Bekommt Neutraubling eine Seilbahn? Klimaschutz-Workshop sammelt Ideen

Von Dagmar Unrecht · 12. Mai 2023 um 17:00

Neutraubling will beim Klimaschutz vorankommen und setzt dabei auf engagierte Bürger. Am Donnerstagabend fand in der Stadthalle deshalb ein Workshop statt. Einer der Vorschläge: eine Seilbahn für Neutraubling.

Mehr Klimaschutz und möglichst viel Energie aus regenerativen Quellen – das hat sich der Landkreis Regensburg vorgenommen. Bis 2040 will ganz Bayern klimaneutral werden. Die Frage ist nur: Wie? Auch Neutraubling kommt um eine Antwort nicht herum. Die Herausforderung ist beachtlich, denn die größte Stadt im Landkreis verbraucht von allen 41 Kommunen rund um Regensburg mit Abstand am meisten Strom und Wärme.

Industrie braucht Energie

„Wir brauchen grüne Energie für unsere Industrie zur Standortsicherung“, sagt Bürgermeister Harald Stadler. Das Problem: In Neutraubling weht kein Wind und es gibt nur wenig Platz für Freiflächen-Photovoltaik-Anlagen. Also müssen andere Ideen her. Und die sprudelten nur so beim Bürgerworkshop, zu dem die Klimaschutzmanager der Stadt, Johannes Graf und Manfred Pfauntsch, eingeladen hatten. An die 50 Teilnehmer kamen, die Hälfte davon Stadträte und Mitarbeiter der Verwaltung.

Auf mehreren Pinnwänden wurden die Vorschläge gesammelt, vier Stationen gab es insgesamt – zu den Bereichen Mobilität, Immobilien-Haus-Garten, Energie-Wirtschaft-Infrastruktur und Natur-Landschaft-öffentlicher Raum. Rund zwei Stunden konnten die Anwesenden in den Themenecken miteinander diskutieren, Kärtchen mit Stichpunkten beschriften und Fähnchen mit Anregungen in ausliegende Stadtpläne stecken.

„Fernwärme“ war dabei zum Beispiel ein Stichwort, das Norbert Herdegen lieferte. Seit 32 Jahren wohnt er in Neutraubling und ist bisher bei der Rewag mit seinem Wunsch, Fernwärme zu bekommen, abgeblitzt. Ebenso sei es auch Nachbarn ergangen, erzählt er. „Die Stadt müsste sich da einbringen und die Interessen bündeln.“ Also zum Beispiel bei den Bürgern abfragen, wer Fernwärme möchte und sich dann dafür bei der Rewag einsetzen, so sein Vorschlag. „Das hat ja keinen Sinn, wenn das jeder für sich allein macht“, findet Herdegen.

Strom für Garagenhöfe

Ähnlich sei es beim Thema Garagenhöfe. Viele Garagen hätten keinen Stromanschluss und gerade im Hinblick auf E-Mobilität sei es sinnvoll, gleich alle zusammen anzuschließen, schlägt er vor. Auch Dach-PV-Anlagen seien auf Garagenhöfen möglich. „Aber das kann man nur gemeinsam machen.“ Bei dem Neutraublinger kommt das Bürgerworkshop gut an. „Sehr konstruktiv“ findet er das Format, „weil es nicht um Grundsatzdiskussionen geht, sondern um konkrete Projekte“.

Auch Katrin Augsten lobt die Form der Bürgerbeteiligung. Sie lebt seit fünf Jahren in Neutraubling und erfährt an der Station zum Thema Mobilität, dass es E-Carsharing in der Stadt gibt. „Da hat es sich schon gelohnt, hierher zu kommen.“ Sie habe viele gute Vorschläge gehört, bilanziert sie nach ihrem Rundgang. Eine „Super-Idee“ sei zum Beispiel, den Gleisanschluss wieder zu reaktivieren.

Konzept bis November

Die beiden Klimaschutzmanager, die inzwischen seit fast einem Jahr im Amt sind, haben nun die Aufgabe, die in lockerer „Wünsch Dir was“-Atmosphäre zusammengetragenen Vorschläge zu sortieren und auf ihre Umsetzbarkeit abzuklopfen. Welche Maßnahmen am Ende ins Klimaschutzkonzept einfließen, dass bis Ende November in trockenen Tüchern und vom Stadtrat abgesegnet sein muss, wird sich zeigen. Vogelkästen für Fledermäuse im Haid Park? Vielleicht. Eine Seilbahn? Wohl kaum.

Die Klimamanager erhoffen sich künftig mehr Hilfe aus der Bürgerschaft. Sie wollen einen Bürger-Beirat zum Thema Klimaschutz ins Leben rufen – ein ehrenamtliches Gremium mit rund neun Mitgliedern, die Expertise mitbringen und konkrete Projekte umsetzen sollen. Dafür werden derzeit noch Mitstreiter gesucht. 13 Bürger haben schon Interesse bekundet.

Energieverbrauch

Sektoren:Verkehr, private Haushalte und Industriebetriebe verbrauchen in Neutraubling die meiste Energie. Täglich pendeln rund 14 000 Menschen ein, also etwa so viele wie die Stadt Einwohner hat.

Bedarf:Rund 95 000 Megawattstunden Strom und 169 000 Megawattstunden Wärme werden in Neutraubling pro Jahr verbraucht – hauptsächlich ererzeugt mit Öl und Gas.