Energiewende: Neutraublinger zeigen großes Interesse an Fernwärme-Ausbau

Hochsommerliche Temperaturen, ein heißes Eisen und volles Haus: Der Info-Abend zum Thema „Wie heizt Neutraubling in Zukunft?“ lockte gut hundert Zuhörer in die Stadthalle.
Am Donnerstagabend hatten die beiden Neutraublinger Klimaschutzmanager Manfred Pfauntsch und Johannes Graf zu einer Info-Veranstaltung in die – übrigens angenehm kühle – Stadthalle geladen. Dort wurde schnell klar: Die größte Stadt im Landkreis steht vor enormen Herausforderungen.
Viele Gebäude sind unsaniert und stammen aus der Zeit zwischen 1950 und 1970. Gleichzeitig ist der Energiebedarf des Industriestandorts groß. Die Stadt ist dicht besiedelt. Es gibt viele Mehrfamilienhäuser bis hin zu Hochhäusern. Doppel- und Reihenhäuser mit kleinen Grundstücken dominieren die Baugebiete.
Ziel: bis 2040 klimaneutral
In 17 Jahren, also 2040, soll Bayern klimaneutral sein. Das entspricht ungefähr der halben Lebensdauer einer Heizung. Wie Neutraubling künftig seinen Wärmebedarf deckt, das ist die große Frage. Derzeit ist der Anteil der erneuerbaren Energien in der Stadt sehr gering. Aber allein der Wärmebedarf liegt laut aktuellem Energienutzungsplan bei knapp 170 000 Megawattstunden pro Jahr. Der Strombedarf beträgt demnach weitere 95 000 Megawattstunden pro Jahr.
Bei der Umstellung der Wärmeversorgung gibt es mehrere Stellschrauben: erneuerbare Energie ausbauen, Energie einsparen, Effizienz steigern, Netze und Speicher ausbauen. Das ist leichter gesagt, als getan. Was tun, wenn zum Beispiel die alte Öl- oder Gasheizung kaputt geht? „Meine Gasheizung ist 37 Jahre alt, das ist schon ein blödes Gefühl“, meinte einer der Zuhörer und brachte damit auf den Punkt, was viele Bürger umtreibt.
Potenzial sieht Klimaschutzmanager Pfauntsch in Neutraubling künftig vor allem bei Wärmepumpen – insbesondere unter Nutzung von Grundwasser – und Fernwärme, wie er in seinem gut einstündigen Vortrag ausführte. Bei Biomasse in Form von Pellets werde dagegen bereits heute im Landkreis deutlich mehr Brennholz genutzt als in der Region nachwachse. „Die Nachfrage wird durch geplante Heizkraftwerke noch weiter steigen“, so Pfauntsch. Dadurch ergebe sich kein weiteres nachhaltiges Ausbaupotenzial.
Dämmen und Sanieren
Vielmehr plädierte der Klimaschutzmanager fürs Dämmen, am besten im Rahmen einer umfassenden energetischen Sanierung. Damit könnten laufende Energiekosten reduziert, Wohnkomfort und Behaglichkeit verbessert und auch der Wert einer Immobilie gesteigert werden, so sein Urteil. Pfauntsch warnte zugleich vor „Schnellschüssen“ beim Thema Heizen: „Gelassen bleiben“, lautete sein Rat an die Zuhörer. Er sprach sich aber dafür aus, keine neuen Gas- und Ölheizungen zu bestellen, mehr erneuerbare Energien zu nutzen – insbesondere PV-Anlagen – sowie „langfristig zu denken und zu planen“. Seine Empfehlung: Den Rat von Fachleuten einholen, zum Beispiel in Form einer Energieberatung bei der Energieagentur Regensburg oder auch bei der Rewag.
Fachkundige Einschätzungen konnten die Besucher auch gleich vor Ort sammeln. Die Rewag als regionaler Energieversorger war mit mehreren Mitarbeitern präsent und diese waren gefragte Gesprächspartner. „Wird auch in meiner Straße Fernwärme verlegt?“, lautete die am häufigsten gestellte Frage. Roland Scherzer, Rewag-Projektleiter für Neutraubling, spricht lieber von Nah- als von Fernwärme. Gemeint ist das Gleiche: Die Übertragung von Wärme zum Heizen über relativ kurze Strecken. Eine Anbindung an die zwei bereits bestehenden Haupttrassen in Neutraubling sei leider nicht überall möglich, so Scherzer. „Wir schauen aber, wo es technisch machbar ist.“ Wenn bereits viele Leitungen in einer Straße lägen, sei das ein Problem. Zudem müsse das Ganze auch wirtschaftlich sein. Je weiter die Haupttrassen entfernt seien, umso schlechter. Etwa fünf Kilometer sind die Fernwärme-Leitungen in Neutraubling derzeit lang.
Neues Biomassekraftwerk
Zuletzt wurde demnach die Schlesische Straße angeschlossen. Im nächsten Jahr wird das Netz laut Rewag in Richtung Gewerbegebiet Nord erweitert, wo 2024 ein Biomassekraftwerk ans Netz gehen soll und damit ein weiterer Einspeisepunkt entsteht. Grundsätzlich gilt laut Rewag: Je mehr Fernwärme-Interessenten sich in einer Straße finden, desto besser und umso eher wird eine Leitung verlegt.
Kommunale Wärmeplanung
Umbau: Kommunen müssen Pläne vorlegen, wie sie die Heizinfrastruktur klimaneutral umbauen wollen. Großstädte sollen bis Ende 2025 liefern, kleinere Städte wie Neutraubling haben zwei Jahre länger Zeit.
Übergang: Erst wenn die kommunale Wärmeplanung steht, müssen sich Bürger auch daran halten. Bis dahin kann jeder die Heizung einbauen, die er haben will.
