Turbulenter Samstag in Regensburg: Wegen einer Protestaktion und eines Brandes wurde es eng

Wer am Samstag in der Altstadt von Regensburg unterwegs war, mag vielleicht nicht alle Weihnachtsgeschenke gefunden haben – zu erzählen aber dürften die meisten mehr als genug mit nach Hause gebracht haben.
Staus, hartnäckige Protestteilnehmer, die Polizisten von der Straße trugen, beißender Geruch und weißer Qualm, der die Sicht in der Oberen und der Unteren Bachgasse vernebelte. Ab Mittag blockierten laut Theodor Schnarr, Bundessprecher der Letzten Generation, etwa 200 Protestteilnehmer den Bereich zwischen der Durchfahrt unter dem Neuen Rathaus und der Minoritenkirche. Auf diese Weise kamen keine Autofahrer mehr in das Parkhaus am Dachauplatz. Für über eine Stunde fiel hier auch der Busverkehr aus. Die Polizei hatte den Bereich zwischen Bayernmuseum und Landshuter Straße abgesperrt. An diesen Stellen bildeten sich Autoschlangen.
Vier Stunden Sperrung
Die Protestteilnehmer, zu denen laut Michael Zaschka, Pressesprecher am Polizeipräsidium Oberpfalz, auch Gruppierungen wie die Letzte Generation, Fridays für Future, die Antifa oder Scientist Rebellion gehörten, taten dies, um gegen die Verdrängung der Klimakrise in der Weihnachtszeit zu protestieren, wie Schnarr erklärte. „Aber wir wollen auch darauf aufmerksam machen, dass das Weihnachtsfest, wie wir es kennen, ganz, ganz massiv bedroht ist“, sagte er über die Aktion.
Die Stadt hatte am Freitag verfügt, dass diese Blockade lediglich bis 14 Uhr hätte dauern dürfen. Es wurde jedoch 16 Uhr, bevor die Straße wieder freigegeben werden konnte. Denn zwischen 50 und 70 hartnäckige Teilnehmer kamen der mehrfachen Aufforderung der Polizei nicht nach, den Protest auf den Platz mit dem kaputten Leuchtbrunnen vor dem Parkhaus zu verlagern. „Wir finden es wichtiger, auf die Klimakrise aufmerksam zu machen“, erklärte dazu Sebastian Mederer, Sprecher der Letzten Generation in Regensburg. Gegen 15.30 Uhr meldete Zaschka, dass seine Kollegen den letzten Blockierer von der Straße getragen haben. Die Zahl der Menschen, die deswegen nun ein ein Ordnungswidrigkeitenverfahren erwartet, schoss schnell auf über 50 in die Höhe.
Rund um den Neupfarrplatz ärgerten sich viele Menschen über die Blockade. Zum Beispiel Renate Mendl, die mit dem Bus in den Stadtnorden fahren wollte. „Ich muss über die Donau“, sagte sie. Schließlich entschied sich die Seniorin, in die Thundorferstraße zu gehen, um nicht noch mehr Zeit zu verlieren – auch wenn das schon ein sehr anstrengender Fußmarsch für sie sei.
Von den durch die Blockade befürchteten Umsatzeinbußen war derweil im Gumprecht Concept Store von Christian Plotzki nichts zu spüren. „Heute ist es noch besser als vergangene Woche“, sagte er. Wärmekissen seien in diesem Jahr der Renner, aber auch Haarschmuck, weißes Porzellan oder Zwitscherboxen, aus denen ein Vögelchen zu pfeifen scheint, wenn jemand daran vorbeigeht – und das waren am Samstag einige.
Aber nicht nur in dem Laden ging es zu wie in einem Taubenschlag, sondern auch davor: Am späten Nachmittag hatte sich die Untere Bachgasse in eine Sackgasse verwandelt. Wegen eines Küchenbrandes im Hemingway's hatte die Feuerwehr laut Einsatzleiter Mario Stuber den Neupfarrplatz ab der Wahlenstraße bis hin zur Rote-Hahnen-Gasse abgeriegelt. Zwei Menschen wurden bei dem Brand leicht verletzt, erklärte er. Die Ursache für den Brand ist unklar. „Die Polizei ermittelt“, gab Stuber Auskunft. Auch die Schadenshöhe müsse noch geklärt werden. Durch die Absperrung sollte der Platz für immerhin drei Löschzüge und 60 Retter geschaffen werden. „Draußen war alles weiß“, schilderte Plotzki den Beginn des Einsatzes. Auch als der Brand wenig später unter Kontrolle war, hing noch beißender Geruch über der Gasse. Für die Menschen außerhalb der Absperrung wurde es noch ein Stückchen enger in der Altstadt. Trotzdem drängten sich viele an den Bändern, um den Einsatz mit ausgefahrener Drehleiter besser beobachten zu können.
Noch ein Demo-Samstag
So viel ist schon einmal klar: Auch das kommende Wochenende in der Altstadt dürfte alles andere als beschaulich ausfallen. Bereits am Freitag waren etliche Versammlungen angemeldet. Laut Juliane von Roenne-Styra, Pressesprecherin der Stadt, kommt es am Freitag um 17 Uhr zu einer Demonstration gegen Repression und Polizeigewalt. Für Samstag ist um 15 Uhr ein Umzug für Frieden, Freiheit, Gerechtigkeit und Selbstbestimmung angemeldet, der am Domplatz starten und enden soll. Außerdem beginnt um 16 Uhr am Emmeramsplatz ein „Romantischer Weihnachtsprotest gegen Thurn und Taxis“.



