsetzung der Maßnahmen über 100 Millionen Euro kosten. Diese Maßnahmen sind geplant.
Photovoltaik-Anlagen und nachhaltige Wärme sollen bei der Umsetzung des Klimaschutzkonzepts wichtige Eckpfeiler sein. Als Industriestadt hat Neutraubling mit besonderen Herausforderungen zu kämpfen. Die beiden Klimaschutzmanager Johannes Graf und Manfred Pfauntsch haben das Konzept in den vergangenen eineinhalb Jahren in Zusammenarbeit mit Stadtrat, Verwaltung, Firmen und Bürgern zusammengestellt und nun offiziell eingereicht. „Wir glauben, dass die Maßnahmen gut umsetzbar sind“, sagt Graf. Die Vorschläge der beiden seien von allen Beteiligten gut angenommen worden. „Bei neuen Bauprojekten sind wir gleich mit eingebunden“, sagt Graf.
Nachdem es in Neutraubling weder Platz für Windräder und noch eine Möglichkeit für Wasserkraft gibt, sei Photovoltaik das einzige Potenzial für erneuerbare Energien. Hier setzen die Klimaschutzmanager an. „Wir wollen alle städtischen Gebäude mit PV-Anlagen ausstatten“, sagt Pfauntsch.
Schwimmende PV-Anlage am Guggenberger Weiher?
Aktuell gibt es insgesamt fünf Anlagen auf städtischen Gebäuden: Die größte befindet sich seit 2012 am Jugendtreff und hat eine Leistung von 73 Kilowatt-Peak. Weitere sind am Dach des Kindergartens Märchenhaus (30 Kilowatt-Peak), an der Mittelschule (15 Kilowatt-Peak), am Bauhof (15 Kilowatt-Peak) und am Rathaus (drei Kilowatt-Peak). Auch für das neue Hallenbad ist eine Anlage mit 55 Kilowatt-Peak geplant. Ausbau-Potenzial hätten zudem zum Beispiel das Rathaus, die Stadthalle, die Feuerwehr oder die O-Bauten. Auch die neue Aussegnungshalle soll sich selbst mit PV versorgen. „Wir wollen aber auch bei Privathäusern und Dächern der Industriegebäude etwas anstoßen“, sagt Pfauntsch.
Auch ausgefallenere Vorschläge wie mit Photovoltaik überdachte Parkplätze oder eine schwimmende Anlage auf einem Guggi-Nebenweiher sind Teil des Konzepts. „Das ist eine spezielle Idee, aber nicht so weit hergeholt“, sagt Graf. Auch die Bürger sollen bei PV-Anlagen eingebunden werden. Knapp 50 Anträge für Balkonkraftwerke haben die Klimaschutzmanager mit insgesamt 6000 Euro Förderung bisher bearbeitet. „Das ist ein guter Weg, um Bürger an das Thema heranzuführen“, sagt Pfauntsch.
Auch die Versorgung mit nachhaltiger Wärme ist ein wichtiger Punkt im Konzept. „Wir müssen auch in der Zukunft bezahlbare Wärme in die Häuser der Bürger bringen“, sagt Graf. Auf Gas wolle man in Neutraubling nicht mehr setzen. Ein Problem der Stadt sei die dichte Besiedlung. „Wir müssen schauen, wo wir Energiequellen haben“, sagt er. Dann müsse man Siedlungen nach und nach bei der Wärmeversorgung überplanen.
Potenzial bei Wärmepumpen für Neutraubling
Das mit Abstand größte Potenzial liege im Einsatz von Wärmepumpen. Ein Zwischenziel des Bundes ist ein Wärmepumpenanteil von 33 Prozent bis zum Jahr 2030. Konkret bedeutet das: In Neutraubling müssten etwa 730 Wärmepumpen installiert sein.
Das Klimaschutzkonzept zeigt die aktuelle Situation in Neutraubling und die Ziele und Möglichkeiten zur Reduzierung von Treibhausgasemissionen. „Mit der Unterstützung unserer Klimaschutzmanager und auf Basis des Klimaschutzkonzeptes bin ich sicher, dass Neutraubling für die Zukunft gut aufgestellt ist“, sagt Neutraublings Bürgermeister Harald Stadler.
Nun geht es an die Umsetzung der etwa 80 Maßnahmen des Klimaschutzkonzepts. Auch diesen Schritt sollen die Klimaschutzmanager begleiten. Wichtig sei dabei laut Pfauntsch, mögliche Förderungen abzugreifen. „Fördergelder schaffen Akzeptanz für nachhaltige Projekte“, sagt er.
Manche Maßnahmen wie die energetische Sanierung des Rathauses sind bereits in Planung. Auch neue PV-Anlagen auf den städtischen Gebäuden sollen zeitnah umgesetzt werden.
