Die Sperrzeit ist Geschichte: Neue Freiheit für Regensburger Kneipen und Clubs besiegelt

Von Jonas Raab · 12. Dezember 2024 um 19:00

Die Sperrstunde hat ausgedient. Nach eineinhalb Jahren Testphase hat der Stadtrat nun beschlossen, den „Regensburger Sonderweg“ endgültig abzuschaffen. Das heißt: Altstadtwirte dürfen ihre Lokale auch künftig bis zur Putzstunde um 5 Uhr aufgesperrt lassen und müssen Gäste nicht mehr um 2 Uhr auf die Straße setzen.

Das Thema sorgte am Mittwoch im Verwaltungsausschuss für fast schon sentimentale Momente der Einigkeit zwischen Grünen und CSU. Auch die übrigen Ausschussmitglieder stimmten dafür, die Sperrzeitverordnung aus dem Jahr 2005 zu liberalisieren.

Stefan Christoph von den Grünen hatte in die Sitzung ein Original der Unterschriftenliste mitgebracht, mit der er vor 15 Jahren – genau wie der Nachwuchs von CSU, SPD und FDP – auf die Straße gegangen war, um für die Abschaffung der Sperrzeit zu werben. Damals blitzten die Jugendorganisationen ab. „Ich freue mich persönlich sehr darüber, dass wir das jetzt abschaffen“, sagte Christoph. „Es ist ein bisschen schade, dass Michael Lehner nicht da ist“, sagte Christoph über seinen damaligen Mitstreiter und heutigen CSU-Fraktionschef.

„Gemeinsam stark für Regensburg“: CSU und Grüne freut Sperrstunden-Aus

„Das gebe ich gerne weiter“, meinte Lehners Stellvertreterin Dagmar Schmidl. Sie freute sich darüber, die Abschaffung der Sperrzeit „miteinander“ auf den Weg gebracht zu haben. Mit den Worten „Gemeinsam stark für Regensburg“ schloss sie ihren kurzen Redebeitrag.

Das Sperrstunden-Aus geht auf einen fraktionsübergreifenden Antrag von CSU, Grünen, Brücke, SPD, Freien Wählern sowie sowie Horst Meierhofer (FDP), Christian Janele (Christlich-Soziale Bürger), Irmgard Freihoffer (damals Linke, heute BSW) und Jakob Friedl (Ribisl-Partie) zurück. Sie hatten 2023 beantragt, die Sperrzeit ein Jahr lang aufzuheben, um einen „Impuls für die innerstädtische Kultur“ zu setzen und Betrieben „wirtschaftliche Erholung“ von der Pandemie zu ermöglichen. Um das weitere Vorgehen abstimmen zu können, wurde ein Erfahrungsbericht in Aufrag gegeben. Im Juni verlängerte der Stadtrat auf Vorschlag der Verwaltung den Test bis Jahresende. Das Ansinnen: Die Sommersaison sollte in die Auswertung mit einfließen.

Sperrzeit in Regensburg abgeschafft: Das sind die Erfahrungen der Testphase

Die Ergebnisse des Erfahrungsberichts: Die Polizei registrierte ein leicht rückläufiges Einsatzaufkommen. Jedoch stieg die Zahl bestimmter Straftaten an. Die Beamten taten sich allerdings schwer damit, diese Entwicklungen auf die Sperrzeit zurückzuführen. Auch eine Anwohnerbefragung ergab ein differenziertes Bild. Der Großteil (60 Prozent) der Befragten lehnte jedoch eine Rückkehr zur Sperrzeit um 2 Uhr ab. Die Wirte zogen ein positives Fazit. Das Ordnungsamt registrierte „keine markante Erhöhung an Beschwerden“.

Die Ergebnisse der Pilotphase zeigten, dass die schon Ende der Nullerjahre vorgebrachten Argumente sich bewahrheitet hätten, freute sich Christoph von den Grünen am Mittwoch im Verwaltungsausschuss. Am Donnerstag bestätigte der Stadtrat das ohne Gegenstimme.